Aufsatz 
Bericht über die Feier des 25jährigen Bestehens der Großherzoglichen Realschule zu Wimpfen am Neckar am 2. und 3. April 1897 / von Direktor Dr. Kemmer
Entstehung
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bekannte Wort Friedrichs des Grossen erinnern:Es ist nicht nötig, dass ich lebe, wohl aber, dass ich meine Pflicht thue.

Aber bei aller Arbeit, bei aller Gewissenhaftigkeit in der Erfüllung Eurer Pflicht seid Euch stets dessen bewusst, dass Ihr in des grösseren Herren Pflicht steht, dass Ihr von einer höheren Macht in dieses Leben gestellt ssid, in dem Ihr Euch als treue Haus- halter bewähren sollt.

Noch auf eins möchte ich Euch besonders hinweisen im Hinblick auf Eure zukünftige Lebensstellung. Ihr werdet nun mehr wie seither auf Euch selbst gestellt sein, mehr Freiheit haben. Es ist ein schönes Wort, das Wort Freiheit, und es ist eine schöne Sache um die Freiheit, wenn man sie recht zu gebrauchen versteht. Aber diese Freiheit kann auch sehr verhängnisvoll werden und ist es schon oft geworden im Leben der Völker so- wohl wie im Leben des einzelnen Menschen, wo man das nicht verstanden hat. Drum möchte ich Euch bitten, diese Freiheit in der richtigen Weise zu gebrauchen. Mancher hat vielleicht schon gedacht: ich bin nun frei und will mir diese Freiheit zu nutze machen und ist dabei ein Sklave seiner Leidenschaften geworden. Nicht der ist wirklich frei, der seinen Neigungen und Begierden nachgiebt, sondern der, der sich zu beherrschen weiss, oder, um mich der Worte eines Dichters zu bedienen:Nicht der ist frei, der da will thun können, was er will, sondern der ist frei, der da wollen kann, was er soll. Also darauf kommt es an, dass man seinem Willen die Richtung zu geben versteht, die das Sittengesetz, das in eines jeden Menschen Brust gelegt ist, vorschreibt.Merk auf die Stimme tief in dir, sie ist des Menschen Kleinod hier. Bedenkt in der Zeit. was zu Eurem Besten, was zu Eurem inneren Frieden dient. Bedenkt, was Ihr Euch selbst, Euren, Eltern, Eurer Ehre, was Ihr Eurem Vaterlande schuldig seid. Die Zeiten, in denen wir leben, sind ernst. Ernster werden vielleicht diejenigen, denen wir entgegen- gehen. Die Zukmunft stellt vielleicht einmal hohe Anforderungen an Euch, und diesen An- forderungen werdet Ihr nur dann genügen können, wenn Ihr Eure Jugendeeit ordentlich ausnützt, wenn Ihr alle Eure Kräfte einsetzt. tüchtige brauchbare Menschen zu werden, wenn Ihr bemüht seid, auf der Bahn weiter zu gehen. die Euch die Schule gezeigt hat, und Euer ganzes Leben als einen Gottesdienst zu betrachten.

Zum Schluss habe ich noch eine Bitte an Euch. Denket manchmal an Eure Schul- zeit und an die Schule selbst zurück. Ihr habt wohl in diesen Tagen, wo die Schule ihr Jubelfest feiert, manchen alten Bekannten begrüsst. Ihr seht, welch' reges Interesse der Schule von allen Seiten entgegengebracht wird, insbesondere auch von seiten ihrer ehe-

maligen Schüler. Zeiget Ihr jederzeit ein gleiches Interesse für die Schule und bewahrt ihr ein gutes Andenken.

Hierauf erwiderte zugleich im Namen seiner Mitschüler der Abiturient Eberhard, indem er auf die Bedeutung des Spruches:Nicht für die Schule blos, sondern für das Leben lernen wir, etwas näher einging. Er beantwortete zunächst die Frage: Was heisst Lernen? zeigte dann, inwiefern man für die Schule lernen soll, um dann das Lernen für's Leben näher zu kennzeichnen. Er schloss mit den Worten:Der Schule aber, die uns bisher so liebevoll geleitet, wollen wir ein gutes Andenken bewahren und unser Interesse für sie stets lebendig erhalten. Mit dem Gesang:Lebet wohl ihr treuen Brüder, Musik von F. A. Schulz, schloss gegen halb 1 Uhr die Schulfeier.

Nach einem kräftigen Frühstück und einem Gang durch die Stadt sammelten sich die

Festteilnehmer aufs neue im Saale des Mathildenbades, der unterdessen abermals entsprechend verwandelt worden war, um der