Aufsatz 
Das deutsche Gymnasium in Olmütz. Geschichtlicher Rückblick : 3. Fortsetzung.
(1631-1650.)
Entstehung
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November) die Gebeine der Närtyrerin aus der jesuitenkirche durch einzelne Straßen getragen, begleitet von einer großen Volksmenge. Auch die Schulen wurden auf Wunsch der Geistlichkeit und der weltlichen Behörden auf 5 Tage geschlossen. Infolge eingetretener kühler Witterung ist die Pest erloschen. In das jesuitenkloster drang die Seuche nicht ein, obwohl die Väter des Ordens der Seelsorge gegen die Kranken eifrig oblagen. Als im Jahre 1634 neuerdings die Pest in Olmütz auftrat, wurde abermals ein Fest zu Ehren der heili- gen Paulina veranstaltet. Es erschien nun auffällig, daß, obwohl ganz Mähren von dieser Epidemie ergriffen worden, diese die innere Stadt, durch deren Straßen und Plätze im vorigen Jahre die Prozession ge- führt wurde, nicht berührté; wohl aber in die Gegend drang, welche man Vorstadt nennt, wo die Dombkirche und der Sitz aller Kanoniker ist und wohin nämlich jene Prozession nicht gekommen ist. Daher wendeten sich die Kanoniker an den jesuitenrektor mit der Bitte, es möge eine Prozession durch die Vorstadt veranstaltet Werden. Diese fand auf ihre Kosten und mit nicht geringem Aufwand von kirchlichem Prunke am 13. Juni unter dem Zusammenströmen aller Stände statt. Alle Klassen der Jesuitenschulen waren anwesend. Von diesen stellten die vier untersten Klassen, jede für sich, einen Teil der Lebensge- schichte der Patronin der Pest auf tragbaren Gestellen symbolisch dar. In ähnlicher Weise beteiligte sich die ganze Christenlehrjugend. Alle waren mit Blumen geschmückt; die Kränze wurden dann in der Jesuitenkirche am Altare der heiligen Paulina niedergelegt.

In die Zeit bis zum zweiten Exil der Jesuiten fallen folgende bemerkenswerte Ereignisse: Der Tod des Kaisers Ferdinand II. und die Thronbesteigung des Kaisers Ferdinand III., der Tod des Kardinals Dietrichstein und die Wahl des Erzherzogs Leopold zum Bischof von Olmütz. Kaiser Ferdinand II. wurde von den Olmützer jesuiten als Begründer ihres Besitzes, als ihr Mäcen und freigebigster Gönner gepriesen. Bei seinem Tode 1637 haben die Gegner der Jesuiten den- selben geradezu als den Vater der jesuiten bezeichnet.) Wie an an- dern Jesuitenschulen wurde auch in Olmütz eine mehrtägige Leichen- feier mit größtem Pompe veranstaltet. Ein Katafalk von außerordent- licher Größe wurde errichtet und mit Lichtern und Blumen und Emblemen aufs reichlichste geschmückt; von der studierenden Jugend wurde eine Unzahl von Grabsprüchen auf den kaiserlichen Förderer gedichtet..

Ferdinand II. soll den Orden der Gesellschaft jesu der Liebe und dem Wohlwollen seines Sohnes dringend empfohlen haben und Ferdinand III. kam ihm in der Wertschätzung der Jesuiten ganz nahe.

1*) Uber die geistige Persönlichkeit Ferdinand II. siehe Krones Geschichte Osterreichs 3. Band, Seite 505; ebenso die Ferdinand III. ebenda Seite 552.