Aufsatz 
Bericht über die Feier des 25jährigen Bestehens der Großherzoglichen Realschule zu Wimpfen am Neckar am 2. und 3. April 1897 / von Direktor Dr. Kemmer
Entstehung
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Gesanglehrers Engel die I. Abteilung von Rübezahl, Dichtung und Musik für Soli und Chor von Adalbert Ueberlée zur Aufführung.

Es war dies eine Leistung, schreibt die Wimpfener Zeitung vom 7. April,deren Ermöglichung viel Arbeit und Mühe erforderlich gemacht hatte, weil sie fast zu hohe Forderungen an die gesanglichen Leistungen der Schüler stellte.

Es folgten dann einige Deklamationen von Schülern aus Klasse VII bis Klasse II, worauf Reallehrer Peth als Klassenführer von I die Abiturienten, die vorgetreten waren, mit einer Rede entliess, die wir mit unwesentlichen Auslassungen wiedergeben.

Es liegt mir ob, noch einige Abschiedsworte an unsere diesjährigen Abiturienten zu richten.... Der heutige Tag bildet für Euch alle einen Abschluss in Eurem Entwickelungs- gang, einen Markstein auf Eurer Lebensbahn. Und da möge es mir denn erlaubt sein, mit Euch einen kurzen Rückblick zu werfen auf Eure Schulzeit, die nun hinter Euch liegt, einen kleinen Ausblick zu halten auf die Zeit, die vor Euch liegt, und daran einige Betrachtungen und Ermahnungen zu knüpfen.

Wenn Ihr auf Eure Schulzeit zurückblickt, so werdet Ihr gewiss viele freudige Er- innerungen haben. Fällt doch die Schulzeit in das schönste Lebensalter, in das Alter, in dem man sich noch keine grossen Sorgen macht. Und es ist doch gewiss etwas Schönes, in Gemeinschaft mit seinen Altersgenossen in edlem Wetteifer seine Kräfto zu üben, sein Wissen zu bereichern, die grossen Errungenschaften, die der menschliche Geist im Laufe der Jahrhunderte auf den mannigfachsten Gebieten des kulturellen Lebens gemacht hat, kennen zu lernen, um sich später, mit solchen Kenntnissen ausgerüstet, sei es auf irgend einem anderen Gebiete, weiter auszubilden, oder im Dienste einer unserer grossen Verkehrs- anstalten einen Posten auszufüllen.

Aber ich kann mir andererseits nicht verhehlen, dass Ihr bei einem Rückblick auf Eure Schulzeit doch auch manche weniger angenehme Erinnerung haben werdet. Wird doch die Schule von der Jugend gar zu leicht als ein Zwang, ja als ein lästiger Zwang empfunden, wird es doch gar zu leicht von den Schülern bitter empfunden, immer und immer wieder ermahnt, gewarnt, ja wohl auch getadelt zu werden, immer und immer wieder zur Ordnung angehalten und zur Arbeit gedrängt zu werden. Nun, was in dieser Hinsicht von Euren Lehrern geschehen ist, so bitte ich Euch, zu bedenken, dass dies alles in Eurem eigensten Interesse geschehen ist, dass es Euren Lehrern darauf ankam und darauf ankommen musste, Euch ein bestimmtes Mass von Kenntnissen mitzugeben, ohne die man nun einmal im Leben nicht weiter kommen kann, Euren Geist und Euer Herz zu bilden. Euren Neigungen und Trieben die Richtung zu geben, die allein zu dem Ziele führt, das uns als Menschen hier auf Erden gesteckt ist.

Und wenn ich nun den Blick auf Eure zukünftige Lebensstellung richte, und wenn ich dabei von etwas wünsche, dass Ihr es mitnehmen möget ins Leben, so ist es eben die Gewöhnung an die Arbeit und das daraus entspringende Pflichtgefühl. Wir sind nun einmal in dieses Leben gestellt, um zu arbeiten.Im Schweisse deines Ange- sichts sollst du dein Brot essen, hat Gott einst zu Adam gesagt. Wenn dieser göttliche Befchl als Strafe erscheint, so liegt darin nur ein Beweis, dass Gott auch im Strafen liebr; denn in der Arbeit liegt ein Segen, ein unschätzbarer Segen. Gar mancher Mensch, der auf Abwege geraten ist, wäre vielleicht davor bewahrt geblieben, wenn er in seiner Jugend gelernt gehabt hätte zu arbeiten.Arbeit ist des Bürgers Zierde, Segen seiner Mühe Preis. Drum harret aus in treuer, ernster, zielbewusster Arbeit. Ich möchte Euch hier an das