Aufsatz 
Das deutsche Gymnasium in Olmütz. Geschichtlicher Rückblick : 3. Fortsetzung.
(1631-1650.)
Entstehung
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Aber auch jetzt ruhte Schiller nicht. Immer noch arbeitete, strebte, schaffte

er und . sich und uns zu köstlichem Gewinne

Verwechselt er die Zeiten wundersam.

Begegnet so, im Würdigsten beschäftigt,

Der Dämmerung der Nacht, die uns entkräftigt. Fast bis zur letzten Stunde dichtete er. Zu früh starb er für seine Zeitgenossen und die kommenden Geschlechter, aber er starb jenen Tod, welchen schon die Alten, die Griechen und Römer, in Lied und Sage verherrlichten, um den ihn der große Goethe beneidete, den Tod in der Vollkraft seines Seins.

Hat aber schon die Betrachtung des Lebens des großen Dichters, sein Werde- gang, sein Kämpfen und Ringen, sein Martyrium im Dienste deutscher Kunst unser, der Jugend Herz erglühen gemacht, dann muß unsere Begeisterung hell aufflammen, wenn wir Schiller als Dichter betrachten. Denn weit über sich selbst hinaus, weit über den Anschauungskreis seiner ganzen Zeit hinaus, weit hinaus in die Regionen, die Schiller, der Mensch, niemals geschaut hat, erhebt sich hier Schiller, der Dichter, das alte Wort großartig und fast rührend erfüllend, daß der Dichter ein Weissager ist und von göttlichem Geiste getrieben.

Alles Schöne, Große, Edle und Erhabene, an dem die Jugend, die deutsche Jugend sich entzündet, hat er besungen. Und jenes Ideal, das ein charakteristischer Zug des deutschen Volkes von seinem ersten Aufreten auf der Bühne der Welt- geschichte war und durch alle Zeiten bleiben wird, jenes Ideal, das die Jugend be- geistert, das große Ideal der Freiheit zieht sich wie ein roter nein goldener Faden durch alle seine Werke. Aber nicht das Danaergeschenk der höchsten, voll- sten, ungezügelten Freiheit ist's, die er besang.

Ihm ist die Freiheit das Gesetz, das den einzelnen nur zwingt, wo seine Un- tätigkeit und nur beschränkt, wo sein Handeln den Forderungen des Rechts und Gemeinwohls widerstreitet.

Herrenlos ist auch der Frei'ste nicht. Ein Oberhaupt muß sein, ein höchster Richter, Wo man das Recht mag schöpfen in dem Streit. sagt er imTell nicht weniger bezeichnend als imEleusischen Fest. Und allein durch seine Sitte Kann er frei und mächtig sein. Diese Freiheit ist es also, die unser Schiller verherrlicht.

Wir sechen ihn endlich auch als begeisterten Vorkämpfer der Ideen des Weltbürgertums und der Menschenrechte. Durch den Mund des Marquis Posa ver- kündet er seine Gedanken über Völkerwohl und Völkerfreiheit. Aber er vergaß darüber nicht, daß jeder einzelne vor allem ein Glied seines Volkes und dann erst ein Glied der Menschheit ist und daß die große, ferne Idee des Bundes aller Völker in nichts zusammensinkt, wenn man die kräftige Eigenart der Völker auslöscht, die ihn eben bilden wollen. Klar und deutlich hat er es ja in seinerJungfrau von Orleans ausgesprochen:

Nichtswürdig ist die Nation, die nicht Ihr Alles freudig setzt an ihre Ehre. Und ans Vaterland kann jemand je besser, inniger gemahnen als er? Ans Vaterland, ans teure schließ dich an, Das halte fest mit deinem ganzen Herzen, Hier sind die starken Wurzeln deiner Kraft.

Aber auch alles andere, was die deutsche Jugend bewegt, entflammet und begei- stert: Freundschaft, Liebe, Wahrheit und Humanität hat er besungen.