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Glaubens, und ihre Wurzel iſt der Wille. Jenachdem dieſer gut oder böſe, entſpringt daraus die duftende, heilſame Blume des Glaubens oder die betäubende, tödtliche Giftpflanze der Fri⸗
volität und des Unglaubens.
Aber es iſt nicht genug, daß wir unſern Willen auf das Gute richten, wir dürfen es auch zweitens nicht verſäumen, wofern wir unſere Zweifel glücklich löſen wollen, uns mit dem In⸗ halte des Glaubens und der Offenbarung mehr und mehr vertraut zu machen und uns denſelben unſerer jedesmaligen Bildungsſtufe entſprechend vollkommener und reiner anzu⸗ eignen. Daher möge einerſeits das Studium der Glaubenswahrheiten nie aufhören neben unſern eigentlichen Berufsarbeiten uns ernſtlich zu beſchäftigen, und anderſeits mögen, was nicht minder wichtig, ja wohl noch wichtiger iſt, falſche Scham und feige Rückſichten uns niemals abhalten im Verein mit dem kirchlichen Leben zu bleiben, damit wir nicht von dem lebendigen Weinſtocke ge⸗ trennt und losgelöſt des innern Gnadenlebens verluſtig gehen, das von jenem aus alle einzelnen Rebzweige belebend durchdringt. Denn wer hauptſächlich oder ausſchließlich Sinn und Verſtand nur auf Natur und Körperwelt oder auf das äußere Leben der Menſchen richtet, deſſen Geiſtes⸗ auge verliert gar leicht die Sehkraft für das innere Leben und Weſen der Seele. Noli foras ire, ſagt der große heil. Auguſtinus, in interiore homine habitat veritas. In dem menſchlichen Geiſte liegen die Wurzeln aller höhern Erkenntniß, und die menſchliche Vernunft muß in die großen Ideen ſich vertiefen, die in ihrem Innern ſich vorfinden und durch den Glauben ihr zum höhern Bewußtſein gebracht werden. Thut ſie dieſes nicht, ſo entſteht gar leicht, wie man ſo häufig wahr⸗ zunehmen Gelegenheit hat, ein kläglicher Kampf gegen Phantome und Einbildungen. Denn wie oft iſt der Zweifel und Widerſpruch der menſchlichen Vernunft oder Unvernunft nur gerichtet gegen den falſch oder gar nicht verſtandenen Inhalt des Glaubens! Wie oft verurtheilt man, aller Bil⸗ ligkeit und Gerechtigkeit entgegen, ohne gehört zu haben, ohne hören zu wollen! Was aber kann widerwärtiger ſein als dieſes? Die Einwürfe der Flachheit und Unwiſſenheit, welche überdies ſo gern mit frecher Anmaßung und abſprechender Dreiſtigkeit ſich verbindet, ſind immer und überall dem ernſten, gediegenen Manne zuwider; den größten und gerechteſten Unwillen jedoch müſſen ſie erregen auf dem Gebiete, wo es ſich um die höchſten und wichtigſten Fragen des Menſchen handelt. Ehe man daher zu behaupten wagt, daß der Glaube etwas Unvernünftiges aufſtelle, prüfe man aber und abermals, mißtraue vorſichtig und beſcheiden dem eigenen Urtheile und halte ſich ſelbſt ja nicht für unfehlbar! Denn vergeſſen wir es nicht, daß unter denen, die am Glauben unverbrüch⸗ lich feſtgehalten haben, die größten Denker aller chriſtlichen Jahrhunderte ſich finden, nicht bloß Männer wie ein hl. Auguſtinus, Anſelmus, Albertus Magnus, Thomas von Aauino, ſondern auch ein Kopernikus, Keppler, Galilei, Leibniz, Haller und andere„königliche Geiſter, welche den
Jahrhunderten beweiſen, daß das Licht der Vernunft, je heller es ſtrahlt, um ſo ſicherer auf das 4 3 ⸗


