Aufsatz 
Die Fläche, welche durch Rotation eines Kreises um eine beliebige Axe entsteht / von Uth
Entstehung
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Mann. Spiegelt und reflektirt doch auch ein und dasſelbe Sonnenlicht ſich anders im perlenden Thau⸗ tropfen am Morgen als in dem fallenden Regen und am blauen Firmamente des Mittags oder in dem leichten Gewölke des abendlichen Himmels, anders an dem grünen Laube der Bäume als an der rothen Blätterpracht der Roſe oder den weißen Blüthenkelchen der Lilie.

Je ernſter und redlicher jemand nach Wahrheit ſtrebt; je wärmer ſein Herz ſchlägt für die ideellen Güter der geiſtigen Natur; je lebhafter er mit den höchſten und wichtigſten Fragen des menſchlichen Geiſtes ſich beſchäftigt: deſto mehr bedarf die Antwort des Glaubens auf dieſe Fragen fortwährender Vermittlung und Auseinanderſetzung mit der vernunftmäßigen Erkenntniß.

Aber abgeſehen von dieſer Aufgabe, die auch dem im Glauben Feſtbegründeten, dem durch die übernatürliche Gnade des Glaubens Erleuchteten ſein Leben lang verbleibt, bis er nicht mehr nur im Spiegel räthſelweiſe ſchauen wird, erhebt ſich in der Zeit, wovon wir reden, eine andere Aufgabe als nothwendige Vorbedingung zu jener.

Der Einfalt des Kindes iſt der Glaube natürlich; ſein empfängliches Herz nimmt arglos und getreulich auf, was die Mutter hineinlegt, und wäre es ſelbſt Irrthum und Wahn; es zweifelt nicht an der Wahrheit, es fragt nicht nach der Begründung; ihm genügt, daß es von der Mutter alſo gelehrt ward. Aber anders die reifere Vernunft; ihr iſt jener Grund des Glaubens nicht mehr ausreichend; ſie verlangt nach eigener, ſelbſtändiger Erkenntniß, nach einer aus der Sache hervorgehenden Begründung; ſie will die Berechtigung und Pflichtmäßigkeit auch des religiöſen Glaubens einſehen, ſie muß deshalb die Thatſachen prüfen, worauf dieſer ſich beruft, das a Junba⸗ ment unterſuchen, worauf er ſich aufbaut.

Und fragt man, ob ſie dieſes Recht der Prüfung und Unterſuchung habe, ſo werden wir un⸗ bedenklich antworten: Ja, ſie hat dieſes Recht; denn die Vernunft ward uns vom Schöpfer als das natürliche Licht unſeres Geiſtes gegeben, und die Offenbarung ſelbſt ſetzt ſie als nothwendige Vorſtufe voraus, da unſer Glaube ja vor allen Dingen ein vernünftiger ſein ſoll.Der Ge⸗ brauch der Vernunft geht dem Glaubeu vorher, bahnt ihm den Weg, ſo lehrt auch die Kirche, welche weit entfernt iſt die menſchliche Vernunft für blind, taub und verſtockt zu halten.

Die Vernunft muß alſo das Urtheil der Glaubwürdigkeit fällen, und dazu bedarf es bei jedem, der ſelbſt prüft und denkt, objektiver Gründe und einer allen vernünftigen Zweifel ausſchließenden Gewißheit. Dieſe iſt allerdings der Natur der Sache nach keine mathematiſche Gewißheit, weil ja die Thatſachen nur auf dem Wege hiſtoriſcher Prüfung und Forſchung ge⸗ wonnen werden, und deshalb kann ſie für niemand zwingend ſein, der ſie nicht will. Denn be⸗ zweifeln und verneinen läßt ſich ohne großen Witz ja alles, was nicht mit mathematiſcher Evidenz bewieſen werden kann; und wenn es niemand einfällt das Daſein des Meeres oder der Alpen zu

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