Aufsatz 
Bericht über die Feier des 25jährigen Bestehens der Großherzoglichen Realschule zu Wimpfen am Neckar am 2. und 3. April 1897 / von Direktor Dr. Kemmer
Entstehung
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IV. Aufführung des Festspiels

Kaiser Friedrich II. in Wimpfen beizuwohnen. Dies Festspiel, gedruckt bei Chr. Elser in Wimpfen(Preis 50 Pfg.), behandelt einen der schönsten Abschnitte aus Wimpfens Geschichte. Die Wimpfener Zeitung vom 19. Februar 1897 schreibt darüber: Es spielt im Jahre 1224; der Schauplatz ist die damals eben fertig gewordene Kaiser- pfalz, deren letzte, verbaute und verfallene Ueberreste noch heute zeugen von ihrer einstigen Pracht und Herrlichkeit. In äusserst geschickter Weise hat der Verfasser alle möglichen für Wimpfen bedeutsamen Dinge in die nur ein paar Stunden umfassende Handlung herein- gezogen: die Erbauung der Kaiserpfalz, die Schenkung des Forstwaldes, die Neuerbauung der Thalkirche, die Thalmesse, Schul- und Klostergründung, ja selbst der Splitter vom Kreuze Christi in der Dominikanerkirche ist nicht vergessen.

Die Aufführung selbst, bei der etwa 30 Schüler in Kostümen vom Heilbronner Stadt- theater mitwirkten, wurde von folgendem Prolog eingeleitet, den ein Herold vortrug:

Seid mir gegrüsst, ihr edlen Gäste, Gegrüsst viel tausendmal, Die ihr zu unserm Jubelfeste Erschient in grosser Zahl.

Der Ehre, die ihr uns erwiesen, Sei unser Dank gesagt. Wir bitten freundlich zu geniessen, Was wir zu bieten gewagt.

Der Mittel und des Raumes Schranken, Sie hemmten Zug um Zug, Der Phantasie und dem Gedanken Bleibt Raum zu freiem Flug.

So seht in diesem engen Raume Den stolzen Kaisersaal, Wie ihn wohl mancher schon im Traume Gesehen hat einmal.

Versetzt euch in die schönen Zeiten Des deutschen Heldentums, Da sich die Staufenkaiser erstreiten Die Kränze ew'gen Ruhms.

Und seht in unsern Helden Der Rittertugend Zier, Die gerne sich zum Kampfe stellten Im Krieg und im Turnier.

Und scht der Bürgerschaft Vertreter, Die strebend nur bedacht, Wie ihre Stadt wird jetzt und später Zu Glanz und Ruhm gebracht.

Lasst auferstehn vergangner Zeiten Ein Stück in eurem Geist, So voller Glanz und Herrlichkeiten, Wie keine Zeit sonst weist,

Die nur vergleichbar unsern Tagen Und ihrem grossen Sohn, Der endlich wieder aufgeschlagen Der Hohenstaufen Thron.

Dann darf ich auch zu hoffen wagen, Dass euch nicht ganz missfiel, Was schwache Kraft sich vorzutragen Bemüht in unserm Spiel.

Alle mitwirkenden Schüler entledigten sich ihrer Aufgabe unter der Leitung der Herren Reallehrer Gebhardt und Kahl mit sichtbarer Freude und entsprechendem Geschick, ins- besondere zeigte der Darsteller des Kaisers Friedrichs II.(Abiturient Schweiss) grosses Verständ- nis für seine nicht kleine Rolle. Lauter Beifall lohnte ihren Eifer, und eine photographische Auf- nahme der Mitspielenden wird ihnen die Erinnerung an das Spiel lebendig erhalten.

Auch bei dieser Gelegenheit war der Saal wieder überfüllt, obgleich das Festspiel zwei Tage vorher bereits zweimal hinter einander, ebenfalls vor gefülltem Saale, aufge- führt worden war. Auf das Festspiel, an dessen Schluss es heisst:

Ein glänzend reiches Festmahl ist bereitet Die feinsten Weine, die am Neckar und Für unsern grossen Kaiser und die Gäste

8 Am Rheine reifen in der Sonne Glut Im schön geschmückten Rittersaal, dazu,

folgte das