Aufsatz 
Die Lehre von der Rechtfertigung aus dem Glauben nach dem Neuen Testament / von Rudolf Trümpert
Entstehung
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Der Begriff der Gerechtigkeit als einer göttlichen und einer menſchlichen Eigenſchaft begegnet uns im Alten Teſtament ſehr oft. Gott wird aber nicht vorwiegend darum gerecht genannt, weil er ſeine Feinde, die Frevler, die Gottloſen ſtraft, wie das ſo häufig in Predigten und theologiſchen Abhandlungen he⸗ hauptet wird, ſondern weil er im allgemeinen die Menſchen immer fo behandelt, wie A ihrer ſittlichen Würdigkeit, ihrer Stellung zu Gott angemeſſen iſt.. Letztere iſt nun für das Volk Israel eine einzigartige, von der aller übrigen Nationen abweichende, denn Israel iſt dasBundesvolk, es ſteht zu Gott im Verhältnis des Bundes.

Jede Vereinbarung zur Erreichung gemeinſamer Zwecke 1 Moſ. 31, 44. 1 Sam. 23, 18. 2 Kön.

11, 4, oder zur Regulierung der Rechtsverhältniſſe 1 Moſ. 14, 13. 21, 32. Joſ. 9, 6. 7 erſcheint im Alten Teſtament unter der BezeichnungBund..* So verfolgten auch Gott und Israel gemeinſame Zwecke. Gott ſuchte ſeine eigne Herr⸗ lichkeit unter den Völkern der Erde dadurch zu beweiſen, daß er Israel als ſein Volk ſchützte Sach. 2, 5. und zu Kraft und Ehre führte 1 Sam. 12, 22. Dan. 9, 15; Israel ſuchte ſein eignes Wohl dadurch zu fördern, daß es ſich ſeinen Gott günſtig ſtimmte durch Verehrung Pſ. 20, 4, aber auch durch Ge⸗ horſam gegen deſſen Gebote Jeſ. 1, 19. 45, 23. f 430E N 8 Aber es beſtand auch eine Art von Rechtsverhältnis zwiſchen beiden, welches ſich beſonders in der bei der Geſetzgebung vorkommenden Zuſammenſtellung dogve⸗ DſoßnSatzungen und Rechte auss drückt 5 Moſ. 4, 5. 14. 11, 32. 12, 1. Gott gab dem Volk Geſetze, nach denen dieſes ſein ſutliches

Leben geſtalten ſollte. Für den Fall, daß das Volk ſeine Schuldigkeit thun würde, verſprach Gott, das ſelbe als ſein Eigentum vor allen Völkern anzuſehen, vor dieſen allen auszuzeichnen 2 Moſ. 19, 5. 6 Jeſ. 43, 21. Jer. 31, 33. Heſ. 11, 19. 20.

Wie ſehr das Volk gerade dieſe Auffaſſung ſeiner Stellung zu Gott liebte, zeigt der Umſtand, das das Alte Teſtament nicht nur von dem Bund ſpricht, den Gott mit der großen Volksgemeinde durch Moſes am Sinai ſchloß 2 Moſ. 19. 24, ſondern auch von einem mit Abraham 1 Moſ. 15. 17, ja⸗ einem ſchon mit Noah 1 Moſ. 9 gemachten Bund Gottes. Die bei dieſen Bundesſchließungen vorkommenden

Opfer ſind eine Nachahmung der bei Bundesſchließungen zwiſchen Menſchen gebräuchlich geweſenen

Schlachtung und wohl auch gemeinſamen Verſpeiſung von Tieren. Daher die Redensarteinen Bund ſchlachten on(5 x* réuyety, foedus icere, ferire, percutere). Inſofern ſich Gott an die Bundesſatzungen gegenüber Israel hält, iſt er gerecht, (mag er dies durch Beſtrafung oder Belohnung bekunden), 5 Moſ. 32, 4. Pſ. 11, 7. 22, 32. 24, 5. 31, 2. 33, 4. 5. 51, 6. 112, 4. 116, 5. Neh. 9, 8. Dasſelbe gilt von dem Israeliten 5 Moſ. 6, 25. 24, 13. Die Gerechtigkeit Gottes tritt aber nun im beſondern dadurch zu Tage, daß er den ihm treu an⸗ hängenden Israeliten zu ihrem Recht verhilft Pſ. 7. 35, 24. 25. 103, 6, ihnen ein glückliches Leben bereitet 5 Moſ. 5, 24. Pſ. 61, 6. 7, ſie namentlich gegen alle Vergewaltigung vonſeiten der Gott⸗ loſen, der Frevler ſchützt, dieſe ſelbſt niederhält und zu nichte macht Pſ. 17, 8. 9. 18, 18. 19. 49. 19, 14. 31, 19. 53. 55, 24. 64, 810. 66, 7. Hoſ. 14, 10. Nah. 1, 2, daß er, wenn auch unter wunderbarer Führung, die ſeine Anhänger zu Zweifel und Sorge hinführen kann Pſ. 37, 5 ff. 60, 3 6. 66, 10 12. Jeſ. 28, 29. Jerem. 29, 10 12. Klagl. 3, 2226. Heſ. 34, 16, ſich doch immer wieder durch Thaten als den Gott ſeines Volkes bekennt Pſ. 4, 4. 5, 9. Jeſ. 54, 7 10. Ebenſowenig wird Gott ſogleich irre an der Geſinnung ſeiner Freunde und Verehrer in Israel. wenn ſie in irgend etwas die Treue gegen die Bundesgeſetze verletzen, Pſ. 78. Der Gerechte des alten Bundes iſt kein Heiliger Pſ. 19, 13. Sein Leben iſt ein Nebeneinander von Gutem und Böſem, aber das Geſamtgepräge desſelben iſt doch die Ehrfurcht vor dem Bundes⸗ gott, das Streben ihm zu gefallen 5 Moſ. 5, 24, 25. Pſ. 60, 6. 61, 6. 103, 13. 17. Jene kann auch durch Sünden, die dann und wann begangen werden, nicht verwiſcht werden 2 Moſ. 34, 7