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Und worin bestehen die Pflichten des Lehrers? Dass er seinem Berufe mit Treue und Gewisscnhaftigkeit nachgeht uad dass er vor allem erfüllt ist von wahrhafter Liebe zu seinen Schülern wie ein weiser und gerechter Vater zu seinen Kindern. Diese Liebe ist nicht ein weiches, tändelndes Gefühl, ein schwächliches Nachgeben und Buhlen um die Gunst der Schüler, sondern sie ist ein wohlüberlegtes, weises Verhalten, das sich der Natur des einzelnen Schülers aupasst und je nach den Umständen sich in Strenge oder Milde, in würdigem Ernst oder heiterem Wesen äussert. So auch sendet der Herr Regen oder Sonnenschein, trüben oder heiteren Himmel, wie er es in seiner unerforschlichen Weisheit für erforderlich hält.
Wenn Schüler und Lehrer in dieser Weise ihre Pflicht erfüllen und das Elternhaus sie richtig unterstützt, dann kann es nicht fehlen, dass eine Schule die ihr gestellte Auf- gabe auch löst. Ob das für unsere Schule zutrifft, das zu entscheiden, ist nicht meine Sache. Doch wenn aus Ührer zahlreichen Beteiligung an unserem Feste und aus der ausser- ordentlich grossen Zahl freundlicher, glückwünschender Zuschriften ehemaliger Schüler, die alle bedauern, nicht persönlich erscheinen zu können, ein Schluss zulässig ist, so darf wohl angenommen werden, dass unsere Schule in den verflossenen 25 Jahren sich ihrer Aufgabe nicht unwürdig erwiesen hat. Dass sie auch in Zukunft gleicher Gunst und gleichen An- sehens sich erfreue, dass auch in Zukunft in jeder Hinsicht tüchtige Männer aus ihr hervorgehen mögen, das ist mein innigster Wunsch am heutigen besttage.
Möge die Wimpfener Realschule in alle Zukunft blühen und gedeihen zum Wohl und Vorteil der Stadt und ihrer Umgebung, zum Stolz für unser engeres Heimatland Hessen und zum Segen für unser geliebtes deutsches Vaterland.
Möge Gott seinen Segen, an dem alles gelegen ist, stets über ihr walten lassen,
Dass sie in immer schönerer Vollendung Sich würdig zeige ihrer hohen Sendung!—
Herr Geh. OberschulratSsoldan überbrachte die Glückwünsche der Grossh. Staats- regierung und verlieh der Freude Ausdruck, dass die Grossh. Realschule zu Wimpfen, die aus kleinen Anfängen sich entwickelt habe, heute als würdiges Glied der hessischen Schul- anstalten dastehe. Er wünschte der Anstalt ferneres Gedeihen, Wachsen und Blühen mit dem Bemerken, dass das Wohlwollen der Grossh. Staatsregierung der Anstalt stets in reichem Masse zur Seite stehen werde.
Der Direktor dankte dem Herrn Geh. Oberschulrat für das Wohlwollen und die Fürsorge der Regierung, sowie für das Vertrauen, das sie der Anstalt entgegenbringe und versprach, soweit an ihm liege, zu zeigen, dass sie sich dieses Vertrauens allzeit würdig erweise.
Darauf wurden unserer Anstalt die Glück- und Segenswünsche für ferneres Blühen und Gedeihen von den persönlich vertretenen Anstalten dargebracht. Herr Realgymnasial- direktor Prof. Münch von Darmstadt wies auf die mannigfachen Beziehungen zwischen seiner Anstalt und der Jubilarin hin, die nicht nur darin bestünden, dass er selbst die Anstalt 6 Jahre lang geleitet und ihr jetziger Leiter früher als Lehrer an seiner Anstalt gewirkt habe, und ein Uebergang von Lehrern von der einen zur andern stattfinde, sondern auch in dem fortgesetzten Zugang von Schülern unserer Anstalt an die seine zur weiteren Ausbildung und in einer fortdauernden geistigen Verbindung der Lehrer beider Anstalten. Daran anschliessend, betonte Herr Reallehrer Obenauer von Oppenheim (ebentalls frühner in Wimpfen), dass auch zwischen Oppenheim und Wimpfen viele Be- rührungspunkte bestünden, die sich auf Lage und Geschichte der Stadt und die Geschichte


