Aufsatz 
Über Aräometer oder Senkwagen
Entstehung
Einzelbild herunterladen

11

Indem man ſich auf dieſe Eigenſchaft der Oele ſtützt, kann man leicht nachweiſen, ob z. B.* Rüböl mit Leinöl oder mit Thran gemiſcht iſt. Zeigt die Oelwage nämlich einmal 240 ſtatt 13⁰, ſo deutet dies auf ein unreines Product. Man läßt nun das Oel einige Zeit ſtehen, und kann dann mittelſt eines Hebers oben das Rüböl abziehen, deſſen charakteriſtiſche Eigenſchaften hierauf durch chemiſche Mittel und die Senkwage nachweisbar ſind. Das am Boden befindliche Oel unterſucht man ebenfalls für ſich, und es läßt ſich leicht erkennen, ob man Leinöl oder Thran vor ſich hat. Aus dem gefundenen ſpec. Gewicht der Miſchung kann man ſogar annähernd be⸗ ſtimmen, wieviel von jeder Oelſorte in dem Gemiſch enthalten war.

Die Verfälſchung des Rüböls durch andere Oele läßt ſich noch beſſer zeigen, wenn man dasſelbe auf 1000⁰ C. erhitzt. Durch Erhöhung der Temperatur wird der Unterſchied in den ſpec. Gewichten der einzelnen Oele nämlich noch vergrößert. Laurot hat ein eignes Aräometer zu dieſem Zwecke conſtruirt, das in reinem Rüböl von 1000 C. bis zu einem Punkte einſinkt, der mit 0 bezeichnet iſt; in Thran ſtellt ſich dieſes Aräometer bei 830, in Mohnöl bei 1240 und in Leinöl bei 2100 ein. Es iſt daher leicht, mit Hilfe dieſes Inſtruments die Verfälſchung des Rüb⸗ öls nachzuweiſen. Eine Tabelle gibt zugleich an, wieviel Procent des ſchwereren Oels dem Rüböl beigemiſcht ſind. Die einzige ölartige Flüſſigkeit, die leichter iſt als Rüböl, iſt das ſogenannte Olein(Oelſäure), ein Nebenproduct der Stearinkerzenfabrikation. Ein Zuſatz dieſer Flüſſigkeit zu Rüböl läßt ſich aber leicht durch den Geruch und daran erkennen, daß blaues Lackmuspapier dadurch geröthet wird.

Auch eine Miſchung von Baumöl(Provenceröl) mit dem billigeren Mohnöl läßt ſich mit⸗ telſt der Oelwage nachweiſen, indem das Baumöl auf der Skala 17, das Mohnöl dagegen 25 zeigt. Fände man bei der Unterſuchung die Zahl 19, ſo könnte man ziemlich ſicher ſchließen, daß das Oel aus ¼ Oliven⸗ und ½ Mohnöl beſtände. Nach 8 bis 10 Tagen wird ſich außerdem zufolge der Beobachtungen Klencke's das ſchwerere Mohnöl zu Boden ſeuken. Das Mohnöl ſelbſt, welches in Deutſchland meiſt das Olivenöl erſetzt, zeigt an der Oelwage 250, und man findet daher leicht, ob es mit Rüböl gemiſcht iſt, das, wie wir geſehen, nur 13grädig iſt.

Schließlich bemerken wir noch, daß man bei den Verſuchen mit der Senkwage hier wie ſonſt recht behutſam zu Werke gehen muß, und daß man dieſeltz beſonders im Anfange nicht zu tief eintauchen darf. Indem nämlich an dem Theil der Spindel, der eigentlich herausragen ſoll, eine Schicht Oel haften bleibt, vermehrt ſich das Gewicht des ganzen Inſtrumentes, dasſelbe ſinkt in Folge deſſen tiefer ein, und das Reſultat wird unrichtig.

Auch zur Ermittlung der Reinheit gewiſſer flüſſiger Oele(Nelkenöl, Citronenöl ꝛc.) bedient man ſich zuweilen einer Senkſpindel, eines ſogenannten Eſſenzmeſſers, der von Violet und Guenot in Paris angegeben wurde, und der durch eine leichte Abänderung in ſeinem Gewichte ſowohl für Oele, die ſchwerer ſind als Waſſer, als auch für ſpecifiſch leichtere gebraucht werden kann.

B. Procentaräometer.

Bei dem Gebrauch der allgemeinen Aräometer muß man, wie wir geſehen, meiſtens eine Tabelle zu Rathe ziehen, um zu erfahren, wie viel die gegebenen Flüſſigkeiten an gewiſſen Sub⸗ ſtanzen enthalten. Da die Anwendung ſolcher Tabellen gern vermieden wird, ſo hat man die Procentaräometer angefertigt, von denen wir der Reihe nach die Spiritus⸗, Moſt⸗, Wein⸗, Bier⸗ und Milchwage erörtern wollen.

2*