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erſcheint, ſo iſt doch andrerſeits nicht zu überſehen, daß dem Volke, ſoweit wir über ſeine religiöſen An⸗ ſchauungen aus dem Alten Teſtament belehrt werden, nie das Bewußtſein verloren ging, daß Gottes Güte und Barmherzigkeit jenes Bundesverhältnis begründet, ſeine Treue und Gnade die Weiterführung desſelben ermöglicht haben Pſ. 78. 105. Dan. 9, 18 b. Jenes tritt ſchon recht deutlich hervor bei den oben er⸗ wähnten Bundesſchließungen. Gott hat Noah aus der Zahl der dem Verderben verfallenen Menſchen mit großer Güte herausgenommen und bewahrt, er hat Abraham in väterlicher Fürſorge den gefährlichen Einflüſſen der Heimat entzogen und zur rechten Gottesverehrung hingeleitet, er hat das Volk Israel als ein gütiger und barmherziger Gott aus der Knechtſchaft AÄgyptens herausgeführt und zu ſeinem Volk auserkoren.
So bekennt auch ſchon Jakob 1 Moſ. 32, 10:„Ich bin zu geringe aller Gnade und Treue, die du an deinem Knechte gethan haſt“, und die Pſalmſänger ſind ſich deſſen wohl bewußt, daß nur eine relative Gerechtigkeit bei Israel zu finden iſt, denn es heißt Pſ. 130, 3:„So du, Herr, willſt Sünde zurechnen, Herr, wer wird beſtehen?“ und Pſ. 143, 2:„Herr, gehe nicht ins Gericht mit deinem Knechte, denn vor dir iſt kein Lebendiger gerecht“ und 1 Moſ. 8, 21 iſt die ſtets vorhandene Neigung des Menſchen zur Sünde anerkannt in der Erklärung:„Das Dichten des menſchlichen Herzens iſt böſe von Jugend auf.“
Wir finden alſo bei den Frommen des alten Bundes die Einſicht, daß ſie der Gnade Gottes äußeres Glück und den Frieden der Seele, der auf dem Bewußtſein des beſonderen göttlichen Wohlgefallens beruht, verdanken, ſie vergeſſen nicht, daß ihnen dies alles zu teil wird als Gliedern des Bundesvolkes, welches ſich der beſonderen Gnade und Treue Gottes erfreut 4 Moſ. 14, 19. Sie haben die feſte Zuverſicht, daß dieſe Geſinnung Gottes gegen Israel ſtets beſtehen wird, ſie glauben an Gott als den beſonderen Hort des Volkes, wenn er auch manchmal durch deſſen Verhalten genötigt wird, ſeinen Zorn walten zu laſſen.
Wenn nun auch„die freie Gnade Gottes als die objektive Grundlage der Heilsſtellung der Israeliten“ erſcheint, wie Dr. Schultz in ſeiner„bibliſchen Theologie des Alten Teſtamentes“ S. 301 mit Recht ſagt, ſo kann ich ihm doch nicht zuſtimmen, wenn er die Frage nach deren ſubjektiver Grundlage dahin beantwortet, daß ſie ganz, wie im Neuen Teſtamente, der Glaube ſei.
Warum eine ſolche Erklärung, wenn gleich darauf geſagt werden muß, daß„ſich vor allem in den älteren Zeiten der israelitiſchen Religion keineswegs eine Lehre von dem gerechtmachenden Glauben finde“, daß keiner der Begriffe„hoffen auf Gott“,„ſich verlaſſen auf Gott“,„Zuflucht ſuchen bei Gott“ etwa im Sinne des pauliniſchen Wortes„Glaube“ ausgebildet ſei, daß„auch in den Zeiten der höheren Ausbildung des religiöſen Sprachgebrauches dieſer noch fließend ſei“, daß„noch weniger die meiſten Erzählungen ausdrücklich betonen, daß dieſer Glaube es ſei, wodurch die Stellung des Heiles zuſtande komme“? Die ſubjektive Grundlage der Heilsſtellung des Israeliten iſt meines Erachtens die Gerechtigkeit, die Stimmung des altteſtamentlichen Frommen ſchwankt zwiſchen Selbſtgefühl und Demut gegenüber Gott, wie das die Nebeneinanderſtellung folgender Schriftworte beweiſt:„Herr, mein Gott, richte mich nach deiner Gerechtigkeit“ Pſ. 35, 24a und„Der Herr iſt Richter über die Leute. Richte mich, Herr, nach meiner Gerechtigkeit und Frömmigkeit“, Pſ. 7, 9; beſonders aber„Der Herr thut wohl an mir nach meiner Gerechtigkeit, er vergiebt mir nach der Reinigkeit meiner Hände.“ Selbſtlob findet ſich auch Pſ. 17, 1—5. 18, 21—26. 26. 41, 13. Gerechtigkeit und Gnade ſchließen bei Gott einander nicht aus Pſ. 62, 13.
Der Glaube des Alten Teſtaments hat mit dem von Paulus charakteriſierten nur gemein den Grundzug des Vertrauens, welches aber im Alten Teſtamente nicht einmal überall den gleichen Gegenſtand hat, denn es bezieht ſich entweder auf die Fürſorge Gottes für den Beſtand des Bundesvolkes 4 Moſ. 14, 11. 20, 12. 2 Kön. 17, 14. Pſ. 106, 12 u. ſ. w. oder für die Erhaltung und Rettung des einzelnen Israeliten in äußerer Bedrängnis Pſ. 2, 12. 4, 6. 5, 12. 16, 1. 18, 3. 31. 25, 21. 26, 1. 27, 3. 14. 33, 18. 34, 23. 39, 8(cf. 11). 42, 6. Jerem. 17, 7. u. ſ. w.
Auffallend iſt es doch, daß die Begriffe„glauben“ und„rechtfertigen“ nur einmal, nänlich


