„Nicht eindringlich genug kann der auch von uns ſchon mehrfach ausgeſprochene Satz wiederholt werden, daß der Kaufmann und Induſtrielle von heute vor Allem einer tiefgehenden allgemeinen Bildung zur Erfüllung ſeiner immer umfaſſenderen Berufspflichten bedarf.
Dazu dienen am Beſten tuͤchtige Gymnaſien und deren längerer Beſuch. Leicht und ohne große Mühen werden die ſcheinbaren Verſäumniſſe wieder eingeholt, welche der ſpätere Eintritt in den practiſchen kaufmänniſchen Beruf etwa Anfangs mit ſich führt, gewichtig und nachhaltig ſind die Vortheile für den in Wiſſen und Charakter⸗Bildung vorgeſchrittenen jungen Kaufmann.
Von dieſem Grundſatze aus ſind die neuerdings begründeten Handels⸗Akademien zu beurtheilen, wenn ſie auch mehr oder minder eine exeluſive Fachbildung begünſtigen. Deren Weiterbildung wie ihre Benützung wird um ſo eher als eine unabweisbare Pflicht des ganzen Kaufmannsſtandes erſcheinen, je intenſiver die Erkenntniß ſich Bahn bricht, daß der Kaufmann in allen Dingen ſelbſtſtändig werden und ſich zur Vertretung ſeiner Intereſſen auf allen Stufen des öffentlichen Lebens befähigt machen müſſe.
Sehr treffend bemerkt in dieſer Beziehung das Bremer Handelsblatt Nr. 617: Gegen die allgemeine Bildung der Kaufleute richten ſich eine Reihe von Vorurtheilen. Zuerſt, daß der Kaufmann zu ſeiner Ausbildung nichts mehr nöthig habe, als die Routine; dieſe aber lerne man auf Schulen überhaupt nicht, und man lerne ſie nie, wenn man nicht mit 15 Jahren in die Lehre eintrete. Da meint man ferner, die„höhere“ Bildung ſei die Domaine des ſ. g. Gelehrtenſtandes; für den Kaufmann tauge der„Gelehrtenkram“ nicht. Die Univer⸗ ſalität der Bildung ſei für den Kaufmann gar nichts werth, der habe mit ſeinem Fache genug zu ſchaffen und müſſe ſeinen Geiſt vor Allem darauf richten.
Alles Dieſes iſt aber nicht richtig.„Was uns Deutſchen mit Recht als das Allernoth⸗ wendigſte erſcheint, das können ſpecielle Fachſchulen uns nicht geben; die Franzoſen mögen ihre höchſten Ziele durch ſolche Anſtalten erreichen zu können glauben. Wir wollen neben der Fachbildung eine univerſelle humaniſtiſche Ausbildung.— Es wäre unſer dringendſtes Anliegen, daß es allen höher ſtrebenden Gewerbsleuten, und den Kaufleuten voran, zum Bedürfniß wuͤrde, den ganzen Gymnaſial⸗Curſus durchzumachen, und daß die Eltern ihre Soͤhne, welche dermal⸗ einſt einer höheren gewerblichen Bildung theilhaftig werden ſollen, von dieſer Pflicht nur ganz ausnahmsweiſe entbänden. Aber in Wirklichkeit iſt man davon weit entfernt und läßt jene jungen Leute meiſt nur deßhalb Latein und Griechiſch treiben,— damit ſie ſich beſſer„in die Fremdwörter finden“, welche in der Correſpondenz häufig bei Kaufleuten, leider häufiger als irgend ſonſt, vorkommen.“— Wir ſind überzeugt, daß vielen jungen Leuten, welche nicht, oder etwa nur in jener höchſt jämmerlichen Abſicht claſſiſche Vorſtudien betrieben haben, über deren eingehenden weiteren Verfolgung ein ganz neues Licht und Leben aufgehen würde.“
11) Da die Schüler auch in dieſem Schuljahre mit vieler Luſt und Liebe(wiederum den ganzen Winter hindurch) geturnt hatten: ſo wurden auch wieder von dem Herrn Hoffmann als Turnlehrer zur großen Freude unſerer Jugend Turnfahrten auf zweckmäßige und wenig koſtſpielige Weiſe veranſtaltet, und zwar zwei. Die erſte mit 42 nicht katholiſchen(freiwillig theilnehmenden) Schülern am 15. Auguſt, einem geſetzlichen katholiſchen Feiertage, in die obere baieriſche Rheinpfalz. Das Ziel war


