Aufsatz 
Alexander Vinet, seine Wirksamkeit und seine Bedeutung als Literarhistoriker
Entstehung
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denjenigen, welche ſich derſelben entziehen wollen, weder auf⸗ nöthigen, noch ſie verletzen: man muß ſie vielmehr entſchul⸗ digen, ſie vielleicht bedauern, zumal aber ſie darüber auf⸗ klären. Ihr dürft nicht ein einziges Haar eures Bruders demſelben Glauben zum Opfer bringen, für den ihr mit Recht euer Leben hingeben würdet. Der Keim dieſer Duldſamkeit, dieſes Streben nach Wahrheit und allgemeiner Aufrichtigkeit reifte allmälig in Vinet zur innigſten Ueber⸗ zeugung und entfaltete ſich glänzend in ſeiner Denkſchrift zu Gunſten der Cultusfreiheit, womit er über 28 Mitbe⸗ werber den Preis von 2000 Fr. errang, welchen der fran⸗ zöſiſche Juſtizminiſter, Graf Lambrechts, als Mitglied der Geſellſchaft für chriſtliche Moral zu dieſem Zwecke in ſei⸗ nem Teſtamente beſtimmt hatte. Guizot erſtattete Bericht über die Konkurrenzſchriften und ſpendete dem gekrönten Werke verdientes Lob. Vinet hat darin an die Stelle des zu ſchwankenden und unſicheren Begriffes der Toleranz, die zuletzt doch nur in der religiöſen Gleichgültigkeit wurzelt, das Prinzip der Freiheit geſetzt; die Möglichkeit der Ein⸗ heit von Kirche und Staat ließ er noch dahin geſtellt; als er jedoch ſpäter ſich grundſätzlich gegen letztere erklären zu müſſen glaubte, verweigerte er ſtandhaft den Wiederabdruck einer Schrift, die ſeiner nunmehr gewonnenen Ueberzeugung nicht mehr entſprach.

Das Geſetz gegen religiöſe Verſammlungen außerhalb der Nationalkirche war ſo vieldeutig und dehnbar, daß es in der Hand der Gehäſſigkeit und Parteiſucht zu einer ge⸗ fährlichen Waffe wurde; ſo waren bereits verſchiedene unbe⸗ ſcholtene Männer, denen man nicht wohl wollte, zu hohen Geldbußen verurtheilt oder des Landes verwieſen worden, aus dem einzigen Grunde, weil ſie derartige Verſammlungen geleitet hatten. Im Januar 1829 wurde wegen derſelben