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Sein Wirkungskreis in Baſel hatte ſich unterdeſſen immer mehr erweitert und ſein Einfluß von dem Katheder und der Kanzel aus war ein tief eingreifender geworden. Um ihn ganz an Baſel zu feſſeln, errichtete 1835 die dor⸗ tige Regierung für ihn einen Lehrſtuhl der franzöſiſchen Literatur und Beredſamkeit an der Univerſität, an welcher er bisher nur als außerordentlicher Profeſſor thätig geweſen war. Doch Vinet's Liebe zur Heimath überwog die für Baſel, denn als der Staatsrath des Waadtlandes ihn 1837 als Profeſſor der praktiſchen Theologie und Nachfolger des emeritirten Profeſſor Lereſche an die Akademie in Lauſanne berief, nahm er dieſe Stelle an, wiewohl ihm der Abſchied von dem ihm lieb gewordenen Baſel ſchmerzlich war.
In ſeinem Vaterlande handelte es ſich gerade um die Entſcheidung äußerſt wichtiger Fragen. Nachdem ein An⸗ trag, die alte berner Kirchenordnung durch eine neue, zeit⸗ gemäßere zu erſetzen, geſtellt worden und die Behörde die in vier„Klaſſen“(Kirchenbezirke) eingetheilte Geſſtlichkeit aufgefordert hatte, ihr Gutachten über den vorgeſchlagenen Geſetzesentwurf abzugeben, nahm Vinet, als Abgeordneter der Klaſſe von Lauſanne und Vevey, lebhaften Antheil au der desfallſigen Diskuſſion. Nach heftigen Debatten erklärte ſich die Mehrzahl der Abgeordneten für die Aufrechterhal⸗ tung des helvetiſchen Glaubensbekenntniſſes. Als jedoch dieſes Gutachten von dem großen Rathe verworfen wurde, forderte Vinet denſelben in einem Schreiben auf, über die ſchwebende Frage eine neue Diskuſſion anzuordnen, und ſprach zugleich die Anſicht aus, daß eine Kirchengemeinſchaft ohne Symbol nicht beſtehen könne, und eine wohlbekannte, alte Konfeſſion einer erſt zu ſchaffenden, von dem Einfluſſe der verſchiedenſten Meinungen abhängigen, neuen vorzuziehen ſei. Er fand es nämlich angemeſſener, in dieſem Falle die


