Aufsatz 
Die Lehre von der Rechtfertigung aus dem Glauben nach dem Neuen Testament / von Rudolf Trümpert
Entstehung
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Apoſtel z. B. den Römerbrief in Korinth verfaßt und den Korinthern nichts von der Rechtfertigung aus dem Glauben geſagt hätte, die er in dieſem Briefe beredt und begeiſtert vertritt? Nein, das hieße Paulus zerteilen. Es muß wohl angenommen werden, daß der Lehrſtoff, den alle Briefe des Paulus zuſammen liefern, den Stoff ſeiner mündlichen Predigt ausmachte, daß er denſelben in den einzelnen Briefen jedoch nur teilweiſe, je nach obwaltenden Anläſſen im geiſtigen und äußeren Leben der Gemeinden, herbeizog und verarbeitete.

Nach dem vorhin Geſagten kommt hier in Betracht 1) Gal. 2, 16. 20. 21.

V. 16.Da wir aber wiſſen, daß kein Menſch gerechtfertigt wird aus Geſetzeswerken, ſondern nur durch den Glauben an Jeſus Chriſtus, ſo ſind auch wir an Chriſtus gläubig geworden, damit wir aus Glaube und nicht aus Geſetzeswerken gerechtfertigt würden, weil aus Geſetzeswerken durchaus kein Fleiſch gerechtfertigt werden wird.

Wer aus dem Judentum zum Chriſtentum übergeht, muß bereits einen tiefen Eingriff in ſeine ſeitherige religiöſe überzeugung gethan haben, er muß den Wahn völlig aufgegeben haben, durch die Ver⸗ richtung von Geſetzeswerken das Prädikat eines di2 d. h. eines ſittlich Rechtbeſchaffenen zu erlangen, deſſen Beilegung wegen der Allgemeinheit des Ausdrucks x6Q ãßs hier nur als von⸗ ſeiten Gottes ſtattfindend gedacht ſein kann. Für gerecht erklärt Gott nur den an Jeſum Chriſtum Glaubenden. Was aber für einen ſolchen beſonders Gegenſtand ſeines Glaubens ſei, ſagt V. 20:was ich jetzt lebe im Fleiſch, das lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt und ſich ſelbſt für mich dahingegeben hat. Er glaubt d. h. er iſt feſt überzeugt von der verſöhnenden Kraft des Opfers, welches der Heiland in Liebe für die ſündige Menſchheit gebracht hat. Dieſes wäre nach V. 21 ganz unnütz geweſen, wenn Gott eine auf den Geſetzesdienſt gegründete Gerechtigkeit anerkennen wollte; es heißt daſelbſt:Ich verachte nicht die Gnade Gottes, denn, wenn durch das Geſetz Gerechtigkeit(zuſtande kommt), dann iſt Chriſtus umſonſt geſtorben. Die νοοον, die ſittliche Rechtbeſchaffenheit, von der Paulus hier redet, iſt der ſittliche Zuſtand, in den der einzelne durch das drαιοοdᷣαν eintritt. Der⸗ ſelbe erſcheint als eine Gabe der durch Chriſti Tod verbürgten Gottesgnade.

2) Gal, 3, 114.

V. 1.O ihr unverſtändigen Galater, wer hat euch beſchwätzt, denen Jeſus Chriſtus vor die Augen gemalt wurde unter euch als Gekreuzigter? V. 2. Dies nur will ich von euch erfahren: habt ihr aus Geſetzeswerken den Geiſt empfangen oder aus der Kunde des Glaubens? V. 3. Seid ihr ſo unverſtändig? Nachdem ihr im Geiſt angefangen habt, kommt ihr nun im Fleiſch zu Ende? V. 4. So Großes habt ihr umſonſt erfahren?, wenn nämlich überhaupt umſonſt. V. 5. Der euch nun den Geiſt darreicht und Kraftwirkungen in euch hervorbringt,(thut er dies) in euch aus Geſetzeswerken oder aus der Glaubens⸗ kunde?, V. 6. gleichwie Abraham Gott glaubte und es ihm zur Gerechtigkeit angerechnet wurde. V. 7. Er⸗ kennt demzufolge, daß die aus dem Glauben(= die Gläubigen) Abrahams Söhne ſind. V. 8. Die Schrift aber verkündigte in der Vorausſicht, daß Gott die Heiden aus dem Glauben rechtfertigt, dem Abraham vorher:«In dir werden alle Heiden geſegnet werden», V. 9 ſo daß die aus dem Glauben(= die Gläubigen) mit dem gläubigen Abraham geſegnet werden. V. 10. Denn alle, welche aus Geſetzeswerken ſind, ſind unter dem Fluch; es ſtehet nämlich geſchrieben:Verflucht ſei jeder, der nicht bleibt bei allem, was geſchrieben ſteht im Buch des Geſetzes, daß er's thues. V. 11. Daß aber auf Grund des Geſetzes niemand bei Gott gerechtfertigt wird, iſt offenbar, denn ⸗der Glaubensgerechte wird leben. V. 12. Das Geſetz aber iſt nicht aus dem Glauben, ſondern wer es thut, der wird auf Grund derſelben(= der einzelnen Satzungen des Geſetzes) leben. V. 13. Chriſtus hat uns losgekauft von dem Fluch des Geſetzes, indem er für uns zum Fluch wurde, denn es ſteht geſchrieben:«Verflucht iſt jeder, der am Holz hängt, V. 14 damit auf die Heiden der Segen Abrahams in Chriſto Jeſu käme, damit wir die Verheißungen des Geiſtes durch den Glauben empfingen.

In V. 6 iſt geſagt, daß dem Abraham ſein Glaube zur Gerechtigkeit angerechnet, daß er alſo von