Aufsatz 
Die Lehre von der Rechtfertigung aus dem Glauben nach dem Neuen Testament / von Rudolf Trümpert
Entstehung
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erfahren, daß die, welche ſich Gott zu Kämpfern für die Sache der Wahrheit auserſehen hat, dem⸗Zug des Allmächtigen nicht widerſtehen können, er wurde ein Zeuge Chriſti und zwar ein ſo gewaltiger, daß ihm der Rückblick auf ſein Apoſtelwerk die Erklärung 1 Kor. 15, 10 geſtattete, er habe mehr gearbeitet, als die andern Apoſtel. Das iſt ein Ruhm, den er ſich mit gutem Recht ſelbſt beilegen durfte, wir aber fügen bei, daß er dieſe Erklärung auch auf die Intenſität ſeines Wirkens anwenden durfte, denn ſein Verdienſt iſt es, das ſpezifiſch chriſtliche Bewußtſein im Gegenſatz zum jüdiſchen in der jungen Chriſtenheit erſt erweckt und geklärt zu haben.

Im Mittelpunkt ſeiner Lehrentwickelung ſteht der Satz von der Rechtfertigung durch den Glauben, aus dem Glauben, als Gegenſatz zu der jüdiſchen Erklärung:Der Menſch wird gerecht aus Geſetzeswerken.

Um uns den Weg zum Verſtändnis jenes Satzes zu bahnen, müſſen wir zunächſt die Anſchauung des Apoſtels Paulus über das Verhältnis des jüdiſchen Geſetzes(von ihm ſchlechthindas Geſetz ge⸗ nannt) zur Sünde kennen lernen.

Zuvor bemerke ich noch, daß ich Belege aus allen dem Paulus zugeſchriebenen Briefen benutzen werde, weil ich die Gründe gegen die Authentie einiger nicht für durchſchlagend halte(ſ. Dr. Holtzmann, Einleitung ins N. T., 1885) und namentlich nicht einſehen kann, warum der Apoſtel Paulus nicht in ſpäteren Jahren manches anders aufgefaßt und ausgedrückt haben ſoll, als früher, was ſich ſchon im Römer⸗ brief anbahnt cf. 10, 9. 10, überhaupt K. 9 11 gegen Gal. 4, 21 31, ohne darum den Kern ſeiner überzeugung zu ändern.

Paulus hat verſchiedene Bezeichnungen fürSünde. T³⁶αασα Röm. 4, 15. 5, 14. Gal. 3, 19. 1 Tim. 2, 14. aaνο Röm. 5, 19. 2 Kor. 10, 6, Aνρεμ Röm. 5, 20. Eph. 2, 1. A.4 a Röm. 3, 25. daria Röm. 3, 9. 5, 12. 6, 1. 10. 11. 12. 17. 7, 7. 8, 3. 1 Kor. 15, 17. 2 Kor. 5, 21. Gal. 3, 22. 2 Theſſ. 2, 3 u. a.

Während die erſten vier ſtets auf einzelne Fälle der Verſündigung gehen, hat Paulus das Wort paptia auch zur Bezeichnung der Sündenmacht gebraucht, unter deren Druck die Menſchheit von Adam her ſeufzte. Deſſen Vergehen nänlich iſt der Anfang des ganzen Sündenlebens, er hat durch ſeinen Ungehorſam das falſche Prinzip der Auflehnung gegen den göttlichen Willen in die ſittliche Ent⸗ wickelung der Menſchheit eingeführt. Wenn nun auch nach des Apoſtels Anſicht der leibliche Tod der Sünde Sold. iſt,(was an Weish. Sal. 2, 24 erinnert, wo es heißt, daß der Tod durch des Teufels Neid, a6Xod, in die Welt kam), und er ſagt, daß alle ſeit Adam Gebornen geſtorben, folglich Sünder geweſen ſeien, ſo behauptet er doch nicht ausſchließlich, daß ſie als Adams Nachkommen hätten ſündigen müſſen Röm. 5, 19, ſondern er leitet ihr Sterben zugleich daher ab, daß ſie ſich der Sünden⸗ macht, dem Sündenprinzip ergeben hätten, daß alſo die Sünde der einzelnen ihre freie That war, folglich auch ihr Tod die göttliche Strafe für ihre wirklichen Sünden Röm. 5, 12(' ävre Jro).

Übrigens verſteht der Apoſtel unterTod auch vielfach das ſittliche Verderben, dem die Menſchen durch ihre Sünden verfielen Röm. 8, 6. 2 Kor. 7, 10. Eph. 2, 1.

Ddie Menſchheit lag alſo von Adam her im Bann der Sünde und des Todes, des natürlichen wie des ſittlichen.

Was vermochte, ſo fragt nun Paulus, dieſem traurigen Zuſtand gegenüber das Geſetz, die religiös geweihte Ordnung des jüdiſchen Lebens, die Anweiſung zur ſittlichen Recht⸗ beſchaffenheit, wie ſie vorhin beſchrieben wurde? Er geht bei der Beantwortung derſelben auf die Zeit der Menſchheitsentwickelung zurück, in der überhaupt ſittliche Satzungen aufgeſtellt wurden, ſchildert aober damit zugleich die Erfahrungen, die er ſelbſt, ja die jeder unter dem Geſetz Geborene machen mußte.

Mit dem Aufſtellen des Sittengeſetzes wurde nach des Apoſtels Anſicht das ſeither unbewußt verübte Unrecht eine bewußte Verletzung des göttlichen Willens Röm. 3, 20. 4, 15. 5, 13. 7, 714. Die

Lage der Menſchheit wurde dadurch verſchlimmert, denn das Geſetz konnte die Sünde nicht überwinden 2