Aufsatz 
Isaak Casaubonus : aus den Bekenntnissen dieses protestantischen Gelehrten des XVI. und XVII. Jahrhunderts / von Alexander Vial
Entstehung
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ihrem Kinde, welche in Genf an einen Rigot verheiratet war, als diese dort gleich- zeitig mit seiner Frau ihr Vermögen eingebüsst hatte, obwol dieselbe sich mit seiner Frau schlecht vertrug und ihm selbst oft die grössten Grobheiten machte. ¹) Auch zwei Söhne Calignons, des Canzlers von Navarra, seines Freundes, nahm er, als deren beide Eltern gestorben waren, bei sich auf. 2) Und nicht blos gegen Freunde und Verwandte bewies er sich barmherzig, sondern auch gegen fremde Menschen. Um der Gutthätigkeit, mit der er einst für einen Engländer Wotton gut gesprochen hatte und infolge dessen auch Zahlung leisten musste ³), mit so vielen andern nicht zu gedenken, kann nicht verschwiegen werden, dass er einst in Paris bei einer gros- sen Winterkälte eine arme Frau aus reinem Mitleid ins Quartier aufnahm.*) Mit Recht konnte er daher einmal in sein Tagebuch schreiben:Andern, nicht mir lebe ich; aber auch mir, weil Andern. 5)

Mit eben so viel Zärtlichkeit wie an seiner Frau hing er auch an seiner Mutter, die als Wittwe zu Bourdeaux in dem Dauphiné lebte, wo er ihr ein Häuschen gekauft hatte und sie mit Geld unterstützte. Kaum kann er die Seligkeit beschreiben, die er empfand, wenn er einmal wieder an ihrem Halse hängen konnte; und rührend ist die Besorgnis, mit der er sich nach ihrer Gesundheit und ihrem Befinden erkundigte. Sein Jammer war aber namenlos, als er die Nachricht von ihrem Tode im December 1607 empfing.Also ist sie doch wahr, jene traurige Botschaft von dem Hingang meiner frommen, guten Mutter, ruft er da.O beweinenswerter Tag, der mir die beste Mutter entriss, der mir die Hoffnung benahm, Dich noch einmal zu sehben, mir bemitleidenswertem, der ich nun von der Sehnsucht nach Dir immer geqnält werde. Du hast mir, Du fromme Mutter, göttliche Frau, Muster aller weiblichen Tugenden meine Freuden geraubt. Du hast mir, meiner Frau und meinen Kindern ein solches Andenken an Dich, ein solches Beispiel von Tugend hinterlassen, dass wir weder Deiner vergessen noch irgend ein grösseres Gut wünschen können, als dass wir Dir in Bezug auf die Führung der Ehe und der Sitten ähnlich wandeln, ebenso gottes- fürchtig, ebenso keusch, ebenso enthaltsam, ebenso vorsichtig und sparsam mit Wor- ten, wie Du warst. Du hattest in der Schule meines seligen Vaters gelernt, dieses

1) Eph. II. 625. 629. ²) Eph. II. 642. ³) Epist. 931.) Eph. II, 611. 5) Eph. I. 422.