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ernſter Arbeit Cuch ans Herz gelegt, auch die Nothwendigkeit von Pietät, Gehorſam und Achtung der mit Rückſicht auf Euer Alter und Euere Verhältniſſe aufgeſtellten Geſetze Euch gezeigt habe, ſo will ich diesmal mit beſonderer Rückſicht auf diejenigen, welche mit dem heutigen Tage aus Euerm Kreiſe ſcheiden, über das Verhältniß des ſtudirenden Iünglings zum Glauben wenige Worte an Euch richten.
Voran ſtelle ich die ſchönen Verſe unſeres großen Dichters:
Haltet am Glauben feſt und feſt an frommer Geſinnung; Denn ſie machet im Glück verſtändig und ſicher, im Unglück Reicht ſie den ſchönſten Troſt und belebt die herrlichſte Hoffnung.
Aber verhehlen will ich auch nicht, daß Niemand, und wenn er vom beſten Willen beſeelt iſt, ohne beſtändigen Kampf dieſer Mahnung nachzukommen vermag. Menſch ſein heißt eben ein Kämpfer ſein; denn es iſt ja, wie der Apoſtel ſagt, ein doppeltes Geſetz in uns, ein Geſetz des Geiſtes und ein Geſetz der Glieder, und den Streit der beiden Naturen völlig auszugleichen, ſie dauernd zu verſöhnen, das gelingt nur der durch Wahrheit und Tugend bereits geläuterten Kraft.
Jener Kampf alſo kann uns nicht erſpart werden, und er entbrennt gerade am heftigſten in dem zum Manne reifenden Jünglinge. Dieſe Zeit der Kriſis, der Gährung aller geiſtigen und ſittlichen Kräfte, ſie iſt auch das Alter des Glaubenskampfes, des Zweifels im Menſchen, weil der bis dahin einfältige, unvermittelte Glaube der Kindheit durch die erwachte Vernunft geprüft und vermittelt ſein will. Nicht auf einmal und plötzlich bricht dieſer Kampf aus, ſondern langſam und allmälig bereitet er ſich vor; auch braucht er nicht blutig und heftig zu werden, wenn nämlich die ſtreitenden Parteien maßvoll, gerecht, verſöhnlich und billig ſind; aber er kommt ſo gewiß und nothwendig, wie die Stürme des Frühlings, wenn die Natur aus den eiſigen Armen des Winters ſich losringt, und am weuigſten bleibt derjenige davon verſchont, der nach allſeitiger Bildung und nach gründ⸗ licher Wiſſenſchaft ſtrebt.
Der Inhalt des Glaubens, der geoffenbarten Wahrheit, iſt an ſich keiner Veränderung oder Vervollkommmung fähig, ſo wenig wie Gott ſelbſt, der uns jene verkündet, wohl aber unſere Auf⸗ faſſung, unſer Verſtändniß der Glaubenswahrheit. Dieſe ſind ſo verſchieden, wie die Menſchen verſchieden ſind, und auch bei dem Einzelnen je nach dem wachſenden Maße ſeiner geiſtigen Reife, Bildung und Erfahrung dem Wandel und Fortſchritt unterworfen. Der Verſtand des gewöhn⸗ lichen, ſchlichten Mannes macht ſich die nämliche Wahrheit anders vorſtellig als der reich ausge⸗ bildete Geiſt des Philoſophen; die abſtrakte Vernunft des Denkers anders als die phantaſievolle Seele des Dichters, als das hingebende Gemüth des Weibes; anders faßt und begreift eine und dieſelbe Wahrheit das naive, einfältige Kind, der feurig ſtrebende Jüngling, der geſetzte, ernſte


