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11. Konrad Richard Friedrick Lingsch, geboren in Eberswalde am 31. Januar 1880, war hier Schüler seit Ostern 1894 und bestand die Reifeprüfung Ostern 1902; er hatte drei Jahre die Schule in der Zwischenzeit verlassen gehabt und war im Justizdienst Supernumerar gewesen; aber die Liebe zum Studium hatte ihn hierhin zurückgeführt. Er stadierte später klassische Philologie in Halle, Greifswald, Joena; zuletzt war er, schon krank, in Berlin immatrikuliert. Infolge einer Operation, die ein schweres Darmleiden notwendig machte, starb er am 26. Oktober 1905, erst 25 Jahre alt. Alte Putbuser Freunde gaben dem Frühverstorbenen mit das letzte Geleite.
Der Abend des 4. Dezember gehörte der tanzlustigen Jugend. Zum Winterfest hatten sich von nah und fern Cäste eingefunden; auch Se. Durchlaucht der Fürst und Herr zu Putbus und Reichsgräfin Asta zu Wylich und Lottum beehrten das Fest mit ihrer Gegenwart. Bis nach Mitternacht waren Schüler und Gäste zu frohem Tanze beisammen und trennten sich mit dem Wunsche für ein gleich frohes Wiedersehen im nächsten Jahre.
Am Vorabende vor der Abreise der Schüler in die Weihnachtsferien, die vom 20. Dezember bis zum 4. Januar früh dauerten, waren Lehrer und Schüler unter dem Tannenbaum zur Weihnachtsfeier versammelt. Der Lesung des Evangeliums folgten ernste und heitere Lieder sowie musikalische Vorträge des Orchesters und einzelner Schüler.
Den Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers feierten wir am 27. Januar in her- kömmlicher Weise. Um 11 Uhr war Redeaktus im Auditorium.
Allgemeiner Gesang: Vater, kröne du mit Segen, Str. 1. Schriftwort und Gebet. Chor: Salvum fac regem. Deklamationen: 1. H. v. Flügge(Olll): Den Söhnen des Vaterlandes. Von E. v. Wildenbruch. 2. J. v. Heiden, B. Gerß, A. H. v. Gadow, B. Putzier, E. Pieper(Uh): Die Hermannsschlacht, Akt 1 Szene l und 3. Von H. v. Kleist. 3. H. Bechdoldt(V): Der Trompeter an der Katzbach. Von J. Mosen. Chor: Altdeutsches Kriegslied von Adrian Valerius. Deklamationen: 4. H. G. Triller(V): Auf der Nordsee. Von E. Scherenberg. 5. E. Wendroth(UIh: Die Helden des Iltis. Von Presber. 6. Gelinek(UII!): Deutsche Hiebe. Von M. GOraf v. Strachwitz. Chor: Sie sollen ihn nicht haben, den freien deutschen Rhein. Von Schumann. Festrede von Herrn Professor Buder. Allgemeiner Gesang: Vater, kröne usw. Str. 3.
Herr Professor Buder sprach in seiner Festrede über Gründe und Veranlassung für den Zusammenbruch des deutschen Reiches im Jahre 1806. Er wies nach, dass die Gründe für den Niedergang und schliesslichen Zusammenbruch des deutschen Reiches zu suchen sind in der Organisation, die das deutsche Reich nach dem 30- jährigen Kriege erfahren hat. Die fürstliche Libertät war siegreich aus dem Kampfe hervorgegangen und nahm die Souveränität für sich in Anspruch. Die kaiserliche Macht, im Vergleich zu früher schon geschwächt, büsste in der Folgezeit durch beschränkende Gesetze und die Wahlkapitulationen noch mehr ein. Von den mehr als 300 souveränen Ständen waren nur die grösseren lebenskräftig, sie bildeten sich zu modernen Staaten heraus, gestützt auf Heer, Steuern, Beamte, wurden dadurch aber auch gefährliche Rivalen der Zentralgewalt, während die kleineren nur dazu dienten, jeden Fortschritt und jede Reform zu hindern, die von den grösseren geplant wurden. Die Reichsinstitutionen versagten. Der Reichstag,


