Aufsatz 
Über Aräometer oder Senkwagen
Entstehung
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mehren oder zu vermindern hat, je nachdem die Temperatur zu hoch oder zu niedrig war. Näheres hierüber bei den Spirituswagen.

Um die praktiſche Verwendbarkeit der Aräometerangaben zu zeigen, wählen wir die Unter⸗ ſuchung der Schwefelſäure(Vitriolöl.) Die im Handel vorkommende Säure enthält einen Kör⸗ per, den man waſſerfreie Schwefelſäure nennt, und außerdem noch Waſſer. Da bei allen An⸗ wendungen dieſer Flüſſigkeit eben die Schwefelſäure und nicht das Waſſer das eigentlich Wirk⸗ ſame iſt, ſo iſt es natürlich von Wichtigkeit, eine vorgelegte Säure ſofort auf ihren Gehalt an beiden Beſtandtheilen unterſuchen zu können. Von der ſogenannten engliſchen Schwefelſäure kann man nun verlangen, daß ſie aus 40 Theilen Säure und 9 Theilen Waſſer oder aus 81,63 Procent Säure und 18,37 Procent Waſſer beſtehe. Ihr ſpec. Gewicht iſt alsdann bei 150 C. 1,8426. Da Waſſer nun leichter iſt als dieſe unverdünnte Säure, ſo muß ein Zuſatz des⸗ ſelben ihr ſpec. Gewicht erniedrigen. Dieſe Erniedrigung wird aber ſofort von der Senkwage angezeigt. Fänden wir z. B. das ſpec. Gewicht 1,501, ſo könnten wir auf Waſſerzuſatz ſchließen, und die von Bineau aufgeſtellte Tabelle ſagt uns, daß unſere Flüſſigkeit 48,98% waſſerfreie Schwefelſäure und 51,02% Waſſer enthält, während bei normalem Gehalt die 48,98 Säure nur mit 11,02 Waſſer gemiſcht ſein ſollten. Auf dieſelbe Art laſſen ſich die Salpeterſäure (Scheidewaſſer), Salzſäure ꝛc. auf ihren größeren oder geringeren Gehalt an Waſſer unter⸗ ſuchen..

Eine weitere und höchſt wichtige Verwendung der allgemeinen Aräometer zeigt uns

Die Oelwage.

Es kommen im Handel eine Reihe von Oelen vor, die nur zu häufig dadurch gefälſcht ſind, daß ein billigeres Product mit einem theuereren gemiſcht iſt, oder daß wohl gar ein ſchlechteres Oel geradezu anſtatt des beſſeren verkauft wird. Ein Mittel um ſolche Täuſchungen zu erkennen, beſteht in Anwendung chemiſcher Reagentien; in vielen Fällen reicht aber ſchon die Unterſuchung des ſpec. Gewichtes aus. Um dies zu zeigen, führen wir hier die ſpec. Gewichte der wichtigſten Oele an:

ſpec. Gewicht. Grade am Alkoholometer.

Sogenanntes Olein 0,9003 66

Rüböl 0,9128 60,20 Baumöl(Provenceröl) 0,9176 58,40 Buchöl 0,9225 56

Gereinigter Wallfiſchthren 0,9231 55,80 Mohnöl 0,9243 55,25 Wallnußöl 0,9260 54,40 Hanföl0,9276 53,67 Leinöl 0,9347 50

Ricinusöl 0,9611 33,75

Wie die in der zweiten Spalte angegebenen Zahlen zeigen, iſt es leicht, dieſe Oele ſchon mittelſt der Spirituswage zu unterſcheiden. So zeigt Rüböl daran 60,200, während das für den Anſtrich ſo wichtige Leinöl nur 500 zeigt, ſich alſo unmöglich mit dem erſteren vertauſchen läßt. Jedes gute Alkoholometer läßt ſich alſo ſofort als Oelwage benutzen.

Klencke empfielt in ſeinem verdienſtvollen Buche über die Fälſchung der Nahrungsmittel die Anfertigung einer eignen Oelwage, beſtehend in einem Aräometer, das in einer Flüſſigkeit, deren

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