Aufsatz 
Festrede zur Schillerfeier
Entstehung
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seit 1663 eine ständige Versammlung der Abgesandten der einzelnen Staaten in Regensburg, hat durch seine Schwer- fälligkeit, durch Betonung eines zuweilen lächerlichen Zeremoniells, seine Langsamkeit in der Beschlussfassung, selten zur rechten Zeit wichtige, allseitig bindende Beschlüsse gefasst. Das Reichskammergericht, dem der Reichshofrat fast ebenbürtig und deswegen auch hindernd gegenübertrat, konnte wegen der mangelhaften Bezahlung der Richter, nicht immer seinen Aufgaben gerecht werden. Die Zahl der unerledigten Prozesse wuchs in die Tausende.

Entsprach die beibehaltene Kreisverfassung auch besser den Erwartungen, so kam doch auch sie für das ganze Reich nicht gleichmässig in Betracht. Steuer-, Münz-, Verkehrs-, Rechts-, Handelsverhältnisse u. a. waren ungeregelt. Die Wehrverfassung des Reiches war der wundeste Punkt, so dass sich bei der tiefen wirtschaftlichen Erschöpfung Deutschlands nach 1648 auswärtige Mächte, voran die, die sieh nach den Bestimmungen des westfälischen Friedens eine Mitregierung erworben hatten, wenig gehindert, Teile des Reiches aneignen konnten. laine Anteilnahme des Volkes, dessen Los zum Teil miserabel war, war für lange Zeit ausgeschlossen..

Zwar ist verschiedentlich der Versuch gemacht worden, dieses Deutschland kräftiger zu gestalten, an erster Stelle von den brandenburgischen Fürsten. Diese Versuche scheiterten aber alle an der Rivalität der Mit- fürsten und an dem Widerstande der Kaiser, von denen mit Ausnahme Josephs keiner das Durchschnittsmass über- schritt, und Josephs wohlgemeinte, aber zur Stärkung der habsburgischen Hausinteressen beabsichtigte Reformen hatten für Deutschland ebensowenig Erfolg wie die für Osterreich geplanten. In Wissenschaft und Kunst überwand Deutschland zuerstdie Folgen des 30jährigen Krieges und erreichte gegen Ende des 18. Jahrhunderts seine klassische Periode, eine schwache Entschädigung für die politische Zerfahrenheit, die zur Katastrophe führte beim Anbruch der französischen Revolution, in die Deutschland nicht durch die von Frankreich ausgehenden neuen Ideen von Freibeit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Volkssouveränität, sondern durch die depossedierten Fürsten auf dem linken Rbeinufer mit hinein- gezogen wurde. Die ausbrechenden Koalitionskriege wurden unglücklich geführt wegen der mangelhaften Teil- nahme der interessierten Reichsstände, der Sonderinteressen der Hauptmächte Österreich und Preussen und der Haltung Russlands infolge der gleichzeitigen Aufrollung der polnischen Frage. Nach Preussens Rücktritt im Frieden von Basel hinderte der Kaiser im Verein mit seiner Gefolgschaft, den geistlichen Staaten, das Zustandekommen eines allgemeinen Friedens und zog in sein Unglück nach 1797 auch einen grossen Teil der vertrauensseligen Stände mithinein, auf deren Kosten er seine Verluste in Italien zu decken suchte. Ein starkes, militärisch und zentralistisch verwaltetes Frankreich, mit einem ehrgeizigen Soldatenkaiser an der Spitze, erbob den Anspruch auf das Imperium, dessen alte Form es bei einem neuen Versuch Osterreichs, im Bunde mit England und Russland die UÜbermacht Frankreichs zu brechen, zerschlug. Österreich, das sich auch bei diesem Versuch wieder auf Kosten von Reichsständen bereichern wollte, musste es erleben, dass diese Reichsstände aus Selbsterhaltungstrieb sich an den französischen Kaiser anschlossen, mit ihm siegten und, mit der vollen Souveränität ausgestattet, einen festen Bund mit ihm eingingen und damit den gänzlichen Verfall des alten 1000jährigen Reiches besiegelten, so dass der Kaiser nun notgedrungen die Krone niederlegen musste.(6. VIII. 1806).

Um 1 ½ Uhr begann das Festessen im Alumnat zu 114 Gedecken. Es erhielt in diesem Jahre sein besonderes Gepräge durch die Weihe des Kaiserbildes, das Se. Durchlaucht der Fürst zu Putbus dem Pädagogium zu diesem Tage gestiftet hatte. Das prächtige Olgemälde, das von der Hand eines namhaften Künstlers, des Professors Gustav Richter in Berlin, stammt, stellt den Kaiser lebensgroß in Generalsuniform mit Feldmarschallsabzeichen dar, so wohlgetroffen, daß es uns war, als ob unser kaiserlicher Herr leibhaftig in unsere Mitte träte, um an unserem Feste teilzunehmen. In seinem Kaisertoast gab der Direktor dem Gefühl ehrerbietigen und herzlichen Dankes für das wahrhaft fürstliche Geschenk Ausdruck. Das Bild müsse eine Erinnerung an die vaterländische und königstreue Gesinnung des hochherzigen Stifters sein und zugleich eine Mahnung für die jugend des Pädagogiums zu gleicher Gesinnung.

Die der Anstalt als Geschenk Sr. Majestät für einen Schüler überwiesene Schrift von Wislicenus»Deutschlands Seemacht« wurde dem Unterprimaner Bruno Gerß übergeben.