Aufsatz 
Festrede zur Schillerfeier
Entstehung
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wirklichen Antritt seiner Stellung der deutsche Krieg dieses Jahres, den er als Landwehr- mann im 1. Gardelandwehr-Regiment mitmachte und in dem er an der Besetzung Böhmens und Mährens teilnahm. Nach seiner Rückkehr aus dem Feldzuge begann er seine hiesige Tätigkeit. Als 1870 der Krieg mit Frankreich ausbrach, folgte er wieder dem Rufe seines Königs: er zog mit der Gardelandwehr vor Paris, machte die Belagerung bis zur Kapitulation mit, rückte in Paris ein und stand vor Kaiser Wilhelm vor Paris in Parade. Das schlichte Leben des einfachen Beamten hat durch die großen vaterländischen Ereignisse seine Weihe erhalten. Fast 40 Jjahre hat Herr Michaelis sein Amt am Pädagogium bekleidet. Darum wurde ihm auch im Auditorium der Anstalt eine Abschiedsfeier veranstaltet, bei der Se. Durchlaucht der Fürst zu Putbus erschien und dem Scheidenden eine besondere Ehrung zuteil werden ließ. Der Direktor dankte Herrn Michaelis für seine treuen Dienste im Namen der Anstalt sowie der vorgesetzten Behörde und händigte ihm das von Sr. Majestät dem Kaiser ihm verliehene Allgemeine Ehrenzeichen ein. Se. Durchlaucht begrüßte ihn im Namen des Kuratoriums und überreichte ihm ein schön ausgestattetes Diplom, während Herr Professor Dr. Loebe dem Scheidenden einen Lehnsessel als Geschenk des Lehrerkollegiums und von demPutbuser Abend in Berlin eine Ehrengabe von 50 Mark übergab. Möge dem 70 jährigen Greise noch ein langer Lebensabend in Ruhe und Glück beschieden sein!

Den Herren Oberlehrer Buder und Oberlehrer Dr. Schwartz wurde durch Patent vom 27. Januar 1906 der Charakter als Professor verliehen. 1

Die diesjährige Frühlingsfahrt fand am 20. Juni statt. Früh um 7 fuhren wir nach Sagard und Lancken und wanderten von dort in mehreren Abteilungen auf verschiedenen Wegen, zum Teil weit nach Norden ausholend, nach Stubbenkammer, wo wir uns zwischen 11 und 12 Uhr einfanden und erfrischten. Dann zogen wir durch den schönen Buchen- wald nach Saßnitz, aßen gemeinsam im Hotel Fahrenholtz zu Mittag, besuchten den Strand und fuhren am Spätnachmittag mit dem Dampfer Darß nach Binz; dort traten wir um 9 Uhr die Heimfahrt an. Von herrlichstem Wetter begünstigt, verlief der ganze Ausflug fröhlich und ohne Mißklang.

Am 22. August fuhr die gesamte Anstalt nachmittags nach Beendigung des Unter- richts nach Stralsund, um im dortigen Theater einer Aufführung des Lutherfestspiels von Herrig, die von Stralsunder Bürgern veranstaltet wurde, beizuwohnen. Das echt volkstüm- liche, begeisterte Spiel verfehlte seine Wirkung auf jung und alt nicht, und recht befriedigt kehrten wir heim. Schade war es nur, dass wir unserer für die Heimkehr abends ungünstigen Eisenbahnverbindung wegen um 11 Uhr mit einem Sonderzuge hierher zurückfahren mußten.

Das Sedanfest wurde durch einen Vortrag und Deklamationen mit Gesang am Vorabend im Auditorium gefeiert; am 2. September selbst war das Wetter so schlecht, daß ein gemeinsamer Ausflug nicht stattfinden konnte; der Unterricht fiel aus.

Am Reformationsfeste(5. November) fand in der Schloßkirche die gemeinsame Feier des heiligen Abendmahles seitens der Lehrer und Schüler der Anstalt statt.

Am 25. November vereinigte uns nach alter schöner Sitte die Toten-Vigilie zum Gedächtnis der ehemaligen Angehörigen des Pädagogiums, die im letzten Jahre heimgegangen waren. Nach einer Ansprache von Herrn Pastor Triller hielt der Direktor den Nachruf auf die Toten.