Aufsatz 
Alexander Vinet, seine Wirksamkeit und seine Bedeutung als Literarhistoriker
Entstehung
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10.

durchweht. Um einige wichtige Fragen, die er in ſeiner Vertheidigung hatte übergehen müſſen, nachträglich zu erör⸗ tern, ließ er in Genf eine anonyme Flugſchrift als Kritik und Vervollſtändigung ſeinesEssai erſcheinen.

Die im December 1830 ausgebrochene Revolution hatte die Hoffnung erweckt, daß im Waadtlande freiſinnigere und gemäßigtere Grundſätze zur Geltung kommen würden, allein ſie blieb leider unerfüllt. Die Vertheidiger der religiöſen Freiheit, der auch in der Konſtitution von 1831 die recht⸗ mäßige Anerkennung und Aufrechterhaltung verſagt blieb, unterlagen, weil in der Minderzahl, nach längerem, vergeb⸗ lichem Kampfe. Erſt 1834 gelang es ihnen, die Abſchaf⸗ fung der berüchtigten, ſogenannten Maiverordnung durchzu⸗ ſetzen. Wenn Vinet der Gewiſſensfreiheit überhaupt, alſo auch zu Gunſten der außerhalb der Kirche ſtehenden Diſſi⸗ denten das Wort lieh, deren Meinungen er nicht theilte, ſo erſtrebte er dieſelbe ganz beſonders für die Nationalkirche, der er mit warmer Vorliebe zugethan war. Den Anhän⸗ gern der durch die Unterdrückungsmaßregeln gewaltſam herr⸗ ſchenden Partei gegenüber, welche die Einheit der Kirche und des Staates nur als Mittel zu ihren Zwecken ſo eif⸗ rig begehrte, blieb ihm zur Sicherung der Gewiſſensfreiheit kein anderer Ausweg übrig, als auf vollſtändige Trennung der Kirche von dem Staate zu dringen. Fortwährende An⸗ feindungen und böswillige Unterſtellungen, die er von Sei⸗ ten ſeiner Gegner erfahren mußte, ertrug er mit Würde und Gelaſſenheit.

So viele anſtrengende und aufregende Arbeiten hatten die ohnehin geſchwächte Konſtitution Vinet's ſehr angegriffen und ein bedenkliches Leiden, das ſeinen Freunden große Be⸗ ſorgniß einflößte, hielt ihn mehrere Monate des Jahres 1835 an das Krankenlager gefeſſelt.