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hinaufwälzten und bis nach Gallien vordringend, alle und jede Cultur mit ſchauerlicher Gründlichkeit austilgten.
Damit ſchließt die Geſchichte des römiſchen Germaniens ab. Ein reiches Culturleben war faſt ſpurlos untergegangen; und doch dürfen wir den ſcheinbaren Rückſchritt zur Barbarei vom nationalen Standpunkt aus nicht beklagen. Denn das deutſche Volk hat gezeigt, daß es nicht nur zu zerſtören, ſondern auch wieder aufzubauen verſtehe; es hat neue und eigenthümliche Schöpfungen an die Stelle der fremden zu ſetzen gewußt, und, wir dürfen es mit Stolz ſagen, deutſchen Urſprungs iſt die Städteverfaſſung des Mittelalters, wie ſie ſich nicht nur am Rhein und der Donau, ſondern auch in Frankreich und ſelbſt in Ober⸗ und Mittelitalien in der dem deutſchen Charakter eigenthüm⸗ lichen Vielſeitigkeit und Mannigfaltigkeit herausgebildet und ſtaatliche Gemeinweſen als Vorbild und Muſter für die modernen Staaten in Bezug auf Geſetzgebung, Verwaltung, Polizei, Kriegs⸗ und Finanzweſen begründet hat.
Neue Nieder⸗ Aermlich und unbedeutend waren freilich die Anfänge der neuen Schöpfungen, und eine weite
laſſungen auf Kluft trennt die niedrigen Hütten der neuen Anſiedler von den ſtolzen Paläſten und den ragenden.
mern der Zinnen der mächtigen Freiſtaaten des 13ten und 14ten Jahrh. Die erſte Veranlaſſung zum Wieder⸗
Römerſtädte. 2 d 4—;; 8. aufbau der zerſtörten Römerſtädte gab das Chriſtenthum, an welchem wie an einem unerſchütterlichen Felſen die Wogen der Völkerwanderung vergebens ihre Kraft verſucht hatten. Demüthig beugten ſich die rohen Sieger vor der Religion der Schwachen und Unterdrückten, und es war von nun an die großartige und mit Erfolg durchgeführte Aufgabe der Kirche, das harte Loos der Beſiegten zu mildern und die ſchroffen Unterſchiede der Stände durch die erhabene Grundidee des Chriſtenthums, die Bruderliebe, allmählich aufzuheben. Alle größeren Städte, welche wieder aufgebaut wurden, waren ſchon im 4ten Jahrh. namhafte Biſchofsſitze geweſen; hier ſammelten ſich wieder die zerſtreuten Gläu⸗ bigen und um die aus den Trümmern neuerſtandenen Gotteshäuſer ſiedelte ſich bald eine zahlreiche Bevölkerung an, deren Loos ſich unter dem Schutze der Kirche noch am Leidlichſten geſtaltete. Die günſtige Lage der Städte am Rhein und an der Donau, unter denen Köln, Mainz, Worms, Speier, Straßburg, Baſel, Regensburg am Früheſten wieder eine hervorragende Stellung erlangten, brachte ſie auch bald wieder zu einem gewiſſen Wohlſtande, und die häufige Anweſenheit der fränkiſchen Könige, die in ihren ſtattlichen Pfalzen ihre Getreuen zu den Geſchäften des Staates, wie zu den mit einem gewiſſen rohen Luxus gefeierten Feſten verſammelten, gab den Städten vor dem flachen Lande eine erhöhte Bedeutung.
Auch für Worms war die Herrſchaft der fränkiſchen Könige aus dem Geſchlechte der Mero⸗ vinger und ihrer Nachfolger, der Karolinger, äußerſt wohlthätig. König Dagobert, deſſen Name noch jetzt am Rhein einen guten Klang hat, erbaute an der Stelle der jetzigen Dreifaltigkeitskirche eine Pfalz, in welcher er häufig Hof hielt; als dieſelbe 790 abbrannte, blieb⸗ Karl der Große den ganzen Winter über in der Stadt, um den Wiederaufbau des Reichspalaſtes zu überwachen. So ſtand ſchon um 638 an der Stelle des jetzigen Domes die Baſilika des h. Petrus, und das Bis⸗ thum Worms, welches von den Königen und ihren Dienern mit Gütern reich begabt wurde, über⸗ traf damals an Anſehen das benachbarte Bisthum zu Mainz, von dem es freilich bald bedeutend überflügelt wurde. Als politiſche Gemeinweſen erſcheinen jedoch die Städte während der nachfolgenden Jahrhunderte durchaus nicht, vielmehr treten ſie als ſelbſtſtändige Factoren und als bedeutungsvolle Glieder in dem eigenthümlichen mittelalterlichen Staate erſt im 12ten und 13ten Jahrh. auf, wo ſie eine gemeinheitliche Verfaſſung erhielten und dieſelbe unter günſtigen Bedingungen mitunter ſelbſt bis zur republikaniſchen Unabhängigkeit ausbildeten. Bis zu dieſer Zeit waren ſie der Gauverfaſſung


