Aufsatz 
Geschichte der Realschule zu Geisenheim
Entstehung
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Realſchule nieder. An ſeine Stelle trat Herr Pfarrer Kneiſel von hier, welcher auch den Reli⸗ gionsunterricht übernahm ¹).

Wegen der geringen Schülerzahl mußte das Lehrerperſonal vermindert werden, weshalb Herr Dr. Deutſchmann auf ſein Anſuchen noch vor Eröffnung des Sommerſemeſters nach Ems verſetzt wurde, ohne hier einen Nachfolger zu erhalten. Die Remuneration für den Schwimm⸗ unterricht wurde nicht mehr bewilligt, dieſer Unterricht jedoch auf einem kleinen Floße unter Auf⸗ ſicht der Reallehrer fortgeſetzt. Die betreffenden Schüler mußten dafür ein beſonderes Honorar von 2 Gulden jährlich an den Schwimmlehrer entrichten. Die Turnübungen fielen aus. In Folge der Verſetzung des Herrn Dr. Deutſchmann wurden die zwei unteren Claſſen combinirt und die 4 Lehrer von der Elementarſchule mit Hilfsunterricht beigezogen. Somit hatte die Anſtalt nicht mehr 4, ſondern nur noch 3 getrennte Claſſen mit vierjährigem Curſus.

Dieſe Einrichtung blieb, mit wenigen unweſentlichen Veränderungen, bis zum Jahre 1851, wo ein neuer Verluſt die Anſtalt traf durch den Abgang des Herrn Ulrich. War auch die Fre⸗ quenz ſeit 1848 nicht weiter herabgegangen(40 47 Schüler), ſo hatten ſich doch in Folge der Nachwehen von dieſem Jahre und durch die geringen Weinernten die Verhältniſſe im Allgemeinen für die Schule immer ungünſtiger geſtaltet. Ueberall ſollte geſpart werden; an eine Beſſerſtellung der Lehrer war nicht zu denken. Deshalb wurde Herr Ulrich, deſſen Beſoldung der Aufbeſſerung am meiſten bedurfte, von hier verſetzt.

Mit dieſer Verſetzung ſehen wir das Lehrercollegium auf den Beſtand reducirt, den dasſelbe bei der Gründung der Anſtalt hatte. Die übrigen Verhältniſſe waren jedoch nicht dieſelben ge⸗ blieben. Zu Anfang umfaßte die Schule 2, jetzt aber 4 Jahrgänge. Für die meiſten Lehrgegen⸗ ſtände mußten daher 2, für einige ſogar ſämmtliche Claſſen combinirt werden. So hatte z. B. Schreiber(dieſes in 6 wöchentlichen Stunden den lateiniſchen Unterricht an die 4 Abtheilungen der Latiniſten gleichzeitig zu ertheilen und ſollte doch gleichen Schritt mit den Gymnaſien halten, Auch in den übrigen Fächern blieb das frühere Lehrziel unverändert.

Daß bei dieſer Einrichtung, welche die Schule bis 1859 behielt, die Lehrer, beſonders die 2 Hauptlehrer mit der größten Mühſeligkeit arbeiten mußten, um die Anſtalt zu erhalten, läßt ſich leicht begreifen. Oft wollte uns der Muth ſinken. Was uns aufrecht erhielt, war die Aner⸗ kennung unſerer Vorgeſetzten und das lebendige Gefühl, daß wir mit den Schülern in gewünſchter Weiſe vorwärts kamen. Auch trug das wahrhaft brüderliche Verhältniß, in dem die Lehrer zu einander ſtanden, nicht wenig zur Erleichterung der Arbeit bei.

Das auffallendſte äußere Bedürfniß der Schule war von jeher die Beſchaffung ſolcher Locale, wie ſie die Würde deſſen, wofür ſie beſtimmt ſind, fordert. Dieſem Bedürfniſſe wurde endlich Ab⸗ hülfe gewährt im Herbſte des Jahres 1857 ²), wo der Gemeinderath in freundlichem Entgegen⸗ kommen die Räume des unteren und theilweiſe auch des oberen Stockes in dem neuerbauten

1) Es war für die Schule ein Gewinn, daß von jetzt an der Schulinſpector in Geiſenheim wohnte, indem dadurch der frühere ſehr umſtändliche Geſchäftsgang bedeutend vereinfacht wurde.

) Am 1. Mai desſelben Jahres wurde durch Munificenz der Herren von Tengg und Fritz Lade, beide jetzt Mitglieder des Realſchulvorſtandes, nach einem von den Reallehrern ausgearbeiteten Plane auch eine höhere Töchterſchule hier gegründet, die dermalen von 30 Kindern beſucht wird und eines ſehr guten Rufes genießt. An der Spitze ſtehen zwei Lehrerinnen; außerdem ertheilen 2 Geiſtliche(1 katholiſcher und 1 evangeliſcher) und 5 Lehrer von der Real⸗ und Elementarſchule Unterricht an derſelben.