Aufsatz 
Vortrag, gehalten bei der Feier des 100jährigen Todestages Friedrich Schillers am 9. Mai 1905. Ein Gedenkblatt für die Schüler
Entstehung
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Am 9. Mai fand zur Erinnerung an den 100 jährigen Todestag Schillers eine Schulfeier ſtatt. Die Aula war von den zahlreich erſchienenen Gäſten bis zum letzten Platze gefüllt. Vorträge Schillerſcher Ge⸗ dichte und dramatiſcher Szenen durch Schüler der Anſtalt wechſelten mit Liedervorträgen Schillerſcher Dich⸗ tungen ab. In der Feſtrede gab Oberlehrer Dr. Jardon eine eingehende Charakteriſtik Schillers mit be⸗ ſonderer Berückſichtigung der in ſeinen Werken hervortretenden Ideale, wobei er hauptſächlich die den Schülern bekannten Gedichte zu Grunde legte. Im Anſchluſſe daran verteilte der Direktor mit einer entſprechenden Anſprache eine große Anzahl von Exemplaren verſchiedener Werke Schillers, welche der Anſtalt vom Herrn Miniſter als Prämien für würdige Schüler überwieſen worden waren.

Am 2. Juni machten die 39 Erſtkommunikanten, welche am Tage vorher zur erſten hl. Kommunion

3** T 2 7 5 8 2 6 8* gegangen waren, in Begleitung des Religionslehrers Dr. Schwamborn einen Ausflug nach Rath bei Düſſeldorf.

Wegen großer Hitze fiel der Unterricht im Juni an 6, im Juli an 5 Tagen von 12 Uhr an aus.

Am 11. Juli machten ſämtliche Klaſſen unter Leitung ihrer Herren Lehrer Schulſpaziergänge nach landſchaftlich ſchönen bezw. geſchichtlich merkwürdigen Punkten in die nähere und fernere Umgebung.

An den Geburts- und Sterbetagen weiland Kaiſer Wilhelms J. und Kaiſer Friedrich III. wurden die Schüler vor Beginn des Unterrichts auf die Bedeutung des Tages aufmerkſam gemacht.

Die Schulfeier am Kaiſersgeburtstage, welche um 11 ½ Uhr in der Aula ſtattfand, war von ſtaat⸗ lichen und ſtädtiſchen Behörden ſowie von den Angehörigen der Schüler rege beſucht. Vorträge von Liedern und Gedichten, welche das deutſche Heldentum in der Sage feiern, wechſelten mit einander ab. Im Anſchluſſe an dieſe Vorträge behandelte Oberlehrer Dr. Hilff in ſeiner Feſtrede die deutſche Sage und würdigte dieſe beſonders nach ihrer hohen Bedeutung für die auf echt nationaler Grundlage beruhende Jugenderziehung. Die Rede klang in ein von den Anweſenden begeiſtert aufgenommenes Hoch auf Se. Majeſtät den Kaiſer aus.

Aus Anlaß der ſilbernen Hochzeit unſeres erlauchten Kaiſerpaares fand am 27. Febr. ein Feſtakt ſtatt, zu dem die Angehörigen der Schüler ſo zahlreich erſchienen waren, daß die Aula die Schüler kaum mehr faſſen konnte. Zur Aufführung gelangte das SchulfeſtſpielDas Kaiſerpaar im Silberkranz von Drees und Kriegskotten, welches die Huldigung der verſchiedenen preußiſchen Landſchaften, z. T. durch heimiſche ſagen⸗ hafte Geſtalten perſonifiziert, darſtellt. Nicht unerwähnt bleiben ſoll an dieſer Stelle, daß ſich der müh⸗ ſamen Einübung der Geſangchöre Herr Rolf unterzogen hatte, obſchon er einer ernſten Erkrankung wegen bis zum Herbſt beurlaubt war. In ſeiner Feſtrede würdigte Oberlehrer Paul die Bedeutung des Tages für Deutſchland im allgemeinen und die Schule im beſonderen und zeichnete dann in großen Unriſſen das vor⸗ bildliche Familienleben der hervorragendſten Könige und Königinnen auf dem Hohenzollernthrone und be⸗ ſonders unſeres jetzt glorreich regierenden Kaiſerpaares. Begeiſtert ſtimmte die Feſtverſammlung in das Hoch auf das hohe Jubelpaar und das kaiſerliche Haus ein.

Am 7. und 8. März wurde unter dem Vorſitze des Herrn Geheimrats Dr. Buſchmann die mündliche Reifeprüfung abgehalten. Von 29 Prüflingen 2 konnten wegen Erkrankung die Prüfung nicht mit⸗ machen erhielten 25 das Zeugnis der Reife, 7 unter Befreiung von der mündlichen Prüfung.