Aufsatz 
Geschichte der Realschule zu Geisenheim
Entstehung
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Sonſt trat in dem Lehrerperſonal keine Veränderung ein. Das nöthige Schulzimmer erhielt die Realſchule in dem Elementarſchulgebäude. Bibliothek und Lehrapparate wurden durch Anſchaf⸗ fungen und Privatſchenkungen vermehrt ¹).

Die Herbſtprüfung ſollte Ende September ſtattfinden. Da aber Herr Conrector Metzger ſich einige Tage vorher ohne Urlaub von hier entfernt hatte, ſo wurde die Prüfung ſiſtirt und Herr Metzger vom 1. October an entlaſſen. An ſeine Stelle kam Uihlein von der Realſchule zu Ems. Herr Dr. Deutſchmann wurde zum erſten Reallehrer ernannt. Uihlein, am 3. November in ſein Amt eingeführt, übernahm die Gegenſtände des Herrn Metzger nebſt Engliſch.

Zu Anfang des Jahres 1847 legte Herr Pfarrer Spengler die Schulinſpection nieder. An ſeine Stelle trat Herr Pfarrer Ruckes von Presberg. Dieſer erhielt im Monat März 1847 von der Regierung den Auftrag, zu berichten,

ob die Realſchule zu Geiſenheim durch Hinzufügung einer Claſſe erweitert werden ſolle und ob durch Anſtellung eines weiteren Reallehrers der Hilfsunterricht, mit Ausſchluß desjenigen im Geſang und in der Kalligraphie entbehrlich werde. Auf den hierauf erſtatteten Bericht erfolgte unter dem 6. April eine Verfügung, wodurch die Er⸗ richtung einer vierten Claſſe ang ordnet und Herr Dr. Weil von Dromersheim als Reallehrer an hieſige Anſtalt dirigirt wurde. Zwei Hilfslebrer kamen in Wegfall.

Das Lehrercollegium beſtand jetzt aus 4 Hauptlehrern, dem Religionslehrer, einem Hilfs⸗ lehrer und dem Zeichenlehrer. Herr Dr. Deutſchmann übernahm Latein, Griechiſch und Franzöſiſch in der erſten und Latein in der dritten Claſſe; Uihlein den geſammten geographiſchen Unterricht, ſodann Deutſch, Engliſch und Geſchichte in der erſten und Latein, Griechiſch und Franzöſiſch in der zweiten Claſſe; Herr Dr. Weil Mathematik und Naturwiſſenſchaften in den oberen und Franzöſiſch und Latein in der vierten Claſſe; Herr Ulrich den übrigen Geſchichtsunterricht, Mathe⸗ matik und Naturwiſſenſchaften in den unteren, Deutſch in der zweiten und Franzöſiſch in der dritten Claſſe.

So hatte die Anſtalt mit dem Beginne des Sommerſemeſters 1847 vier getrennte Claſſen und damit im Allgemeinen eine vollſtändige Organiſation; es fehlte ihr aber im Einzelnen noch viel an ihrer Vollendung.

Das Jahr 1847 verfloß bei dem einträchtigen Zuſammenwirken der Lehrer ohne Störung im Innern der Schule, war aber nicht frei von Mißhelligkeiten nach Außen, auf die wir hier nicht näher eingehen wollen, obſchon dieſelben Stoff zu vielſeitiger Beſprechung bieten.

Es kam das Jahr 1848 mit ſeinen Unruhen, Stürmen und Umwälzungen. Die junge Anſtalt konnte ſich auf der gewonnenen Höhe nicht erhalten. Die Zahl der Schüler ſank herab bis auf 43. Neben der Ungunſt der Zeitverhältniſſe war eine neuerrichtete concurrirende Privat⸗ ſchule zu Rüdesheim die Haupturſache davon. Das Schulgeld wurde bedeutend ermäßigt, aber auch dadurch konnte die herabgeſunkene Frequenz für den Augenblick nicht wieder gehoben werden. Zahlreiche Gegner traten aus ihrem Verſteck hervor und agitirten in ſeindſeligſter Weiſe gegen die Schule.

Am Schluſſe der Oſterprüfung legte Herr Pfarrer Ruckes ſein Amt als Inſpector der

*) Die Anſtalt hat ſeit ihrer Gründung jedes Jahr eine bedeutende Summe für die Vermehrung der Bibliothek und der Lehrapparate verwendet.