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ſchönen Rathhauſe, das mit ſeinem Thurme von fern entgegenprangt, der Realſchule überließ. Dieſe Räume ſind, wenn auch nicht ſehr greß, ſo doch luftig, hell und freundlich; die Aus⸗ ſtattung gefällig und würdig. Lehrer und Schüler fühlen ſich gehoben, wenn ſie den herrlichen Bau betreten.
Am 1. April 1858 folgte Herr Maler Müller, der während 13 Jahren den Zeichenunter⸗ richt an hieſiger Realſchule ertheilt hatte, einem ehrenvollen Rufe an die höhere Bürgerſchule zu Wiesbaden. Seine Stelle hier wurde dem Herrn Maler Baumann zu Rüdesheim übertragen.
Die Schülerzahl bewegte ſich in den 7 Jahren von 1851 bis 1858 zwiſchen 30 und 47. Im Sommerſemeſter 1858 hob ſich dieſelbe bis auf 59 und ſtieg im Winterſemeſter auf 63.
Kaum hatte der Unterricht für das Winterſemeſter 1858 begonnen, als Herr Dr. Weil be⸗ urlaubt wurde, um das Amt eines Bürgermeiſters von Geiſenheim zu übernehmen. Da derſelbe jedoch wegen Mangels an Reallehrern nicht ſogleich an der Schule erſetzt werden konnte, ſo mußte er in Folge Verfügung vom 25. November 1858 neben den Functionen ſeines Bürgermeiſteramtes vorläufig noch den Unterricht in der Chemie, Phyſik, Mineralogie und Geometrie an der Rceal⸗ ſchule beſorgen. Herr Lehrer Fiebich trat von der Elementarſchule zur Realſchule über. Uihlein wurde zum erſten Reallehrer ernannt und als ſolcher beauftragt mit der„unmittelbaren Aufſicht und Ueber⸗ wachung der Ordnung im Hauſe, der Disciplin der Schüler, der regelmäßigen Abhaltung der Unterrichtsſtunden und der Beobachtung der allgemein geltenden Vorſchriften, übrigens ohne Be⸗ ſchränkung und Beeinträchtigung des Wirkungskreiſes der Schulinſpection.“
Sonſt blieb Alles beim Alten.
Im Sommerſemeſter 1859 betrug die Zahl der Schüler 67, ſiel aber in Folge der Er⸗ richtung einer zweiten Privatſchule zu Rüdesheim im Herbſte desſelben Jahres wieder auf 50 herab ¹).
Am 1. Oktober wurde Herr Bürgermeiſter Dr. Weil von dem Unterrichte an der Real⸗ ſchule entbunden. An ſeine Stelle kam Herr Reallehrer Huber. Herr Fiebich wurde verſetzt. Für ihn trat Herr Elementarlehrer Müller ein. Somit hatte das Lehrercollegium wieder 3 Hauptlehrer. Der Hilfsunterricht kam dadurch bis auf 2 Stunden Geſang in Wegfall, und die Schüler konnten in den Hauptfächern wieder in 3 getrennten Abtheilungen unterrichtet werden.
Dieſe Einrichtung blieb bis Oſtern 1862, wo durch den Eintritt des Herrn Frühmeſſers Bayer von hier als Lehrer für die alten Sprachen durchweg 3 Claſſen gebildet werden lonnten. Herr Frühmeſſer Bayer übernahm auch den Religionsunterricht.
Der 5. November 1861 wird für hieſige, wie für alle Realſchulen des Landes Naſſau un⸗ vergeßlich bleiben. Denn an dieſem Tage erſchien das mit den Landſtänden vereinbarte Geſetz, welches nicht nur die bereits eingeführten organiſatoriſchen Veränderungen ſanctionirte, ſondern den Realſchulen überhaupt die ihrer Bedeutung für das öffentliche Leben und die nationale Bildung entſprechende Einrichtung gab.
Nach dieſem Geſetze verfolgen dieſelben den Zweck, denjenigen, welche zur Betreibung ihres zukünftigen bürgerlichen und gewerblichen Berufs ausſchließlich der höheren Induſtrie eine weiter⸗
¹) Geiſenheim mit 2700 Einwohner liegt in der Mitte cines Bezirls von 2 Stunden Länge und 1/2 Stunde Breite, in welchem circa 14,000 Menſchen wohnen. Die Anſtalt hat deshalb von jeher kaum den dritten Theil ihrer Schüler der Gemeinde Geiſenheim entnommen.


