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„ſpec. Gewicht 0,9 iſt, bis zu einem Punkt einſänke, den man mit 0 bezeichnen würde. Ein zwei⸗ ter Punkt würde gefunden durch Eintauchen in eine Flüſſigkeit vom ſpec. Gewicht 0,97; er würde mit 70 bezeichnet und der Zwiſchenraum zwiſchen beiden ſo in 70 Theile getheilt, daß je ein Grad einer Zunahme von 1000 im ſpec. Gewicht entſpräche.
Eine kleine Rechnung hat mir gezeigt, daß man ohne großen Nachtheil den Zwiſchenraum in 70 gleiche Grade theilen kann. Der größte Fehler liegt dann ungefähr beim 40ten Grad, beträgt aber noch nicht einmal einen Grad, d. h. ¼000 im ſpec. Gewicht, und verringert ſich noch, da keines unſrer gebräuchlichen Oele 400 zeigt.— Mit einer ſo conſtruirten Oelwage erhält man unmittelbar das ſpec. Gewicht des zu unterſuchenden Oels, ſo daß, wenn das Aräometer in Buchöl 22 zeigt, wir ſchließen können, daß das ſpec. Gewicht dieſes Oels 0,922 iſt.
In Frankreich benutzt man ſchon ſeit einiger Zeit eine Oelwage. Dieſelbe iſt von Lefebvre conſtruirt und hat die Geſtalt eines gewöhnlichen Aräometers, deſſen Spindel aber, da die ge⸗ bräuchlichſten Oele nach ihrem ſpec. Gewicht alle zwiſchen 0,900 und 0,940 liegen, ſehr lang und dünn iſt, damit ſchon geringe Unterſchiede im Gewicht merklich werden.
Dieſes Inſtrument ſinkt in einer Flüſſigkeit von 0,900 ſpec. Gewicht bis zum Nullpunkt am oberen Ende der Skala ein. Dem unterſten Punkte, an dem die Zahl 40 ſteht, entſpricht das ſpec. Gewicht 0,940. Die Skala iſt ſo eingerichtet, daß man direct an ihr den Namen des Oels ableſen kann, deſſen ſpec. Gewicht durch die beiſtehende Zahl angegeben wird. So lieſt man z. B. neben der Zahl 0,9347 den Namen Leinöl. Zur Controle iſt zugleich immer die Farbe angegeben, die das betreffende Oel bei der Behandlung mit Schwefelſäure annimmt.
Die Oele dehnen ſich aber bei Zuführung von Wärme ſtark aus; ſo nimmt bei Erhöh⸗ ung der Temperatur um 10 C. Olivenöl zu um 11200, Rüböl um 1¼1120, Thran um 1⁄10o, oder es würden z. B. 100 Maaß Thran bei 00 ſchon 102 Maaß bei 20° C. ſein. Es muß mithin bei der aräometriſchen Unterſuchung der Oele auf ihre Temperatur Rückſicht ge⸗ nommen werden. Das Lefebvre'ſche Inſtrument iſt bei 150 C. zu gebrauchen.— Wäre daher eine Beſtimmung mit Hilfe desſelben bei einem andern Stand des Thermometers vorgenommen worden, ſo müßte man mit Benutzung der von Lefebvre berechneten Tabellen eine Reduction auf die Normaltemperatur vornehmen. Uebrigens kann man dieſe Tabellen auch umgehen, wenn man ſich merkt, daß für je einen Grad C. Temperaturunterſchied das ſpec. Gewicht um Tauſendtel zu niedrig oder zu hoch iſt, je nachdem die Temperatur über oder unter 15⁰ C. iſt.— Hätte man z B. ein Oel bei 21⁰ C. unterſucht und das ſpec. Gewicht 0,9227 gefunden, ſo wäre dieſe Zahl um 6 mal ⅜ Tauſendtel, alſo um 0,004 zu vergrößern, da die Temperatur um 60 zu hoch war. Hätten wir dagegen bei einer Temperatur von 60 C. die Zahl 0,9227 gefunden, ſo müß⸗ ten wir noch 9 mal ⅜ Tauſendtel, alſo 0,006 abziehen, indem die Temperatur jetzt 90 C. zu tief ſtand. Uebrigens iſt noch zu bemerken, daß an der Lefebvre'ſchen Oelwage das ſpec. Gewicht des Waſſers= 10 geſetzt iſt, ſo daß alle Zahlen dieſes Ardometers mit 9,— beginnen. In der Praxis läßt man die erſte und letzte Ziffer der Angabe weg und ſagt z. B. vom Rüböl, es habe 16⁰ Lefebvre anſtatt 9,167.
Nach Klencke miſchen ſich die einzelnen Oele nicht wie z. B. Waſſer und Alkohol derartig, daß nun eine gleichmäßige Flüſſigkeit entſteht, ſondern zwei verſchiedene Oele ſcheiden ſich, wenn ſie auch noch ſo ſehr durcheinander gearbeitet worden ſind, bei ruhigem Liegen doch nach einigen Tagen, indem das ſchwerere zu Boden ſinkt, das leichtere dagegen obenauf ſchwimmt.


