Aufsatz 
Über Aräometer oder Senkwagen
Entstehung
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Dieſer Alkoholfactor iſt übrigens keine conſtante Zahl, ſondern ändert ſich mit dem ur⸗ ſprünglichen Gehalt der Würze an Malzextract. Je nachdem die Würze nämlich 6 bis 30 Grad zeigt, ſchwankt derſelbe von 0,4073 bis 0,4580.

Balling hat eine Tabelle darüber aufgeſtellt, worin man den jedesmaligen Factor ſofort finden kann, wenn man den urſprünglichen Würzegehalt kennt. So iſt für 15 procentige Würze der Alkoholfactor gleich 0,4246. Multipliciren wir daher hiermit die oben angegebene ſcheinbare Attenuation 8, ſo erhalten wir 3,3968 als Gehalt des Bieres an Gewichtsprocenten Alkohol.

In den Balling'ſchen Tafeln findet ſich aber noch ein zweiter Alkoholfactor, der für die wirkliche Attenuation. Um die wirkliche Verminderung des Bieres an Procenten Malzextract zu ermitteln, muß man den Alkohol vertreiben, weil derſelbe einen Theil der in dem Bier gelöſten Subſtanzen in ihren Wirkungen auf die Bierwage gleichſam neutraliſirt. Dieſe Entfernung des Alkohols wird einfach dadurch bewirkt, daß man etwa 2 Schoppen Bier ſo lange kocht, bis nur noch die Hälfte Flüſſigkeit vorhanden iſt. Der Rückſtand enthält nun noch ſämmtlichen Malz⸗ extract; füllt man denſelben daher mit Waſſer ſo weit auf, bis er wieder 2 Schoppen beträgt, und unterſucht mit dem Würzemeſſer, ſo geben einem deſſen Grade den wirklichen Gehalt des Bieres an Extract. Geſetzt wir hätten in dem obigen Falle 8,6 gefunden, dann nennt Balling die Verminderung an Malzextractprocenten, alſo 15 8,6= 6,4, die wirkliche Attenuation. Auch dieſe Zahl muß mit dem gebildeten Alkohol in einem einfachen Zuſammenhang ſtehen. Denn je mehr Alkohol entſtanden iſt, deſto mehr Procente Extract ſind verſchwunden, deſto größer iſt alſo die wirkliche Attenuation.

Balling hat gezeigt, daß man auch durch Multiplication der wirklichen Attenuation mit ei⸗ ner gewiſſen Zahl den Gehalt des Bieres an Alkohol finden kann. Dieſe Zahl, der obengenannte Alkoholfactor der wirklichen Attenuation, iſt in jedem einzelnen Fall ganz beſtimmt, ſchwankt aber je nach dem urſprünglichen Gehalt der Würze an Malzextract zwiſchen 0,4993 und 0,5725. Balling's Tabelle ergibt für einen urſprünglichen Würzegehalt von 15% die Zahl 0,5245. Multipliciren wir hiermit die wirkliche Attenuation 6,4, ſo erhalten wir in der That ziemlich genau denſelben Alkoholgehalt des Bieres in Gewichtsprocenten wie oben, nämlich 3,39.

Aus Gründen, die auseinanderzuſetzen hier zu weit führen würde, gibt man der Beſtim⸗ mung des Alkohols mit Zugrundelegung der wirklichen Attenuation den Vorzug vor derjenigen mit Benutzung der ſcheinbaren.

Mit Hilfe der beiden eben angegebenen Alkoholfactoren und mit Beobachtung des Gehaltes der Würze und des daraus durch Gährung erhaltenen Bieres kann nun der Brauer ſofort ſich überzeugen, welchen Gehalt an Alkohol und Extract ſein Fabrikat hat. Nicht ſo der Conſument; denn wenn derſelbe auch mittelſt der Bierwage ſowohl das alkoholhaltige als das von Alkohol befreite Bier unterſuchen kann, ſo fehlt ihm doch die Kenntniß des unſprünglichen Gehalts der Würze, um mit Hilfe derſelben die ſcheinbare und wirkliche Attenuation zu beſtimmen. Die durch Unterſuchung des alkoholhaltigen und alkoholfreien Bieres erhaltenen Saicharometergrade liefern aber das Mittel, auch ohne Kenntniß des Gehaltes der Würze den Alkoholgehalt des Bieres zu ermitteln.

Man ſieht leicht ein, daß die Anzeige der Bierwage eine größere Anzahl Grade im alkohol⸗ freien Bier liefert, als im alkoholhaltigen, indem ja der Alkohol das ſpec. Gewicht herabdrückt. Der Unterſchied in dieſen beiden Angaben, der in dem obigen Beiſpiele 8,6 7,0= 1,6 war, wird mit dem Alkoholgehalte wachſen; und die Unterſuchung hat gezeigt, daß beide Größen pro⸗