Aufsatz 
Die Lehre von der Rechtfertigung aus dem Glauben nach dem Neuen Testament / von Rudolf Trümpert
Entstehung
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Was Dr. Weiß in ſeiner bibliſchen Theologie S. 94 ſagt:dieſen Glauben(an das Gekommenſein der Heilszeit oder des Gottesreiches, welchen das Vertrauen auf Jeſu Wunderhülfe bereits involviere,) aber, wie unklar und unvollkommen er auch ſein mochte, mußte Jeſus als Bedingung für ſeine Wunderhülfe fordern, weil die Güter des Gottesreiches, zu denen auch die Heilswunder gehören, nur den Reichsgenoſſen zu teil werden können, läßt ſich aus den von ihm angeführten Schriftſtellen nicht beweiſen.

Mt. 9, 28 ſcheint allerdings die Frage Jeſu an die Blinden:Glaubet ihr, daß ich euch ſolches thun kann? einiges Gewicht zu erhalten durch die Anrede,du Sohn Davids, die ſie Jeſu gegenüber gebraucht hatten, wie dies auch Mk. 10, 48 und Lk. 18, 38 bezeugt iſt(die drei Stellen reden offen⸗ bar über dasſelbe Ereignis), aber es ſcheint auch nur ſo. Wie wenig der AusdruckSohn Davids der Maſſe des Volkes wirklich bedeutete, zeigt uns der Umſtand, daß ſich die Geheilten bezw. der Ge⸗ heilte nicht an Jeſum anſchloſſen, denn während es Lk. 18, 43 heißt:Und alſobald ward er ſehend und folgte ihm nach, ſagt Mk. 10, 52:Und alſobald ward er ſehend und folgte ihm nach auf dem Wege. Es wäre doch wohl das einzig Natürliche geweſen, daß die Geheilten in allen Fällen Jeſu als Gläubige gefolgt wären, wenn der von Dr. Weiß angenommene Glaube an das Gekommenſein des Gottes⸗ reiches wirklich bei ihnen vorhanden geweſen wäre.

Wenn auch Jeſus Mk. 2, 5 dem Gichtbrüchigen ſagt:dir ſind deine Sünden vergeben, ſo dürfen wir doch nicht überſehen, daß der Kranke nicht Sündenvergebung, ſondern körperliche Heilung geſucht hatte, daß Jeſus vielmehr durch die Erwähnung der Sünden das Gewiſſen desſelben erſt wecken und damit auf ſein inneres Leben erſt einwirken wollte. überhaupt iſt daran feſtzuhalten, daß Jeſus bei ſeinen Wundern den Zweck verfolgte, den Blick der Juden erſt auf ihn als den Meſſias hin⸗ zurichten(daher atoy), und daß er im weiteren Verkehr mit ihnen dann beweiſen wollte, wie die Ab⸗ ſtellung körperlichen Leidens durch Jeſus nur ein Vorbild der Bekämpfung des ſeeliſchen Übels der Sünde ſei, an dem alle litten, und alſo in der Formeldein Glaube hat dir geholfen den Leidenden ein Finger⸗ zeig gegeben werde, daß ſie dieſelbe Heilung von Jeſu erführen, wenn ſie ihm ihr krankes inneres Leben anvertrauten, als nun, da ſie ihn als Helfer aus leiblicher Not aufſuchten.

Im Johannesevangelium, deſſen Würdigung durch Dr. Beyſchlag in ſeinemLeben Jeſu mir als die rechte erſcheint, kommt weder dieſe, noch eine ähnliche Formel vor, wohl aber iſt uns darin erzählt, daß Menſchen unter dem Eindruck eines Wunders Jeſu ſich an dieſen anſchloſſen, ſo der Königiſche bei der Heilung ſeines Sohnes Joh. 4, 53, Martha in Bethanien und auch Juden in ihrer Umgebung bei der Auferweckung des Lazarus Joh. 11, 27. 45.

Geradezu gegen die oben erwähnte Annahme von Dr. Weiß, die freilich zunächſt nur für die ſynop⸗ tiſchen Evangelien gelten ſoll, ſpricht die Geſchichte vom Blindgeborenen Joh. 9, der ſelbſt durch ſeine Heilung gar nicht auf den Gedanken kam, daß Jeſus der Meſſias ſein könne, ſondern ihn nach V. 17 einfach für einen Propheten hielt. Auf die Frage Jeſu:Glaubſt du an den Sohn Gottes? ſtellt er die Gegenfrage:Herr, wer iſt es, auf daß auch ich an ihn glaube? Erſt als Jeſus ſich ſelbſt ihm als Meſſias bezeichnete, ſprach er:Herr, ich glaube. Ebenſo wenig, als dieſer, ſind wohl die übrigen bei Jeſu Hülfe Suchenden vor der Erſcheinung der Hülfe alsReichsgenoſſen zu bezeichnen. Auch der Glaube des Hauptmanns von Kapernaum Mt. 8, 5 13 war nur ein geſteigerter Wunderglaube.

Nur in der Erzählung Lk. 7, 36 50 bedeuten die Worte:Dein Glaube hat dir geholfen mehr, als anderwärts, denn das Weib, dem ſie galten, ſuchte wirklich etwas anderes bei Jeſu, als die große Maſſe, ſie ſuchte Erquickung für ihre bedrückte Seele. Sie hatte eine Ahnung davon, daß Jeſus der Sünderheiland ſei, ſie liebte ihn in dem Bewußtſein, Troſt und Erhebung für ihr zerſchlagenes Herz bei ihm gefunden zu haben. An ſie gerichtet bedeutet daher jener Ausſpruch allerdings:Dein Vertrauen auf die Gnade Gottes, die ich vertrete, hat ſich gelohnt, dir ſind deine Sünden vergeben; ſie kann wohl alsReichsgenoſſin gelten.

Aber ſtreng genommen gehört dieſe Stelle ebenſowenig in dieſe Abhandlung herein, als die andern,