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Der 27. Februar, der Tag der silbernen Hochzeit unseres Kaiserpaares, war schulfrei. Am Vorabende führten die Alumnen ein Lustspiel von Hans Sachs„Till Eulenspiegel und die drei Blinden“ auf und tanzten dann unter sich. Am Festtage selbst fand um 11 Uhr ein öffentlicher Festakt statt. Nach dem allgemeinen Gesang des niederländischen Liedes „Wir treten zum Beten“ unter Begleitung des Schülerorchesters hielt Herr Professor Dr. Loebe die Festrede, in der er die Bedeutung des Tages hervorhob, einen Uberblick über das Leben des Kaiserpaares gab und mit Glück- und Segenswünschen schloß. Das darauf folgende Chorlied, das Herr Musiklehrer Selchow zu dem Fest eigens in Musik gesetzt hatte, ist zur Erinnerung an den Tag auf besonderem Blatt dem jJahresbericht eingefügt. Drei Deklamationen(Stuhrmann: Heil unserem Kaiserpaar! Walter von der Vogelweide: Ir sult sprechen: willekomen. Schiller: Tell III, 1) und das Chorlied „Wilhelmus von Nassauen“ bildeten den Schluß des ersten Teiles, dem als zweiter Teil die Aufführung von Haydns Kindersymphonie durch das Schülerorchester folgte, die großen Beifall fand.
Bei günstiger Witterung machten die Herren Oberlehrer Dr. Marseille, Or. Steffen, Wolferts und Pinkernelle mit den Schülern wiederholt Fußwanderungen und Radausflüge. Im Winter turnten die Alumnen wöchentlich an 2 Abenden von 8—9 unter Leitung von Herrn Professor Buder, Herrn Oberlehrer Pinkernelle und Herrn Rendant Jesch; von Weihnachten bis Herbst fand ein Schnitzkursus statt unter Leitung des Herrn Lehrer Asmus aus Bergen. Im Fierbst bildete sich ein Trommler- und Pfeiferkorps, das der Unterprimaner von Rußdorf leitete. Im Auditorium wurden abends bisweilen kleine Vorträge gehalten: Herr Professor Dr. Schwartz sprach über die Saalburg, die er im Sommer besucht hatte, Herr Oberlehrer Dr. Steffen über den hannöverschen Feldmarschall Cuno Josua von Bülow, der von 1658 bis 1733 ein bewegtes Soldatenleben geführt hat; Herr Oberlehrer Wolferts über die Kirche der Wüste, Cowalschki aus Ul über Olympia, Schröder aus Ul über deutsches Städteleben im Mittelalter, von Rußdorf aus Ul über einige Gemälde Rafaels, Max Howitz aus Ul über das Deutsch-Ordensland, Gerß aus Ul über Roßbach und Leuthen, Dietrich von Oertzen aus Ol über Rheinsberg und Sanssouci, Haschenburger aus Ol über die Schlacht bei Sedan, Bredschneider aus Ol über Lenbach. Herr Stadthagen aus Breslau hielt einen Experimentalvortrag über flüssige Luft. Herr Oberlehrer Domke und Herr Oberlehrer Wolferts lasen den Alumnen vor oder beschäftigten sich mit ihnen auf andere Weise.
Im Laufe des Sommers helen an 3 Tagen(26. lum 4. und 5. August) einige Sunden wegen großer Hitze aus.
DerCesundheits-ustandder chüler warbis eihnachtensehrgünstis, dannaberbrachien ansteckende, wenn auch ungefährliche Krankheiten(Ziegenpeter und Masern) unerwünschte Störungen. Vom Lehrerkollegium fehlten wegen Erkrankung nur Herr Professor Schömann, abgesehen von seinem oben erwälmten Urlaub, am 12. Februar und Herr Oberlehrer Dr. Steffen am 2. und 3. März. Weiterhin waren noch folgende Herren zu vertreten: Professor Loebe am 10. Mai(Synode), Professor Campe am 14. Februar(Schöffe), Professor Schwartz am 24. Mai, 16. August, 8. November(Schöffe), 14.—22. Juni (Archäologischer Ferienkursus in Bonn und Trier), 17. Januar und 17. März(persönliche


