bedeutend mit Sündenvergebung zu faſſen. Daß Gott einem FS. A0ε«, Gottloſen ſeine Sünden
vergebe, war, wie wir ſahen, eine dem Alten Teſtament, abgeſehen von Heſ. 18, 23. 32. 33, 11, fremde Vorſtellung; Gott vergab danach nur denen die Sünde, deren Leben doch im Ganzen als ein im Dienſte Gottes geführtes erſchien. Zu beachten iſt, daß Paulus Röm. 4, 7. 8 ein Citat bringt, welches, wie auch andre, gar nicht beweiſt, was er beweiſen will. Denn er ſagt V. 6:„wie ja auch David die Seligpreiſung des Menſchen ausſpricht, dem Gott, abgeſehen von Werken, Gerechtigkeit zurechnet“. V. 7. u. 8 aber ſagen:„Selig ſind die, deren übertretungen vergeben und deren Sünden bedeckt wurden; ſelig iſt der Mann, dem der Herr ſeine Sünden nicht zurechnet“. Wie würde ſich dieſe Erklärung auf Abraham anwenden laſſen, dem ſein Glaube zur Gerechtigkeit angerechnet wurde? Wo iſt die Rede
Paulus als gerecht, weil er ihm vertraute, d. h. ſein Vertrauen auf Gott wog in deſſen Augen alle ihm als Pflicht obliegenden ſittlichen Leiſtungen auf.
Aber auch auf ihren Inhalt betrachtet decken ſich Sündenvergebung und Gerechterklärung
Gott vergibt die Sünden heißt doch: Gott ſieht die begangenen Sünden als ungeſchehen an, er gedenkt derſelben nicht wegen der wahrhaft bußfertigen Geſinnung, die der Menſch beweiſt, er ſiſtirt das Urteil über den Wert der Perſon bis auf weiteres, ſpricht ihr keinen beſtimmten ſittlichen Wert für den Augenblick zu. Letzteres geſchieht aber bei der Rechtfertigung durch den Glauben. Gott ſchenkt dem, der an Chriſtus glaubt d. h. ſein Vertrauen auf Gottes Gnade in Chriſtus ſetzt, feſt überzeugt iſt, daß Gott und die Menſchheit durch Chriſtus wirklich verſöhnt ſind, nicht nur ſeine Schuld, ſondern erklärt ihn um dieſes ſeines Glaubens willen für einen ſittlich Recht⸗ beſchaffenen. Der Gerechtfertigte hat gegenüber dem, dem ſeine Sünden vergeben ſind, etwas voraus, die Rechtfertigung ſchließt die Sündenvergebung ſelbſtverſtändlich in ſich, bedeutet aber zugleich die Zuerkennung des ſittlichen Zuſtandes, der Gott recht iſt, ja der
ſei, die Paulus aus reiner Oppoſition gegen die Juden in ſo ſchroffer Geſtalt aufgeſtellt habe, die aber gar keinen Werth für die Stellung des Chriſten zu Gott beſitze.
Dieſe Einwürfe widerlegen wir am beſten dadurch, daß wir auf den tieferen Grund in des Apoſtels
innerem Leben zurückgehen, dort die Urſachen für ſeine Auffaſſung aufſuchen und deren Conſequenzen ausſprechen.


