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ſpec. Gewicht eines Körpers gibt uns das Gewicht eines Kubikzolles der Subſtanz in Lothen. In Frankreich wiegt ein Kubikdecimeter(Liter) Waſſer ein Kilogramm, daher gibt dort das ſpec. Gewicht eines Körpers ſofort an, wieviel Kilogramme ein Kubikdecimeter von dieſem Stoffe wiegt.
Beſtimmung des ſpeciſiſchen Gewichtes.
Die Methode der Beſtimmung des ſpec. Gewichtes richtet ſich nach der Subſtanz, womit man es zu thun hat. Am leichteſten iſt dasſelbe zu ermitteln bei Flüſſigkeiten. Man bedient ſich hierzu eines Glasfläſchchens, mit einem genau eingeſchliffenen Glasſtöpſel. Dasſelbe wird mit Waſſer gefüllt und gewogen; zieht man dann von dem erhaltenen Gewicht das zuvor be⸗ ſtimmte Gewicht des leeren Fläſchchens ab, ſo hat man die Anzahl Lothe ꝛc., die das darin enthaltene Waſſer wiegt. Um nun das ſpec. Gewicht des Vitriolöls z. B. zu ermitteln, wiegt man das mit dieſer Flüſſigkeit gefüllte Gläschen, zieht das Gewicht des Fläſchchens ab und dividirt nun den Reſt durch das Gewicht des Waſſers. Man erhält ſo ungefähr die Zahl 1,84.
Etwas umſtändlicher iſt das Verfahren zur Ermittlung des ſpec. Gewichtes der feſten Kör⸗ per. Da man weiß, daß ein Kubikfuß Waſſer 54 Pfund, alſo ein Kubikzoll 54¼1 00 Pfund oder 1,728 Loth wiegt, ſo könnte man ſich, um z. B. das ſpec. Gewicht des Kupfers zu finden, einen kleinen Würfel von Kupfer machen, deſſen Kante etwa gerade ein Zoll wäre. Das Gewicht die⸗ ſes Würfels in Lothen dividirt durch 1,728 gäbe dann das ſpec. Gewicht des Kupfers. Von theoretiſcher Seite läßt ſich nichts gegen dieſes Verfahren einwenden; die Anfertigung ganz ge⸗ nauer Würfel oder ſonſtiger regelmäßiger Körper bietet aber ſo große Schwierigkeiten, oder würde doch ſo viel Zeit erfordern, daß man nur ſelten, und dann nur annähernd, auf dieſe Art das ſpec. Gewicht feſter Körper beſtimmt. Man hilft ſich hier auf eine andere Weiſe.
Ein Kubikzoll Eiſen wiegt 13,461 Loth; bindet man denſelben mittelſt eines Pferdehaares an die eine Schale einer Wage, und läßt ihn in ein Gefäß mit Waſſer tauchen, ſo ſieht man, daß er jetzt nur noch 11,733 Loth wiegt, daß ſein Gewicht alſo um 1,728 Loth abgeonmmen hat.
Ein Kubikzoll Blei wiegt 19,612 Loth. Auf gleiche Art wie das Eiſenſtück in Waſſer ge⸗ wogen, ergibt ſich ſein Gewicht zu 17,884 Loth, mithin hat dasſelbe ebenfalls um 1,728 Loth abgenommen. 1,728 Loth iſt aber das Gewicht eines Kubikzolles Waſſer. Derſelbe Gewichts⸗ verluſt würde ſich für einen Kubikzoll jeder anderen Subſtanz, die in Waſſer unterſinkt, ergeben. Tauchte aber nur ein halber Kubikzoll auf die oben angegebene Art in Waſſer, ſo würde ſich die Gewichtsabnahme auch auf die Hälfte von 1,728 Loth redueiren; ſie würde umgekehrt zum Doppelten und Dreifachen anwachſen, wenn man ſtatt eines, zwei oder drei Kubikzolle einer Subſtanz unter Waſſer wöge. Daraus können wir nun aber den allgemeinen Schluß ziehen, daß ein Körper, der in Waſſer taucht, dort ſo viel von ſeinem Gewichte verliert, als das Waſſer ſelbſt wiegt, was der Körper verdrängt, oder als das Waſſer, was denſelben Raum einnimmt, alſo dasſelbe Volumen hat, wie der gegebene Körper. Dieſes wichtige Geſetz, nach ſeinem Ent⸗ decker Archimedes das archimediſche Princip genannt, kann auch noch auf andere Weiſe ſichtbar gemacht werden, wir müſſen uns jedoch hier mit der obigen Auseinanderſetzung begnügen. Der Grund aber zu dieſem Verhalten des Waſſers(alle andere Flüſſigkeiten verhalten ſich ähnlich) liegt in der eigenthümlichen Conſtitution der Flüſſigkeiten, in der leichten Verſchiebbarkeit ihrer Theilchen und der dadurch bedingten Fortpflanzung des Druckes nach allen Seiten.


