Aufsatz 
Die Lehre von der Rechtfertigung aus dem Glauben nach dem Neuen Testament / von Rudolf Trümpert
Entstehung
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Röm. 8, 2. 3a, es verlangte nur Gutes von den Menſchen, das ſie aber nicht leiſten konnten Gal. 3, 10. 12, und bot doch in ſich ſelbſt keine Kraft, die jene der Gewalt der Sünde hätte entreißen können, es appellierte nur an den Willen, aber es hob ihn nicht, ſtärkte ihn nicht.

Trotzdem war es von großer Wichtigkeit. Es erhob eine Schranke gegen die Sünde Gal. 3, 19, reizte dieſe dadurch zu immer mächtigerer Entfaltung Röm. 5, 20. 7, 9, offenbarte aber dadurch zugleich ſeine Unzulänglichkeit, der Menſchheit das Heil zu bringen Röm. 8, 3, und wies ſo auf eine andre Heilsanſtalt hin, die wirkliches Heil brächte. Mit Recht nennt es daher Paulus Gal. 3, 24 einenZucht⸗ meiſter auf Chriſtus hin(x*α,ιmςα ες XpPl⁶).

Man erwarte nicht von mir, daß ich die Deduktionen des Apoſtels über das Geſetz hier weitläufig beſpreche, denn ſie ſcheinen mir im ganzen mehr wegen der dialektiſchen Gewandtheit des Paulus, als wegen ihrer Beweiskraft beachtenswert. Hat er doch in dem Abſchnitt Röm. 2, 11 ff. das Geſetz offenbar für etwas ganz Überflüſſiges erklärt, wogegen er ſich ſonſt wieder aufs ernſteſte verwahrt! Ein beſonderes Intereſſe erregen ſie allerdings dadurch, daß ſie zeigen, wie ſchwer es ſelbſt einem Paulus wurde, den Boden abzugraben, auf dem ſein religiöſes Leben über zwei Jahrzehnte geruht hatte.

Betrachten wir das eben über die Bedeutung des Geſetzes Geſagte, was mir als das Weſentliche und Wichtige erſcheint, ſo leuchtet uns der einzig mögliche Zielpunkt desſelben ſofort ein. Paulus wollte darthun, daß das Geſetz, ſo gut es auch an ſich war Röm. 7, 12, doch nicht die Verſöhnung der Menſchen mit Gott bewirken, eine vor ihm geltende Gerechtigkeit begründen konnte. Aus dem Bewußtſein dieſer Thatſache heraus fragt er ſehnſuchtsvoll Röm. 7, 24. 25a:Ich elender Menſch, wer wird mich erlöſen vom Leibe dieſes Todes? d. h. wer wird mich befreien von der Macht der Sünde, ſo daß mein Leib dem ſittlichen Tod(V. 10) nicht mehr als Sitz dienen muß, ſpricht er aber auch zugleich mit den Worten: ich danke Gott durch Jeſum Chriſtum, unſern Herrn, den innigen Dank dafür aus, daß der ſündigen Menſchheit ein neuer Heilsweg durch Chriſtus gezeigt worden iſt.

Mit deſſen Erſcheinung wardie Fülle der Zeit Gal. 4, 4. Eph. 1, 10,die vom Vater feſt⸗ geſetzte Zeit Gal. 4, 3 erreicht, war der Zeitpunkt gekommen, an dem der Menſchheit das Heil wirklich zufallen ſollte.

Jetzt erſchien das Weſen Gottes in einem andern Licht, als ſeither. An die Stelle der Gerechtig⸗ keit Gottes d. h. der relativen Gebundenheit ſeines Handelns durch die gegenüber Israel geltenden Bundes⸗ ſatzungen, die, wie wir ſahen, im Lauf der Jahrhunderte von den Juden immer dreiſter betont wurde, trat die 7ae dsod, die unbeſchränkte Liebe Gottes, gegenüber den Sündern ſich alsGnade darſtellend Röm. 4, 6. 5, 15 u. a. Dieſe konnte durch dieGeſetzeswerke EpSſA‿ 1o vo nicht an⸗ geeignet werden, wie Röm. 4, 4 Paulus treffend ſagt:Dem aber, der mit Werken umgeht, wird der Lohn(die Gerechtigkeit) nicht angerechnet nach Gnade, ſondern nach Schuldigkeit, ſondern nur durch rioricGlaube kann dies geſchehen.

Dieſer Glaube hat als Gegenſtand Chriſti Perſon und Werk, deren Auffaſſung durch Paulus wir darum hier feſtſtellen müſſen.

Er erklärt die hiſtoriſche Perſon Jeſus dadurch, daß er faſt ſtets die BezeichnungChriſtus hin⸗ zufügt, die er auch bisweilen allein gebraucht, für den Träger der Meſſiaswürde. Jeſus war nach der ſinnlichen Seite ſeines WeſensMenſch 1 Tim. 2, 5,geboren vom Weibe und dem Geſetz unterworfen Gal. 4, 4, nach der geiſtigen aber erfüllt vom Gottesgeiſt 1 Kor. 15, 46. 2 Kor. 3, 17. Kol. 2, 9, mit Gott weſentlich verwandt Phil. 2, 76. Kol. 1, 15,der Sohn Gottes Röm. 1, 4. 8, 3 u. a., nach der Analogie von Röm. 8, 14. 17. 19. 9, 26. 2 Kor. 6, 18. Gal. 3, 26. 4, 7 aufzufaſſen alsder einzige, bei dem das Kindesverhältnis gegenüber Gott, zu dem alle Menſchen berufen ſind, richtig beſtand.(cf. Eph. 1, 17, wo Gottder Gott unſeres Herrn Jeſu Chriſti, und Röm. 8, 29, wo Chriſtusder Erſtgeborne unter vielen Brüdern genannt wird.)

Trotz ſeiner hohen Würde aber hat ſich Chriſtus dazu herabgelaſſen, als Menſch unter Menſchen