Aufsatz 
Über Aräometer oder Senkwagen
Entstehung
Einzelbild herunterladen

13

angefertigt worden. Die Temperatur, bei der dieſe Inſtrumente gelten, iſt 600 Fahrenheit oder⸗ 15 ₰0 C., während die von Gay⸗Lüſſae angegebene und in Frankreich gebräuchliche Spirituswage genau für 15⁰ C. gilt. Das Tralles'ſche Inſtrument hat in Deutſchland allgemeine geſetzliche Geltung.

Um aber einen richtigen Gebrauch von dieſer Senkwage zu machen, muß man die zu unter⸗ ſuchende Flüſſigkeit entweder erſt auf die Normaltemperatur bringen(15 Grad C.), oder man muß an dem erhaltenen Reſultat eine Correction anbringen. Da ſich nämlich Alkohol bei Zunahme der Temperatur ziemlich ſtark ausdehnt und dadurch ſpec. leichter wird, ſo wird eine bei zu hoher Temperatur angeſtellte Beobachtung zu viel Procente geben, während eine bei einer Temperatur unter 15% C. vorgenommene Meſſung zu wenig Procente ergibt. Tralles hat nun eine Tabelle berechnet, mit deren Hilfe ſich leicht der richtige Alkoholgehalt ermitteln läßt, auch wenn der Stand des Thermometers bei der Beobachtung nicht 15 iſt. Fänden wir nämlich bei 200 einen Spiritus 80 procentig, ſo ſagt uns die Tabelle, daß er nur 78,5 Procente enthält. Um nicht jedesmal mit einem beſonderen Thermometer die Temperatur des Weingeiſtes unterſuchen zu müſſen, iſt in den beſſeren Spirituswagen ein Thermometer angebracht, auf dem man nach der Einſenkung unmittelbar die Anzahl Wärmegrade der Flüſſigkeit ableſen kann. Durch eine kleine Rechnung oder mit Hilfe der angegebenen Tabelle iſt dann die Correction des Reſultates leicht ausgeführt.

Von dem Tralles'ſchen Alkoholometer verſchieden iſt das Richter'ſche, das Gewichtsprocente angeben ſollte. Da Richter aber zur Feſtſtellung ſeiner Skala nur 4 Verſuche gemacht, ſo iſt dieſelbe höchſt ungenau und daher nur noch wenig im Gebrauch. Man kann dieſes Aräometer auch ganz gut umgehen, da man Tabellen hat, die einem ſofort ſagen, wieviel procentig dem Gewichte nach ein Alkohol iſt, wenn man ſeinen Gehalt an Raumprocenten kennt. So enthält ein Alkohol, der bei 15%0 C. 80 grädig iſt, nur 73,59 Gewichtsprocente.

Die Moſtwage.

Der Traubenmoſt, von dem wir hier nur allein ſprechen wollen, beſteht zum gaoßen Theil aus Waſſer, worin eine Reihe von Stoffen aufgelöſt oder doch aufgeſchwemmt ſind. Die haupt⸗ ſächlichſten dieſer Körper ſind Traubenzucker, Pectin, Eiweiß, Weinſtein und einige andere Salze. Der für die Weingährung wichtigſte Stoff iſt der Traubenzucker, indem dieſer bei der⸗ ſelben geradezu in Alkohol und Kohlenſäure zerfällt. Der Gehalt desſelben im Moſt wechſelt aber ſehr und beträgt in günſtigen Jahren 30 bis 40%, während er zu anderen Zeiten wohl auf 13% herabſinken kann. Alle im Moſt aufgelöſten Subſtanzen tragen aber zur Erhöhung des ſpec. Gewichtes der Flüſſigkeit bei. Die Unterſuchung derſelben mit der Senkwage auf einen dieſer Stoffe wird daher zu gar keinem oder doch zu einem höchſt unſicheren Reſultate führen müſſen. Man hat nun aber doch eine Moſtwage conſtruirt. Dieſes zuerſt von Oechsle angegebene Inſtrument hat eine Skala, die mit 60 oben beginnt und mit 115 unten endet. Nach den von Herrn Geh. Hofrath Freſenius damit angeſtellten Verſuchen ſind dieſe Zahl nichts als abgekürzte ſpec. Gewichte. Moſt iſt nämlich natürlich ſchwerer als Waſſer; es gibt ſolchen, deſ⸗ ſen ſpec. Gewicht 1,075, anderen, der 1,107 ſchwer iſt. Man nennt dann nach Oechsle den erſte ren 75, den letzteren 107 grädig. Es ſind alſo, wie man hieraus ſieht die Grade der Oechsle' ſchen Moſtwage die ſpec. Gewichtszahlen, bei denen das vor dem Komma ſtehende 1 weggelaſſen iſt. Man kann nun billig fragen, was man eigentlich wiſſe, wenn man gefunden hat, daß ein Moſt z. B. 112 grädig ſei? In Bezug auf den Zuckergehalt deſſelben eigentlich noch nichts, in⸗ dem dieſes hohe ſpec. Gewicht gerade ſo gut von den andern gewöhnlich im Moſte vorkommen⸗