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bin ich sicher, dass ich einer, wenn auch der unwürdigste von denen bin, die Du zum Heile vorher bestimmt hast.“ 4) Mit der Lehre von der Gnadenwahl machte er eben, wie wir aus diesen Worten gleichfalls sehen, vollen Ernst. ²2) Dass sie ihm nicht zu einem Ruhepolster der Trägheit diente, spricht sich schon darin aus, dass er die eben mitgetheilte Betrachtung mit den Worten schliesst:„Um so mehr sehe ich ein, dass ich mit aller Kraft dahin zu streben habe, dass ich nicht als ein solcher er- scheine, der diese Deine so grosse Wohlthat misbraucht. Das wirst Du thun und mir nicht blos das Wollen, sondern auch das Vollbringen geben!“ Das Bewusstsein seiner Erwählung war es vielmehr, das ihn antrieb, sein Leben täglich im Tagebuche vor Gottes Angesicht zu prüfen und nachzusehen, ob er sich nicht etwa der Gnade unwürdig gemacht habe. Weil es ihm feststand, dass Gott ihn zum Heile erwählt habe, darum jubelte er zu Weihnachten 1598 auf und schreibt:„O glücklich jene, welche diese Ratschlüsse(dass das Göttliche Mensch ward um das Menschliche em- porzuziehen) ernstlich bedenken, glücklicher aber die, denen es gegeben ist, daran zu glauben und sich des Heils und Ruhmes würdig zu erweisen, welchen dieser Tag auf Erden zu bereiten angefangen hat.“s) Darum flehte er den 18. Februar 1599, an seinem Geburtstage:„Siehe, ein neues Jahr! Siehe, ein neuer Beweis Deiner Güte gegen mich! O wenn doch auch mein Herz neu würde, da das alte in Sünden verhärtete. Ich bitte Dich, dreieiniger Gott, heiliger Vater, gib mir einen frommen und vor Eifer für den wahren Glauben brennenden Sinn, ein christliches Gemüt. Gib, dass ich nach Deiner unaussprechlichen Güte würdig erfunden werde, dass Dein heiliger Geist in mir walte. Denn Dein Wort sagt, dass dic Leiber der Frommen lebendige Tempel seien, in denen Du selbst zu wohnen nicht verschmähtest. Ein tiefes und von Weni⸗- gen erkanntes Geheimnis! Obwohl zwischen Deiner und der menschlichen Natur ein so grosser Abstand ist, dass durchaus kein Verhältnis stattfindet, so hast Du dennoch einen Weg gefunden, wie das Measchliche mit dem Göttlichen, das Geschaffene mit dem Schöpfer, das Sterbliche mit dem Unsterblichen verbunden werden könne. Wer mag im Stande sein dies zu begreifen? Diejenigen nemlich, die Du dazu geschickt ge- macht hast. O dass ich doch zu ihnen gehören möchte, das ist die Summe meiner
1) Eph. I p. 79
²) Doch gab er der Augustinischen Fassung derselben den Vorzug vor der Calvinischen, mit der er sich später immer weniger befreunden konnte.
²) Eph. I. p. 114.


