Aufsatz 
Über Aräometer oder Senkwagen
Entstehung
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Nach dieſen Betrachtungen wird es nun leicht ſein, die Methode zu verſtehen, die man an⸗ wendet, um das ſpec. Gewicht eines feſten Körpers z. B. eines Stückes Glas zu beſtimmen. Man wiegt zuvörderſt dasſelbe für ſich, d. h. man ermittelt ſein abſolutes Gewicht. Dann beſtimmt man ſein Gewicht im Waſſer. Die Gewichtsabnahme, die man ſo findet, iſt das Gewicht eines glei⸗ chen Volumens dieſer Flüſſigkeit. Dividirt man daher dieſen Gewichtsverluſt in das abſolute Gewicht, ſo hat man das ſpec. Gewicht der betreffenden Glasſorte.

Ein Körper verliert im Waſſer ſo viel von ſeinem Gewichte, als das Waſſer wiegt, welches er verdrängt. Wie aber, wenn der Körper gar nicht unterſinkt, wenn er auf der Oberfläche des Waſſers ſchwimmt? Dann bleibt das Archimediſche Princip doch richtig, wovon man ſich auf verſchiedene Art überzeugen kann. Wirft man ein vierkantiges Stück Tannenholz, das z. B. einen Fuß lang und einen halben Fuß breit und hoch iſt, auf Waſſer, ſo ſinkt es ſo weit ein, daß noch 2,2 Zoll ſeiner Höhe herausragen; es ſind alſo 2,8 Zoll eingetaucht. Der Raum, den der eingetauchte Theil einnimmt, beträgt 140 Kubikzoll. Es wiegen aber 140 Kubikzoll Waſſer 140 mal 1,728 Loth oder 241,92 Loth, und dies iſt in der That das Gewicht des Holzes, wie man ſich mit Hilfe der Wage überzeugen kann.

Das Holz ſchwimmt auf Waſſer heißt aber nichts anderes, als ſein Streben zu fallen wird durch das Waſſer ganz aufgehoben, es hat eben gar kein Gewicht mehr. Das archimediſche Princip gilt alſo noch, denn das Holz hat gerade ſo viel an Gewicht verloren, als das ver⸗ drängte Waſſer wiegt, nämlich ſein ganzes Gewicht. Ein Körper, der leichter als ein gleiches Volumen Waſſer oder, wie man zu ſagen pflegt, der ſpeeifiſch leichter als Waſſer iſt, wird alſo in dieſer Flüſſigkeit ſo weit eintauchen, bis das verdrängte Waſſer ſo viel wiegt, wie der Körper ſelbſt, und nicht weiter, weil ſonſt der Körper mehr verlöre, als er hätte. Wird freilich der Körper durch einen fremden Druck unter Waſſer gehalten, ſo hat er mehr an Gewicht verloren als ſein Gewicht betrug; dadurch wird ſein Streben nach unten zu fallen nicht bloß aufgehoben, ſondern dasſelbe wird ſogar umgekehrt, d. h. er hat nun das Streben, ſo lange zu ſteigen, bis er theilweiſe über die Oberfläche des Waſſers emporragt, und bis der eingetauchte Theil nur noch ſo viel Waſſer verdrängt, als der Körper wiegt.

Um nun das ſpec. Gewicht eines ſolchen auf Waſſer ſchwimmenden Körpers zu finden, be⸗ feſtigt man ihn an einen andern Körper, der ſpecifiſch ſchwerer als Waſſer und ſo groß iſt, daß er das Untertauchen Beider bewirkt. Geſetzt wir wollten das ſpec. Gewicht von trockenem Tan⸗ nenholz ermitteln, und benützten zu dieſem Zwecke ein Stückchen dieſer Holzart, das 2 Loth wöge. Verbinden wir damit ein Stück Blei von 6 Loth, ſo ergibt eine Wage als Gewicht dieſer acht Lothe im Waſſer nur 3,87, alſo einen Gewichtsverluſt von 4,13 Loth. Nun verlieren die 6 Loth Blei allein im Waſſer 0,53 Loth, wie man entweder durch den directen Verſuch nachweiſt, oder durch Rechnung mit Zuhilfenahme des anderweitig ſchon gefundenen ſpec. Gewichts 11,35 des Bleies findet. Aller übrige Gewichtsverluſt iſt daher durch das Holzſtückchen bewirkt, d. h. das Waſſer, das von dem Holze verdrängt wurde, wiegt 3,6 Loth, daher iſt das ſpec. Gewicht des Tannenholzes 2 0,55.

Wir hätten endlich noch kurz zu erwähnen, wie man das ſpec. Gewicht gasförmiger oder luftförmiger Körper findet. Man verfährt hierbei gewöhnlich wie bei der Beſtimmung des ſpec. Gewichts der tropfbaren Flüſſigkeiten. Eine Glaskugel, die mit einem luftdicht ſchließenden Hahn verſehen iſt, wird mit Hilfe der Luftpumpe luftleer gemacht und gewogen. Dann läßt man