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Trotz der Einfachheit dieſer Operationen erfordern ſie jedoch Zeit und einige Geſchicklich⸗ keit. Man hat daher kürzere Methoden zu erſinnen geſucht, und es gibt deren im Weſentlichen drei: Die von Fuchs angegebene hallymetriſche Bierprobe, die ſich auf die Auflöſungsfähigkeit des Bieres für Kochſalz gründet; die ſich auf die lichtbrechenden Eigenſchaften des Biers baſirende optiſche Bierprobe Steinheils und die aräometriſche von Balling. Wir gehen hier, als mit un— ſeren Betrachtungen zuſammenhängend, nur auf die letztere Methode ein, die übrigens auch die genauſte iſt, und ſorgfältig ausgeführt, nichts zu wünſchen übrig läßt. Das Aräometer, deſ⸗ ſen man ſich hierbei bedient, und das bald den Namen Saccharometer(Zuckerwage), bald Würze⸗ meſſer, bald Bierwage führt, gibt die Gewichtsprocente einer Löſung von Zucker in Waſſer bei 14°R an. Um die Skala desſelben anzufertigen, wird das Inſtrument erſt in deſtillirtes Waſ⸗ ſer getaucht und das Gewicht ſo regulirt, daß die Spindel beinahe bis ans obere Ende einſinkt. An dieſen Punkt ſetzt man Null. Dann nimmt man 5 Loth vom feinſten Raffinade⸗Zucker, der vorher bei 1000 C. ſorgfältig getrocknet worden iſt, und löſt ihn in 95 Lothen Waſſer. Man er⸗ hält ſo eine Zuckerlöſung, die fünf Procent Zucker enthält. Man bereitet dann noch Löſungen von 10 Loth Zucker in 90 Loth Waſſer, 15 Loth Zucker in 85 Loth Waſſer, 20 Loth Zucker in 80 Loth W. u. ſ. f. bis zu 30 Loth Zucker in 70 Loth Waſſer. Indem man nun der Reihe nach das Aräometer in dieſe Löſungen eintaucht und die Punkte bezeichnet, bis zu welchen dasſelbe einſinkt, erhält man die Theilpunkte von 5 zu 5 Grad. Die Zwiſchenräume theilt man gewöhnlich in gleiche Theile.
Nach den vielfachen Unterſuchungen Ballings verhält ſich nun die Bierwürze(die Flüſſigkeit aus der ſich durch Gährung das Bier erſt bildet) in Bezug auf die in ihr befindlichen Procente Malzextract wie eine Zuckerlöſung, ſo daß das Saccharometer direct dazu dienen kann, die Pro⸗ cente Extract einer Bierwürze zu ermitteln.
In Ermanglung eines Würzemeſſers kann man aber auch jede Senkwage benützen, die ſpec. Gewicht angibt, nur muß man ſich dann der von Balling angegebeneu Tafeln bedienen, um die ſpec. Gewichte in Saccharometergrade umzuſetzen. Fände man z. B., daß eine Bierwürze das ſpec. Gewicht 1,0614 hätte, ſo ergäbe die Tabelle 15 Saeccharometergrade, d. h. dann enthielte die Bierwürze 15% Malzextract.
Beim Gähren der Würze verwandelt ſich ein Theil des Malzextracts in Alkohol und Koh⸗ lenſäure. Letztere entweicht zum großen Theil, und da auch der gebildete Alkohol leichter iſt als Waſſer, ſo muß das ſpec. Gewicht der Flüſſigkeit dabei abnehmen und zwar, wie man ſieht, um ſo mehr, je mehr Kohlenſäure und Alkohol ſich bilden. Man könnte nun vermuthen, daß die Ab⸗ nahme des ſpec. Gewichtes proportional wäre der Menge des gebildeten Alkohols. Die genaue Unterſuchung verſchiedener Bierarten, von denen man den urſprünglichen Gehalt der Würze kannte, hat dies beſtätigt..
Iſt einmal der Gehalt einer Würze an Malzextract gleich 15%, und findet man ſpäter in dem daraus entſtandenen Biere, nachdem es durch Schütteln von ſeiner Kohlenſäure befreit worden iſt, mittelſt des Würzemeſſers nur noch 7%, ſo nennt Balling dieſe Verminderung um 8% die ſcheinbare Attenuation(Verdünnung). In Wirklichkeit ſind nämlich noch mehr Procente Malz⸗ extract in der Flüſſigkeit, weil ein Theil derſelben für das Aräometer durch die gleichzeitige Ge— genwart des Alkohols verſchwindet. Balling hat nun gezeigt, daß man, wenn dieſe ſcheinbare Attenuation mit einer gewiſſen Zahl multiplicirt wird, die er den Alkoholfactor der ſcheinbaren Attenuation nennt, unmittelbar den Gehalt des Bieres an Alkohol in Gewichtsprocenten erhält.


