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d. h. eine vor Gott geltende ſittliche Rechtbeſchaffenheit überhaupt nicht zuſtande bringen könne, daß vielmehr zwiſchen Gott und Menſchen nur ein Verhältnis der Gnade, ſofern ſie von jenem geſchenkt, von dieſem empfangen werde, beſtehe, daß ſie nur von dem empfangen, nur dem zu teil werde, der beim Hinblick auf ſeine Sünden ſich derſelben getröſte, ſofern ſie durch Chriſti Opfer verbürgt ſei, alſo nur dem gläubigen Chriſten d. h. alſo, daß dem Menſchen Gott gegenüber nur die Geſinnung der Demut, das Gegenteil des ſittlichen Hochmuts, gezieme.
Daher begegnen wir folgenden Ausſprüchen bei dem Apoſtel, der in rechter Demut den Namen „Paulus“ d. h.„der Geringe“ angenommen hatte:„Von ihm(Gott) her ſeid ihr in Chriſtus Jeſus, der uns wurde Weisheit von Gott her, Gerechtigkeit und Heiligung und Erlöſung, damit(es geſchehe), wie geſchrieben ſteht:«Wer ſich rühmt, der rühme ſich des Herrn“ d. h. der rühme ſich ſeiner Vorzüge als eines durch Chriſtum vermittelten Werkes Gottes.“ 1 Kor. 1, 30. 31.„Wer unterſcheidet(bevorzugt) dich denn? Was haſt du aber, das du nicht empfangen hätteſt? Wenn du es aber empfangen haſt, was rühmſt du dich als Einer, der es nicht empfangen hätte? 1 Kor. 4, 7.„Denn es iſt kein Unterſchied; ſie ſündigten alle und mangeln der Gottesehre, indem ſie geſchenkweiſe gerecht⸗ fertigt werden durch ſeine Gnade vermittelſt der Erlöſung in Chriſtus Jeſus, welchen Gott ſich öffentlich hinſtellte als Gnadenſtuhl durch den Glauben in ſeinem Blut zum Erweis ſeiner Gerechtigkeit wegen des Durchlaſſens der vorher geſchehenen Sünden auf Grund der Nachſicht Gottes zum Erweis der Gerechtigkeit vor ihm in der jetzigen Zeit, damit er ſelbſt gerecht ſei und den Gläubigen rechtfertige. Wo bleibt nun das Rühmen? Es wurde ausgeſchloſſen.“ Röm. 3, 22 b— 27a.„Denn wenn Abraham aus Werken gerechtfertigt wurde, ſo hat er Grund ſich zu rühmen, aber nicht in Bezug auf Gott.“ Röm. 4, 2.„Denn durch die Gnade ſeid ihr gerettet worden mittelſt des Glaubens und dies nicht aus euch, Gottes Gabe iſt es, nicht aus Werken, damit ſich Niemand rühme.“ Epheſ. 2, 9.
Ja, der Apoſtel erklärt dem Wortlaut nach, unſer Gott habe es ſelbſt angeordnet, daß ſich das Geſetz als unzulänglich für die Menſchen darſtelle zur Erlangung wirklicher ſittlicher Rechtbeſchaffenheit in ſeinem Dienſt, denn er ſagt:„Aber die Schrift hat alles beſchloſſen(d. h. unterworfen erklärt) unter die Sünde, damit die Verheißung aus Glaube an Jeſus Chriſtus den Gläubigen gegeben werde.“ Gal. 3, 22.„Denn Gott hat alle zum Ungehorſam beſchloſſen, damit er ſich aller erbarme.“ Röm. 11, 32.„Das Geſetz aber kam dazwiſchen ein, damit die Sünde ſich häufte. Da aber, wo die Sünde ſich häufte, häufte ſich die Gnade noch viel mehr, damit, wie die Sünde herrſchte mittelſt des Todes, alſo auch die Gnade herrſche mittelſt Gerechtigkeit zum ewigen Leben durch Jeſum Chriſtum, unſern Herrn.“ Röm. 5, 20. 21 ſcf. Gal. 3, 1—14 u. Gal. 3, 19 xo„ α☚ ũ⁴ατν Idt οο⁸tε˙m*(5 v ο)].
Durch dieſe Ausſprüche, die manchem anſtößig erſcheinen möchten, will Paulus nicht etwa den Glanz der göttlichen Heiligkeit trüben,— das ſage ich für ſolche, die die erhabene Religionsanſchauung desſelben nicht genau kennen,— ſondern er will auf Grund ſeines feſten Vorſehungsglaubens damit ſagen, wie die ganze Menſchheitsentwickelung, bei der doch der freie Wille bedeutend in Anſchlag zu bringen iſt, dazu beigetragen habe, den Menſchen die Unmöglichkeit eigner Gerechtigkeit zu beweiſen und ſie ganz auf die Gnade Gottes zu verweiſen, durch deren Walten allein menſchliche Gerechtigkeit zu Stande kommen könnte. Den Höhepunkt dieſes Waltens der Gnade Gottes ſieht er in der Annahme des Opfers, welches Jeſus Chriſtus in ſeinem Sterben für die ſündige Menſchheit gebracht hat. Darum begegnen wir ſo oft der Entgegenſetzung von Gottes Gnade in Chriſto, welche mit dem Glauben ergriffen werden muß, und dem Dienſt des Geſetzes, der des Menſchen Errettung von ſeiner eignen Kraft erwarten läßt, d. h. der Forderung der Demut von demjenigen, der vor Gott als ſittlich rechtbeſchaffen gelten will, und der Verwerfung des ſittlichen Hochmutes.
Daß die Demut die eigentliche Wurzel des Glaubens an Chriſtus und ſomit auch der Rechtfertigung iſt, läßt ſich leicht darthun.


