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Der ganze Ernſt, mit dem Schiller ſeinen Beruf auffaßt, klingt in den zahlreichen Stellen wieder, die von der„Macht des Geſanges“ handeln. Intereſſant wäre ein Vergleich zwiſchen der Behandlung dieſes Themas durch Schiller und der durch ſeinen Freund Goethe. Bei jenem tritt überall der Gedanke der„ſitt⸗ lichen Läuterung“ durch die Gewalt des Liedes in die Erſcheinung.
So lange das deutſche Volk ſich für die Ideale Schillers erwärmt, ſo lange er im wahrſten Sinne des Wortes Volksdichter bleibt, ſo lange echter Mannesmut, frohes Selbſtbewußtſein, feſſenfeſte Treue, wahre Sittlichkeit und glühende Vaterlandsliebe bei ihm herrſchen, ſo lange wird es um unſere Zukunft gut beſtellt ſein. Jeder, der es mit ſeinem Volke redlich meint, wird freudig den neueſten Umſchwung in der Litteratur begrüßen und ſehen, daß die deutſche Jugend von dem übertriebenen Natura⸗ lismus ſich abkehrt und wieder den Idealen Schillers zuwendet. Möge der Hinblick auf Schiller die Jugend vor Selbſtüberſchätzung bewahren und in ihr die Tugend einer in ernſter wiſſenſchaftlicher Arbeit gegründeten Beſcheidenheit wecken. Es wäre ſelbſt zu wünſchen, wenn Schillers viel bekritelte pathetiſche Ausdrucksweiſe an die Stelle der zwar dem Leben abgelauſchten, aber für jeden künſtleriſch empfindenden Menſchen widrigen Proſa träte. Wird doch ſeinem Ausdrucke von dem beſten Kenner der deutſchen Sprache, Jakob Grimm, in ſeiner zum hundertjährigen Geburtstage gehaltenen Rede uneingeſchränktes Lob geſpendet.
So möge denn Schiller neben den ernſten Dichtern des Altertums unſere Jugend für das Wahre, Gute und Schöne begeiſtern.
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