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Die Aufſicht über die Realſchule ſollte, wie bei den Elementarſchulen, der Schulvorſtand und der Schulinſpector führen.
Nachdem die Organiſation der Schule in ihren Grundzügen feſtgeſtellt, ein Local in dem Hauſe des Herrn Chriſt auf dem Markte gemiethet und die nothwendigſten Schulutenſilien ange⸗ ſchafft waren, fand die Eröffnung der Anſtalt am 2. Juni 1845 ſtatt. Dieſer feierliche Aet wurde vorgenommen durch den verſtorbenen Herrn Schulinſpector Pfarrer Spengler von Winkel in Gegenwart des Schulvorſtandes der Lehrer und Schüler. Es waren im Ganzen 33 Knaben er⸗ ſchienen, die in 2 Claſſen eingetheilt wurden. Das Lehrercollegium beſtand aus den Hauptlehrern Herren Dr. Deutſchmann und Ulrich, dem Religionslehrer Herrn Frühmeſſer Schütz, den Hülfslehrern Herren Steinbach, Bohler und Henrich nnd dem Zeichenlehrer Herrn Maler Müller von Rüdes⸗ heim. Für den Schwimmunterricht wurde Herr Steinhauer Schmitt von hier gegen eine aus der Gemeindecaſſe zu beziehende jährliche Remuneration von 20 Gulden angenommen.
Herr Dr. Deutſchmann übernahm den geſammten Unterricht in der lateiniſchen und griechi⸗ ſchen Sprache, ſodann Engliſch, Franzöſiſch und Geſchichte in der erſten Claſſe; Herr Ulrich den ganzen naturwiſſenſchaftlichen, geographiſchen und Rechen⸗Unterricht, ſowie Franzöſiſch und Ge⸗ ſchichte in der zweiten und Deutſch in der erſten Claſſe. Die Herren Steinbach, Bohler und Henrich von der Elementarſchule ertheilten in 9 wöchentlichen Stunden Hilfsunterricht im Geſang, Schönſchreiben, in der Geometrie und der deutſchen Sprache. Turnübungen wurden zweimal in der Woche unter Leitung des Herrn Dr. Deutſchmann veranſtaltet.
Für Bibliothek und Lehrapparate ſind im erſten Jahre 300 Gulden verwendet worden. Außerdem gingen werthvolle Geſchenke ein von dem Hauſe Dreſel, dem Hauſe Lade, dem verſtorbenen Herrn Oberſchultheißen Eſch von hier, dem Herrn Profeſſor Hoffmann von Fallers⸗ leben und der Leske'ſchen Buchhandlung in Darmſtadt ¹).
Ein großer Theil der Bewohner Geiſenheims und der umliegenden ſchönen Orte und Städt⸗ chen muß wohl Vertrauen zu der neuen Schule gehabt haben; denn im Laufe des erſten Schuk⸗ jahres ſtieg die Zahl der Schüler ſchon auf 56 und betrug nach der Aufnahme zu Oſtern 1846 ſogar 70. Eine neue Claſſe ward dadurch nöthig und ein neuer Lehrer. Schon im Monat Februar war ein Erlaß der Regierung erſchienen, in dem es u. a. heißt:„Um die dritte Claſſe zu errichten und zugleich für diejenigen Schüler, welche die alten Sprachen zu erlernen wünſchen, zwei Parallel⸗Sectionen zu bilden, hat die Regierung beſchloſſen und verfügt, den quieseirten Conrector Metzger, der ſich dermalen in Herborn aufhält und der ſich zur Uebernahme von Lehrſtunden bereit erklärt hat, mit Verſehung einer Lehrſtelle an der Realſchule zu Geiſenheim zu beauf⸗ tragen.“
In Ausführung dieſes Reſcriptes wurde mit dem Beginne des Sommerſemeſters 1846 die dritte Claſſe gebildet und trat Herr Conrector Metzger ſeine Stelle an. Derſelbe übernahm Geographie, Geſchichte, Franzöſiſch und Latein in der zweiten und Deutſch in der erſten Claſſe.
¹) Dieſen Wohlthätern haben ſich in ſpäteren Jahren zugeſellt: die Herren Seminardirector Kehrein zu Montabaur, Baron Hans von Zwierlein, Rentner Ludwig Vogler, Kauſmann Raimund Biegen und Gutsbeſitzer Johann Helfenſtein von hier und der Centralvorſtand des Gewerbevereins zu Wiesbaden. Nechmals herzlich en Dank ſämmtlichen Gebern, den beſten Dank aber dem Herrn Fritz Lade von hier, der von jeher der freigebigſte Wohlthäter hieſiger Realſchule geweſen iſt.


