— 19,—
einen neuen Weg eröffnet, auf dem eine vor ihm geltende Gerechtigkeit zuſtande kommen könne. Paulus ſieht ſie ſchon im Alten Teſtamente bezeugt(cf. das Beiſpiel Abrahams in Kap. 4 und die 10, 6 ff. angegebenen Schriftſtellen). Sie ruht auf dem Glauben an Jeſus Chriſtus, in dem Vertrauen auf die durch ſein Blut zuſtande gekommene Verſöhnung des gerechten Gottes, der nachſichtig viele Sünden hatte ungeſtraft hingehen laſſen, aber doch ſeiner Gerechtigkeit gegenüber den Sündern eine Sühne ſchuldig war, ſo daß alſo Jeſus am Kreuze, mit ſeinem Blut bedeckt, gleichſam ein öffentlich ausgeſtellter Gnadenſtuhl war, der übrigens die göttliche Gnadengegenwart nur dem verbürgt, der an Chriſti Sterben als Verſöhnungs⸗ opfer glaubt. Die Gerechterklärung der Menſchen durch Gott gründet ſich keineswegs auf deren Werk⸗ tüchtigkeit, ſondern nur auf Gottes Gnade. Mithin iſt aller menſchliche Selbſtruhm betreffs Erlangung der Gerechtigkeit vor Gott unmöglich gemacht. Es iſt in der xiarig, dem Glauben an Chriſtus, gleichſam ein neuer vo«, ein neuer Maßſtab für die Schätzung menſchlicher Gerechtigkeit zur Geltung gelangt, die Werke geben ihn nicht mehr ab, ſondern nur das Vertrauen auf Gottes Gnade in Chriſto Jeſu und zwar gilt das für Juden und Heiden gleicherweiſe(cf. aig xvtac* ri Täytas rodc torsbovrag in V. 22). Es erſcheint beſonders bemerkenswert, daß nach dem Zuſammenhang mit ros drratocb ro in V. 25 nur die Strafgerechtigkeit Gottes gegenüber den Sündern, in V. 26 aber nur die Gottesgerechtigkeit des Menſchen gemeint ſein kann, was meines Erachtens auch durch die Nebeneinanderſtellung von dixαιο und drxαοοενο bezüglich Gottes klar wird, deren erſtes auf V. 25, deren zweites auf V. 26 zu beziehen iſt.
Naoει in V. 25 als„Sühnopfer“ zu faſſen erſcheint nicht zuläſſig, da es in dieſem Sinn nicht in der Bibel gebraucht wird. Freilich überſetzen LXX Exod. 25, 17 5e mit Naorijpiον iride, aber
Hebr. 9, 5 iſt für den Deckel der Bundeslade, den Luther„Gnadenſtuhl“ nennt, Aaoritov allein gebraucht. So muß das Wort auch hier genommen werden, zumal der Ausdruck ε˙dero dafür ſpricht. Denn während die Bundeslade, an welcher ſich für den Juden die Vorſtellung der beſonderen göttlichen Gnaden⸗ gegenwart knüpfte, im Allerheiligſten des Tempels verborgen war, ſo ſchwebte Chriſtus am Kreuz ſichtbar für alle, die ihn ſehen wollten, ſo verbürgte er die Gottesgnade allen, die an den Gekreuzigten glauben. Er wird dann als das Opfer, welches das Blut gab, und als Hoherprieſter zugleich gedacht. Die Vor⸗ ſtellung vom Gang des Hohenprieſters in das Allerheiligſte ſcheint auch 5, 2 vorzuliegen.
7) Röm. 3, 31— 4, 25.—
V. 31.„Heben wir alſo das Geſetz auf durch den Glauben? Mit nichten, wir ſichern(vielmehr) den Beſtand des Geſetzes. K. 4, 1. Was alſo ſollen wir ſagen, daß unſer Vater Abraham nach dem Fleiſch gefunden habe? V. 2. Denn, wenn Abraham aus den Werken gerechtfertigt wurde, ſo hat er Grund, ſich zu rühmen, aber nicht in Bezug auf Gott. V. 3. Denn was ſagt die Schrift? Abraham glaubte Gott und es wurde ihm zur Gerechtigkeit angerechnet.) V. 4. Dem, der mit Werken umgeht, wird aber der Lohn nicht nach dem Maßſtab der Gnade, ſondern der Schuldigkeit zugerechnet, V. 5. dem aber, der nicht mit Werken umgeht, ſondern glaubt an den, der den Gottloſen rechtfertigt, wird ſein Glaube zur Gerechtigkeit angerechnet, V. 6. wie ja auch David die Seligpreiſung des Menſchen ausſpricht, dem Gott, abgeſehen von Werken, Gerechtigkeit zurechnet: V. 7.„Selig ſind die, deren Üübertretungen vergeben und deren Sünden bedeckt wurden; V. 8, ſelig iſt der Mann, dem der Herr ſeine Sünde nicht zurechnet.) V. 9. Geht nun dieſe Seligpreiſung auf die Beſchnittenen oder auch auf die Unbeſchnittenen? Wir behaupten nämlich, daß dem Abraham der Glaube zur Gerechtigkeit angerechnet wurde. V. 10. Wie wurde er ihm nun angerechnet?, als er beſchnitten oder als er unbeſchnitten war? Nicht beſchnitten, ſondern unbeſchnitten. V. 11. Und das Zeichen der Beſchneidung empfing er als Siegel der Gerechtigkeit des Glaubens, welchen er als Unbeſchnittener hatte, damit er ein Vater aller derer ſei, welche trotz ihrer Un⸗ beſchnittenheit glauben, damit auch ihnen die Gerechtigkeit zugerechnet werde, V. 12. und ein Vater der Beſchnittenen, nämlich für die, welche nicht nur beſchnitten ſind, ſondern auch wandeln in den Fußtapfen des Glaubens unſres Vaters Abraham, den er als Unbeſchnittener bewies. V. 13. Denn nicht durch das Geſetz wurde dem Abraham oder ſeinen Nachkommen die Verheißung, daß er der Erbe der Welt ſein
3*


