Aufsatz 
Bericht über die Feier des 25jährigen Bestehens der Großherzoglichen Realschule zu Wimpfen am Neckar am 2. und 3. April 1897 / von Direktor Dr. Kemmer
Entstehung
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Insbesondere sei dem bereits heimgegangenen Geh. Oberschulrat Becker und dem ebenfalls bereits verstorbenen Kreisrat Gräff von Heppenheim um heutigen Tage der ehrende Kranz dankbarer Erinnerung und Anerkennung auf das Grab gelegt.

Und dass uns die Gunst und das Wohlwollen der hohen Staatsregierung bis zum heutigen Tage in gleicher Weise zu Teil wird, das wird bezeugt durch ihre Teilnahme an unserer heutigen Feier. Hierfür, sowie für die lebendige Förderung unserer Sehule sagen wir dem anwesenden Vertreter der hohen Regierung, Herrn Geh. Oberschulrat Soldan, sowie auch Sr. Exc. dem Herrn Geheimerat v. Knorr, der unserer Schule nunmehr fast 25 Jahre ein warmer Fürsprecher ist, unseren herzlichsten Dank.

Aber der Rahmen der Männer, die ihr Bestes eingesetzt haben für die Entwickelung, das Blühen und Gedeihen unserer Anstalt, würde unvollständig sein, wollte ich nicht auch gedenken der Direktoren und Lehrer, die an ihr gewirkt haben, und von deuen eine er- freuliche Zahl uns heute mit ihrem Besuche beehrt hat, andere unter dem lebhaften Aus- druck des Bedauerns, dass ihnen persönlich zu erscheinen nicht möglich war, ihre Glück- wünsche schriftlich dargebracht haben.... 3

Hochverehrte Festversammlung! Die vorliegende Veranlassung wäre so recht geeignet, die Bedeutung einer höheren Schule für Stadt und Umgegend, den idealen und realen Wert einer höheren Schulbildung ins rechte Licht zu setzen, sie wäre eine passende Gelegenheit, zu zeigen, welche Vorteile einem jeden einzelnen, der Gemeinde und dem Staate daraus erwachsen, dass sie die Schulbildung auf jede Weise fördern und pflegen, doch ich will dieser Versuchung widerstehen. Warum sollte ich Ihnen auch sagen, was Sie alle wissen und was Sie z. T. zweitelsohne besser und überzeugender zum Ausdruck bringen könnten? Beweist doch Ihre Anwesenheit hinlänglich, dass Sie den Wert der Bildung zu schätzen wissen, dass Sie die Ueberzeugung haben, wie notwendig es sei, die Jugend zu befähigen, zielbewusst teilzunehmen an den Arbeiten der Gegenwart, um das eigene Volk und die ganze Menschheit vor wärts zu bringen auf dem Wege, den uns Gottes Wille und Weisheit bezeichnet hat. Und auch hier in Wimpfen mit freudiger Genug- thuung sei es gesagt ist die Wertschätzung der höheren Bildung durcbgedrungen und die Ueberzeugung allgemein geworden, dass die aufgewendeten Opfer ein Kapital sind, das reichliche Zinsen trägt. Die Beteiligung aller Kreise an unserem heutigen Feste, die Freudigkeit, mit der alle Arbeiten übernommen wurden, und die Aufbringung der reich- lichen Mittel in dem kleinen, gerade nicht wohlhabenden Städtchen sind ein lebendiges Zeugnis hierfür, dess wir dankend gedenken....

Wenn ich es auch für überflüssig erklärte, über Wert und Bedeutung einer höheren Schule ein Wort zu verlieren, so dürfte das vielleicht nicht ebenso gelten in Bezug auf die Frage: Was ist die unmittelbare Aufgabe der Schule? Was ist ihr Ziel, und wie wird es erreicht? Zur Beantwortung dieser Fragen regt eine Feier wie die heutige von selbst au. Leider muss ich mich in meiner Antwort hierauf kurz fassen.

Als höchstes Ziel der Erziehung und des Unterrichts schwebt uns vor, unseren Zöglingen eine klassische Bildung zu geben. Wir verstehen darunter eine harmonische Ausbildung der leiblichen und geistigen Anlagen, des ästhetischen und sittlichen Gefühls. Klassisch nennen wir den Menschen, der mit einem ge- sunden, durch körperliche Uebungen gewandten und abgehärteten Körper einen gesunden Sinn für seinen Beruf, seine Umgebung, seine Familie, sein Vaterland verbindet und durch entsprechende Opferwilligkeit be- thätigt. Ein solcher wird sich und seiner Zeit genüge leisten und ein Vorbild sein für seine Mitmenschen.