vV. Festmahl
im Saale des Badhotels zum„Ritter“, an dem gegen 200 Personen teilnghmen. Leider war auch dieser Saal zu klein, eine Reihe von Teilnehmern musste im Notensaal Platz nehmen, andere fanden sich erst nach dem Essen zu der sich anschliessenden ge- selligen Uuterbalnng ein.
Den ersten Trinksapruch auf S. M. den Kaiser und 8. K. H. den Grossherzog brachte Herr Geh. Oberschulrat Soldan in schwungvollen Worten aus, worauf Hie Kaiser- und die Landeshymne stehend gesungen wurde. Herr Realgymnasialdirektor Münch von Darmstadt toastete in schöner Weise auf das fernere Blühen und Gedeihen der Anstalt. Hierauf erwiderte der Direktor. Er gab zunächst Kenntnis von den seit der Schulfeier eingelaufenen weiteren Telegrammen und gedachte dann, anknüpfend an die Rede des Herrn Münch, der beiden Faktoren, durch deren einmütiges Zusammen- wirken die Schule gegründet und erhalten worden war und fortdauernd gefördert wird, der Regierung und der Stadt, und brachte ein Hoch aus auf deren anwesende Vertreter, den Herrn Geh. Oberschulrat Soldan und Herrn Bürgermeister Bornhäusser. Darauferwiderte Herr Bürgermeister Bornhäusser und toastete auf Direktor u. Lehrer- kollegium, einschliesslich des vorigen Direktorsund der früheren, anwesenden Lehrer.
Die Stimmung war bereits recht lebhaft geworden, als Herr Reallehrer Kahl in mehr humoristischer Weise die auswärtigen Gäste feierte, für deren zahlreiches Erscheinen er als Schriftführer des Festausschusses fleissig gearbeitet hatte. Darauf erwiderte Herr Deppe aus Bochum und erinnerte daran, dass das glänzende Gelingen des Festes vor allem ein Verdienst des Festausschusses sei, dem daher sein Hoch galt.
Da einige frühere auswärtige Schüler mit ihren jungen Frauen erschienen waren, die durch ihre Teilnahme das Fest verschönten, so feierte Herr Geh. Oberschulrat Soldan in launigen Worten diese und den gesamten„Staat der Stadt“.
Auf das auf den Festausschuss ausgebrachte Hoch erwiderte Herr Oberamts. richter Sander in zündenden Worten; er betonte die Opferfreudigkeit der Bewohner der Stadt und der früheren Schüler und Lehrer, wodurch erst das Fest ermöglicht und zugleich noch ein Fonds zu guten Zwecken für die Schule geschaffen worden sei. Sein Hoch galt allen denen, die mit Herz und Hand Beiträge zum Fest gespendet hatten.
Herr Ministerialkalkulator Ernstberger aus Darmstadt gedachte in Dankbarkeit der bereits verstorbenen früheren Lehrer und toastete auf die noch Lebenden aus frühester Zeit, worauf Herr Reallehrer Schmuck aus Bingen, der jener Zeit als Lehrer ange- hört hatte, ein Bild der Realschule aus den Zeiten ihres Anfaugs in heiteren Zügen entwarf.
Die Toaste wechselten ab mit Vorträgen der Festmusik, mit Gesängen aus dem Liederbuch und Einzelvorträgen, und die Stunde war bereits sehr vorgeschritten, als sich die Reihen zu lichten begannen.
Der für den näüchsten Tag in Aussicht genommene Ausflug nach Weinsberg und der schön gelegenen und historisch interessanten Weibertreu konnte des Wetters wegen leider nicht zur Ausführung kommen. Der Himmel hüllte sich früh morgens in eine düstere Regenwolke ein, die ihr unerfreuliches Nass während des ganzen Tages in ununterbrochenen Strömen über unsere Feststadt ergoss.„Es schien auch“, schreibt der Berichterstatter der Wimpfener Zeitung in der Nummer vom 7. April,„als wäre bei den Gästen dazu keine grosse Neigung vorhanden gewesen, wenigstens hörten wir überall


