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4. Die allgemeinen Aräometer.
Wir haben oben geſehen, daß ein Körper, der ſpec. leichter als Waſſer iſt, nur ſo weit in demſelben einſinkt, bis das verdrängte Waſſer ſo viel wiegt, als der ganze Körper. Was wir von Waſſer geſagt, gilt ebenſo von jeder anderen Flüſſigkeit, wie man leicht durch den Verſuch nachweiſen kann. In einer leichteren Flüſſigkeit wird daher derſelbe Körper weiter einſinken als in einer ſpec. ſchwereren. Darauf gründet ſich dann das Verfahren zur Beſtimmung der Ein⸗ theilung eines Aräometers zur Ermittelung des ſpec. Gewichtes der Flüſſigkeiten.
Man ſenkt eine bis zur Graduirung vorgerichtete Spindel zuerſt in deſtillirtes Waſſer. An den Punkt, bis zu welchem ſie einſinkt, ſetzt man die Zahl 1. Hierauf ſenkt man ſie in eine Flüſſigkeit, z. B. Weingeiſt, deren ſpec. Gewicht 0,80 iſt, und ſetzt an den neuen höher gelegenen Punkt, bis zu welchem das Inſtrumente dann eintaucht, die Zahl 0,80. Die Weitergraduirung kann nun ſo erfolgen, daß man ſich eine Reihe von Flüſſigkeiten herſtellt(etwa durch Miſchen von Weingeiſt und Waſſer), deren ſpec. Gewichte 0,81, 0,82 bis 0,99 ſind, die Spindel in dieſe Gemiſche einſenkt und den Einſenkungspunkt mit dem betreffenden ſpec. Gewicht bezeichnet, — oder auch ſo, daß man den Zwiſchenraum von 1 bis 0,80 in gleiche Theile theilt, und nun durch eine ziemlich einfache Rechnung ermittelt, welches ſpec. Gewicht eine Flüſſigkeit hat, wenn das Aräometer bis zu den gegebenen Punkten einſinkt; die erhaltenen Zahlen ſetzt man dann an die bezeichneten Punkte. Hierbei wird jedoch vorausgeſetzt, daß die Spindel ziemlich genau cylindriſch iſt. Bei dem erſten Verfahren, bei welchem man die einzelnen Theilſtriche geradezu durch den Verſuch beſtimmt, verfährt man in der Regel etwas kürzer, indem man die Punkte nur etwa von 5 zu 50 durch Eintauchen feſtſtellt und die Zwiſchenräume in gleiche Theile theilt.— Die auf die eine oder die andere Art vorgenommene Theilung ſetzt man auch noch unter dem Punkte 1 fort für Flüſſigkeiten, deren ſpec. Gewicht größer als 1 iſt. Man erhält ſolche ſpec. ſchweren Flüſſigkeiten z. B. durch Auflöſen von Kochſalz in Waſſer.
Wenn man mit demſelben Aräometer Flüſſigkeiten unterſuchen will, deren ſpec. Gewicht theils über, theils unter 1 iſt, ſo würde die Spindel leicht eine bedeutende Länge erhalten und dadurch ſehr zerbrechlich werden. Man hat es daher vorgezogen, Aräometer zu conſtruiren, von denen die einen für leichtere, die anderen für ſchwerere Flüſſigkeiten als Waſſer beſtimmt ſind. Bei den erſteren liegt der Punkt 1 am unteren, bei den letzteren am oberen Ende der Eintheilung.— Das in England gebräuchliche Aräometer von Twaddle, das nur für Flüſſigkeiten beſtimmt iſt, deren ſpec. Gewicht zwiſchen 1 und 2 liegt, beſteht ſogar aus 6 einzelnen Inſtrumenten, die ſich an einander anſchließen.
Will man nun mit einem allgemeinen Aräometer das ſpec. Gewicht einer Flüſſigkeit be⸗ ſtimmen, ſo ſieht man zuerſt zu, ob die Flüſſigkeit ſpec. leichter oder ſchwerer als das Waſſer i*ſt, und ſenkt dann das betreffende Inſtrument ein. Durch Ableſen der Zahl, die ſich im Niveau der Flüſſigkeit findet, hat man dann unmittelbar das ſpec. Gewicht derſelben.
Wie jeder Körper, ſo dehnen ſich auch die Flüſſigkeiten bei Zuführung von Waͤrme aus und ziehen ſich bei Abnahme der Temperatur zuſammen, ändern damit alſo auch ihr ſpec. Ge⸗ wicht. Daher iſt auf jedem Aräometer die Temperatur angegeben, bei welcher es zu gebrauchen iſt. Gewöhnlich ſind dieß 12⁰0 R. oder 150 C.— Hat aber eine Flüſſigkeit, die man mittelſt des Aräometers auf ihr ſpec. Gewicht unterſuchen will, nicht die verlangte Normaltemperatur, ſo muß man ſie durch Abkühlen oder Erwärmen entweder auf dieſelbe bringen, oder man muß ſich einer Tabelle bedienen, die angibt, um wieviel man das gefundene ſpec. Gewicht zu ver⸗


