Aufsatz 
Über Aräometer oder Senkwagen
Entstehung
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den Stoffen herrühren kann als vom Zucker; doch läßt ſich nicht beſtreiten, daß die Wahrſchein⸗ lichkeit dafür iſt, daß ein ſpec. ſchwerer Moſt im Allgemeinen zuckerhaltiger ſein wird, als ein ſpec. leichter, und in ſofern hat die Moſtwage ihre Berechtigung.

Die Weinwage.

Durch die Gährung zerlegt ſich der im Moſt enthaltene Zucker zum größten Theil in Al⸗ kohol und Kohlenſäure, ſein ſpec. Gewicht nimmt daher aus 2 Gründen ab. Es entweicht näm⸗ lich nicht nur ein Theil der in ihm enthaltenen Subſtanzen in Form von Kohlenſäure, ſondern der dabei entſtehende Alkohol iſt auch ſpecifiſch leichter als Waſſer. Während daher der Zucker das ſpec. Gewicht des Moſtes erhöhte, wird das des Weines durch den Alkoholgehalt erniedrigt. Indem nun aber neben Alkohol noch eine Reihe anderer Stoffe im Wein enthalten ſind(wie dieß der Rückſtand beim Verdampfen zeigt, der bei unſeren Rheinweinen zwiſchen 1 und 10% beträgt), ſo zeigt ſich deſſen ſpec. Gewicht bald über bald unter 1, und ſchwankt überhaupt zwiſchen 0,990 und 1,104.

Den Alkoholgehalt des Weines mittelſt des ſpec. Gewichts unmittelbar beſtimmen zu wol⸗ len, iſt alſo nicht möglich. Man gelangt aber leicht hierzu, wenn man die Hälfte einer gegebe⸗ nen Menge Weines abdeſtillirt und das Deſtillat mittelſt einer gewöhnlichen Spirituswage auf ſeinen Gehalt an Alkohol unterſucht. Beim Deſtilliren geht nämlich zuerſt der Alkohol mit den Waſſerdämpfen über. Hätte man z B. von einer Flaſche Wein auf dieſe Art einen Schoppen abdeſtillirt und fände nun, daß das Deſtillat, welches nur aus Waſſer und Alkohol beſteht, 20 procentig wäre, ſo hätte der Wein, der ja das doppelte Volumen hatte, 10% enthalten, wie dies z. B. bei unſeren Rhein⸗ und Moſelweinen im Durchſchnitt der Fall iſt.

Tabarié verfährt, um den Alkoholgehalt des Weines zu ermitteln, ſo, daß er die Hälfte des⸗ ſelben verdampft, zum Rückſtand ſo viel Waſſer gießt, daß das urſprüngliche Volumen wieder entſteht, und nun das ſpec. Gewicht der Flüſſigkeit ermittelt. Eine Vergleichung dieſes Gewichtes mit dem des Weines geſtattet dann mit Hülfe von Tabellen eine Berechnung des Alkoholgehalts.

Beiläufig erwähnen wir das Ebulliſkop von Conaty, ein Thermometer, an dem man genau die Temperatur beobachtet, bei der der Wein anfängt zu ſieden. Diefe Temperatur hängt aber von ſeinem Alkoholgehalte ab, während die übrigen im Wein gelöſten Stoffe von wenig Einfluß darauf ſind. Anſtatt einer gewöhnlichen Gradtheilung trägt das Ebulliſkop eine Skala, auf welcher man direet am Stande des Queckfilbers den Alkoholgehalt des Weines in Procenten ab⸗ leſen kann.

Die Bierwage.

Unter Bier verſteht man jedes geiſtige Getränk, das aus gemalztem Getraide, beſonders Gerſte, und aus Hopfen durch langſame Gährung bereitet iſt, und das neben Waſſer noch Alkohol, Kohlenſäure, Malz⸗ und Hopfenextract und einige Salze enthält.

Es iſt nun ſowohl für den Bierbrauer als auch für den Conſumenten von Wichtigkeit, die Quantität der in dem Bier enthaltenen Stoffe zu ermitteln. Erſterer ſieht nämlich hieraus, ob und wie weit das benutzte Malz zum Bier verwendet wurde, und Letzterer erlangt dadurch ein Mittel, ſich über die Preiswürdigkeit des Getränkes zu verſichern.

Die Menge des Alkohols läßt ſich leicht nach dem beim Weine angegebenen Verfahren durch Abdeſtilliren ermitteln, und das Gewicht der übrigen gelöſten Subſtanzen würde ſich durch Abdampfen ergeben.