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4. Juni: Kollegentag der Abiturienten des Gymnasiums aus dem jJahre 1855. Von den 34 Abiturienten des Jahres 1855 sind folgende zu der Feier erschienen: Pfarrer Benda aus Neplachowifz, Generalauditor Gustav Grimm von Szepes- Etelvär aus Wien, Gymnasialdirektor Holub aus Brünn, der Präsident der schles. Advokatenkammer Dr. Willibald Müller aus Troppau, Bürgermeister Dr. Emil Noha aus Sternberg, Advokat Dr. Fritz Plachky aus Olmütz, Schulrat Dr. Leopold Rotter aus Mähr.-Schöneerg, Pfarrer Johann Schramm aus Rothwasser und Pfarrer Anton Weiser aus Wlkosch. Montag vormittags um 11 Uhr empfing Gymnasialdirektor Regierungsrat Seyss die Jubelgreise, in deren Namen Herr Advokat und Landtagsabgeordneter Dr. Fritz Plachky für das an der Anstalt erworbene Wissen, welches sie alle zu ehrenvollen Stellungen im Leben führte, den tiefgefühlten Dank aussprach und dem deutschen Gymnasium auch für die Zukunft Blühen und Gedeihen wünschte. Hierauf erwiderte Regierungsrat Seyss: „Hochverehrte Herren! Vor allem erlaube ich mir, im Namen der meiner Leitung unterstehenden Anstalt für diesen Akt pietätvoller Anhänglichkeit an dieselbe dem tiefempfundenen Danke Ausdruck zu verleihen. Meine Herren! Wir leben in dem Zeitalter der Jubiläen. Unter diesen haben jedoch die sogenannten Kollegen- tage ihres idealen Inhaltes wegen eine besondere Berechtigung. Seit geraumer Zeit vergeht kaum ein Jahr, in dem nicht auch unsere Anstalt wenigstens einen Kolle- gentag feiert. Von allen aber, welche ich seit meiner mehr als 16jäbrigen Wirksamkeit als Direktor dieser Anstalt erlebte, kommt keinem die Bedeutung der heutigen Feier zu: vor einem halben Jahrhundert sind Sie, meine Herren, ausge- stattet mit den Waffen der Rüstkammer unserer altehrwürdigen Anstalt hinaus- gezogen in den Kampf des Lebens und heute kehren Sie— vielleicht nach mancher Enttäuschung, die ja keinem Sterblichen erspart bleibt,— als bewährte Kämpfer zurück, um der sich ewig verjüngenden prisca nutrix juvenum Ihre dankbare Hul- digung darzubringen und geben dadurch der heranwachsenden Generation ein glän- zendes Beispiel für den Geist der Zusammengehorigkeit, der die Herzen aller, auch zeitlich getrennter Glieder vereint. Ihre jugend, meine verehrten Herren, fällt in eine Zeit, wo das Studententum mit seijnen unter der Macht des romantischen Gedankens erstandenen sinnigen Gebräuchen, mit seinen gemütstiefen, die edelsten Gefühle der menschlichen Seele verherrlichenden Liedern eine— ich möchte sagen — naive Kraft übte, eine Errungenschaft, die um so wertvoller ist, als wenn wir sie nicht hätten, die Gegenwart mit ihrer realistischen Lebensauffassung und ihrem sezessionistischen Zuge sie gewiß nicht mehr schüfe.— Und in diesem Sinne heiße ich Sie nochmals herzlich willkommen und bitte Sie als 20⁶⁶ιοων õauf Ihrem ferneren Lebens- wege seitens Ihrer alten Bildungsstätte den innigsten Glück- und Segenswunsch für einen glücklichen und zufriedenen Lebensabend entgegenzunehmen!
21. Juni: Festgottesdienst zu Ehren des heil. Aloisius, des Schutzpatrones der studierenden Jugend, zelebriert von dem f.-e. Ordinatskommissär, dem hochwür- digsten Herrn Weihbischof, Dompropst und Generalvikar Johannes Weinlich. Die Feier erhielt besonders durch den Umstand eine besondere Weihe, daß wie alljähr- lich auch in diesem Jahre der Herr Religionskommissär den Abiturienten das heil. Altarsakrament spendete.. 6
26. und 27. luni.: Privatistenprüfungen..
3.— 8. Juli führte der Direktor, Reg.-Rat Emil Seyss in Gemäßheit des Erlasses Sr. Exzellenz des Herrn Statthalters vom 1. Juni 1905, Z. 10 737 den Vor- sitz bei den mündlichen Maturitätsprüfungen am k. k. deutschen Staatsgymnasium in Kremsier und vom 17.—22. Juli bei den mündlichen Maturitätsprüfungen am Landes- Unter- und Kommunal-Obergymnasium in M.-Neustadt.


