Aufsatz 
Isaak Casaubonus : aus den Bekenntnissen dieses protestantischen Gelehrten des XVI. und XVII. Jahrhunderts / von Alexander Vial
Entstehung
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ung während seines Aufenthaltes in Lyon höchst ungern entbehren musste und dess- halb einmal zu Weihnachten aus Sehnsucht nach dem öffentlichen Gottesdienste den katholischen besuchte, war er geärgert, als der Franziskaner-Pater Lusitanus, mit dem er in dem Hause seines Gastfreundes, des Herrn de Vieque, einen Disput über die Bilderverehrung gehabt hatte, in der Predigt seinen verehrten Freund Beza eine Bestie und einen ungelehrten Menschen nannte. ¹) Der von ihm bitter empfundene Mangel des reformierten Cultus in dem bigotten Lyon war nicht einer der geringsten Beweggründe, die ihn nach Paris trieben ²), wo den Reformierten nach dem Edict von Nantes gestattet war, anfangs in der viertausend Schritte von der eigentlichen Stadt entfernten Vorstadt Ablon, später, als dem König die gar zu grosse Beschwerlich- keit ³), die mit dem Besuche dieses Ortes oft verbunden war, vorgestellt wurde, in dem etwas näheren Charanton ihren Gottesdienst abzuhalten.

Wenn er daher genötigt war hier einmal den Gottesdienst unbesucht zu lassen, dann hören wir ihn sich in seinem Tagebuche darüber anklagen. An der Feier des Abendmahls nahm er des Jahres mehreremale Theil.Dies Sacrament, schreibt er, ist ein sicheres und unerschütterliches Unterpfand des Heils für uns. O tiefes Geheim- nis, Gegenstand des heiligsten Ratschlusses! Aber wer von den Sterblichen ist es, der es hinlänglich begriffe? In diesen überirdischen Dingen ist der Sinn der irdisch ge- sinnten Menschen blind. Was sage ich blind? Es würde wol um das menschliche Geschlecht stehen, wenn sein Blick nur durch Wolken verfinstert wäre; nun aber in irdische Gedanken tief versunken können wir unsern Blick zur Betrachtung der himm- lischen Dinge nicht nur nicht erheben, sondern es liegt uns auch nichts daran, wir wollen es nicht; ja den göttlichen Gesetzen widerstrebt die menschliche Weisheit. Fort mit dieser Weisheit, welche schlechter ist als alle Thorheit. Aber selig, dreimal und noch mehr selig jene, deren Auge Du, o himmlischer Vater, erleuchtet hast mit

Deinem göttlichen Lichte, deren Herz Du wieder hergestellt, kurz die Du wiederge- schaffen und von Neuem geboren hast, nachdem Du sie schon einmal geschaffen. Durch Deine Barmherzigkeit und durch das Verdienst Jesu Christi, Deines Sohnes,

¹) Ephemer. I. p. 214. ²) Eph. I. 235. ²) Am 20. August 1608 wäre Casanbonus mit seiner Familie auf der Seine nach Charanton fahrend

auch beinahe ums Leben gekommen, da das Fahrzcug umgeschlagen war, und wurde nur wie durch ein Wunder gereltet.