Aufsatz 
Das deutsche Gymnasium in Olmütz. Geschichtlicher Rückblick : 3. Fortsetzung.
(1631-1650.)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

59

unserer Stadt ein offizielles Gepräge. Das Bühnenbild bot einen der Würde der Feier entsprechenden ungemein erhebenden Anblick. Aus einem von Blumen und Blattwerk geschaffenen Haine vor dem mit der altehrwürdigen Gymnasialfahne und in den österreichischen Reichsfarben geschmückten Kaiserbilde ragte die Büste des Dichters empor, um welche sich die Schüler, die Denkmünze am schwarzgelben Band an der Brust, in sinniger Weise gruppierten. Die Durchführung des musika- lischen wie deklamatorischen Teiles erfolgte in gleich ausgezeichneter Weise und übertraf selbst die höchsten Erwartungen, welche man in Anbetracht der ungewöhn- lich schwierigen Programmnummern in die Leistungsfähigkeit der Schüler setzte. Während der ganzen Feier berrschte eine wahrhaft weihevolle, von der Bedeutung des Festes mächtig durchdrungene Stimmung. So bildet diese Schillerfeier ein Ereignis in der Geschichte unseres Gymnasiums, dieser altehrwürdigen Anstalt zur dauernden Ehre, würdig, in deren Annalen verewigt zu werden.

Die Direktion erfüllt eine ihr besonders angenehme Pflicht für die der Ansralt bei dieser Gelegenheit entgegengebrachten Sympathien den innigsten Dank auszusprechen. Dieser gebührt namentlich dem Herrn Bürgermeister Karl Brand- huber und dem löbl. Stadtverordneten-Kollegium für die Uberlassung des Stadt- theaters, dem Herrn Buchdruckéreibesitzer Laurenz Kullil für die bedeutend ermäßigte Ligferung sämtlicher Drucksorten, dem Herren Parkdirektor Karl Pohl und Klavierfabrikannten Max Neswadba für die unentgeltliche Beistellung des Blumenschmuckes, bezw. der prächtigen Konzertflügel, der verehrlichen Buch- handlung Ed. Hölzel für die freundliche Besorgung des Kartenvorverkaufes, endlich der hiesigen Presse, insbesondere der Redaktion desMähr. Tagblatt* dieser schönen Feier zugewandte Fördèrung.

Einem wahren Herzensbedürfnis jedoch folgt der k. k. Lehrkörper, indem er Frau Stadtrat Emilie Heeg, Fräulein Irene Kullil, Herrn Heinrich Brandl und Herrn jur. stud. Karl Opila den innigsten Dank für ihre liebens- würdige Mitwirkung an der Aufführung von RombergsLied von der Glocke aus- spricht, eines Werkes, das als älteste hier noch nicht gehörte Vertonung des Schiller'schen Gedichtes das lebhafteste Interresse erweckte. Besondere Verdienste um die Aufführung der Schillerfeier haben sich die Herren Professor Josef Bäuml und Gesangslehrer Leopold Seyfried, ersterer durch die Leitung der Deklama- tionsübungen, letzterer durch jene des musikalischen Teiles erworben.

30. Mai: Schülerausflüge der cinzelnen Klassen unter Führung ihrer Professoren nach den durch ihre Naturschönheit besonders hervorragenden Punkte der Umge- bung unserer Stadt. Die Schüler des Obergymnasiums machten unter Führung des Dircktors, Regierungsrates Emil Seyss, und der Professoren Hlermann Lochs und Dr. Alois Bromer einen gemeinsamen Ausflug nach dem von der Bahnstation Markersdorf über eine Stunde Weges entfernten, seiner herrlichen Aussicht wegen viel gepriesenen Bradelstein. In dem benachbarten Dorfe Steine wurde in Gärtners Gasthause Mittagstation gehalten, worauf die Ausflügler nach einem strammen Marsche von 2 Stunden in Aussee anlangten. Hier erfolgte die Besichtigung des in dem fürstl. Liechtenstein'schen Schlosse errichtetenForst- und Waldmuseums, einer Schenswürdigkeit ersten Ranges, welche sämtliche Besucher zu staunender Bewun- derung hinriß. Dem Kustos des fürstl. Forst- und jagdmuseums Herrn Karl Wingel- müller, wurde beim Verlassen der Burg zum Danke für sein liebenswürdiges Ent- gegenkommen ein kräftigesHoch gebracht. Von Aussee erreichten die Ausflügler nach 1 ½ stündigem Marsche Müglitz und kehrten daselbst nach Besichtigung des Elektrizitätswerkes in Köhlers Gasthause zu einem Abendimbiß ein, worauf sie mit der Bahn die Rückfahrt nach Olmütz antraten. Des andern Tages fanden sich alle Schüler gekräftigt unter den Eindrücken eines in Gottes freier Natur herrlich verlebten Tages wieder zu ernster Arbeit ein.